Mehr Schutz für Tiere in Meeresschutzgebieten gefordert

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    Deutschland,

    Viele Meeresgebiete Deutschlands stehen zwar unter Schutz, aber wirksam ist dieser sehr oft nicht. Umweltschützer mahnen wirklich ungestörte Regionen für Schweinswale, Fische und Seegraswiesen an.

    Jedes Jahr landen tausende Fischernetze in Nord- und Ostsee, in denen sich Tiere dann verfangen. Foto: Jens Büttner
    Jedes Jahr landen tausende Fischernetze in Nord- und Ostsee, in denen sich Tiere dann verfangen. Foto: Jens Büttner - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • In deutschen Meeresschutzgebieten sollten Fischfang und andere Eingriffe stärker eingeschränkt werden, fordern Umweltschützer.

    «Bis heute wird in den Schutzgebieten, die wertvolle Ökosysteme vor unseren Küsten beherbergen, gefischt, es fahren Tausende Schiffe und es finden Rohstoffabbau und militärische Manöver statt», kritisierte der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger. Tiere und Pflanzen benötigten Rückzugsräume. Laut Statistischem Bundesamt stünden 47 Prozent der deutschen Meeresflächen der Nord- und Ostsee unter Schutz. Allerdings bestehe dieser grösstenteils nur auf dem Papier.

    «Angesichts der dramatischen Zahlen des Weltbiodiversitätsberichts zum Zustand der Natur können wir uns Schutzgebiete, die nur auf dem Papier existieren, nicht mehr leisten», sagte Leif Miller, Geschäftsführer des Deutschen Naturschutzbundes (Nabu). «50 Prozent der Meeresschutzgebiete müssen zu nutzungsfreien Zonen werden.» International hätten sich diese sogenannten «No-Take-Areas» bewährt. Die Natur erhole sich schneller, Artenvielfalt, Biomasse und auch die Grösse der Individuen stiegen an. «Durch sich erholende Fischbestände und gesunde Seegraswiesen als natürliche Klimaschutzmassnahmen profitieren davon letztlich auch wir Menschen», ergänzte Nabu-Meeresschutzexperte Kim Detloff.

    Henning von Nordheim vom Bundesamt für Naturschutz bestätigt die schlechte Lage der Gebiete zum Teil. «In den Naturschutzgebieten der deutschen Ausschliesslichen Wirtschaftszone (bis maximal 370 Kilometer) vor den Küsten dürfen militärische Übungen abgehalten werden und Schiffe fahren», sagte er. «Auch die Fischerei ist kaum geregelt und bodenberührende Fischerei derzeit noch erlaubt.» Nach einem Vorschlag der Bundesregierung solle unter anderem letztere künftig jedoch zu 50 Prozent gestoppt werden. Der Sand- und Kiesabbau sei dort bereits erheblich eingeschränkt worden. «Es gibt eine strenge Genehmigungsprozedur dafür, aber auch zum Beispiel für Kabelverlegungen.» Die Windkrafträder stünden zudem zu 95 Prozent ausserhalb der Schutzgebiete.

    Bei den Nationalparken sehe es ähnlich aus. «Selbst Garnelen dürfen dort intensiv mit Bodenschleppnetzen gefangen werden», sagte von Nordheim. Nach Nabu-Angaben wurden alle Schutzgebiete zwar auch nach der EU-Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) ausgewiesen. Mehr als ein Jahrzehnt nach ihrer Anerkennung durch die Europäische Kommission fehlten für viele aber immer noch Managementpläne, die schädliche Eingriffe wie Fischerei, Schifffahrt und Kies- und Sandabbau effektiv regulieren könnten.

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