Der Tourismus ist die Lebensader für Mallorca. Nun schüren die aufgehobenen Reisebestimmungen Hoffnung. Trotzdem gibt es auch kritische Stimmen.
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Ein Arbeiter platziert die Sonnenschirme im Pool des Riu Festival Hotels in Palma de Mallorca. Seit dem 14.03.2021 müssen Deutsche, die Mallorca und mehrere andere spanische Urlaubs-Regionen besuchen, bei der Rückkehr nicht mehr in Quarantäne gehen. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Deutschland und die Schweiz haben die Reisebestimmungen für Mallorca gelockert.
  • Die Corona-Massnahmen vor Ort sind aber weiterhin strikt.
  • Von einer Öffnungs-Euphorie kann auf der Insel keine Rede sein.

«Mallorca erwartet euch schon»: Mit diesen Worten will die Regierungschefin der Balearischen Inseln Francina Armengol Touristen an Ostern nach Mallorca locken.

Und offenbar wollen viele Deutsche dem Aufruf Folge leisten. Die Nachfrage nach Mallorca-Flügen ist stark angestiegen. So stark, dass die Swiss-Schwesterfirma «Eurowings» ab nächstem Donnerstag bis Ostern über 300 Extra-Flüge zwischen Deutschland und der Insel plant.

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Fluggäste kommen am Flughafen an. Nach der Aufhebung der Reisewarnung für Mallorca ziehen die Flugbuchungen für die Lieblingsinsel der Deutschen deutlich an. - dpa

Mit der Nachfrage sind aber auch die Ticket-Preise gestiegen. Wer für einen Kurzurlaub über die Ostertage auf die Insel reisen will, muss für das Ticket über 400 Franken einrechnen. Dies berichtet die «Mallorca Zeitung».

Gründ für den Ansturm dürfte aber nicht der Aufruf von Armengol, sondern vielmehr die Aufhebung der Reisebeschränkungen sein. Seit Sonntag gelten die Balearen nicht mehr als Risikogebiet. Damit sind auch die Reisewarnungen durch die deutsche Regierung aufgehoben worden.

Aber auch für die Schweizer Mallorca-Touristen gibt es Grund zur Freude. Spanien steht nicht mehr auf der Quarantäneliste. Heisst: Nach der Mallorca-Reise müssen Schweizer nicht mehr in Quarantäne.

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Eine Frau geht am Strand von Arenal zum Schwimmen in die Wellen. - dpa

Die Voraussetzungen sind gut: Mallorca lockt mit sehr tiefen Corona-Zahlen. Die 14-Tage-Inzidenz auf 100'000 Einwohner liegt bei rund 48. Zum Vergleich: In der Schweiz liegt er bei 117, in Spanien bei 130.

Auch die leeren Strände dürften Touristen aus Deutschland und der Schweiz locken. Dies, da die Briten bis Mai nicht ins Ausland reisen.

Und auch Spanier dürfen ohne triftigen Grund ihre Region nicht verlassen. Das sorgt für reichlich Unmut auf dem Festland.

«Was? Ausländer lässt man rein und ich darf nicht nach Extremadura?», schimpft etwa die madrilenische Starmoderatorin Ana Rosa.

Und auch im Netz zeigen Spanier ihre Empörung: «Zu Ostern darf ich nicht in mein Ferienhaus am Strand, aber mein Nachbar, der in Deutschland wohnt, der darf das?», schreibt Jiménez Caballero auf Twitter verwundert.

Noch lange nicht normaler Urlaub

Doch auch wenn Deutsche und Schweizer im Gegensatz zu den Spaniern an den Stränden der Balearen-Insel ausspannen dürfen: Ein «normaler» Mallorca-Urlaub erwartet sie nicht. Zunächst muss schon bei der Einreise ein negativer PCR-Test, der nicht älter als 72 Stunden ist, vorgelegt werden können.

Auf der Insel selbst gilt grundsätzlich eine totale Maskenpflicht in der Öffentlichkeit. Nur wer auf dem Strandtuch liegt oder Sport treibt, darf die Maske ablegen.

Wer auf die Ballermann-Party hofft: Fehlanzeige. Bars und Diskos bleiben zu. Zudem gilt eine Ausgangssperre zwischen 22 und 6 Uhr.

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Menschen am Strand von Arenal auf Mallorca. Aufgrund des geringen Auftretens des Coronavirus ist Mallorca kein Risikogebiet mehr. - dpa

Dafür dürfen Restaurants und Kneipen neu auch in den Innenräumen Plätze anbieten – beschränkt auf sechs Personen an einem Tisch. Bereits um 17 Uhr müssen sie aber schliessen. Und an den Tischen muss eine Maske getragen werden, wenn man nicht am Essen oder Trinken ist.

Mallorca bereitet sich vor

Nun soll also bereits zu Ostern die Wende kommen. So hat Reiseanbieter TUI angekündigt, erste grosse Hotels auf Mallorca ab nächstem Wochenende zu öffnen. Auch der Chef des Interessenverbandes «Palma Beach» kündet die Wiedereröffnung von mindestens 15 Hotels für insgesamt 4000 Besucher an.

Doch von einer Öffnungs-Euphorie kann auf der Insel keine Rede sein. «Wir haben keine Buchungen», klagt Joan Ferrer, Vorsitzender des Hotelverbunds «First Sun». Von den 88 Häusern des Verbundes haben momentan gerade mal zwei auf, erklärt er der «Mallorca Zeitung».

Auf das Ostergeschäft zählt er darum kaum. Darum sein Verdikt: «Wenn wir optimistisch sind, denken wir, dass es ab Juni losgehen kann.»

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Ein Rezeptionist spricht am Telefon im Hotel Riu Festival in Palma de Mallorca. Seit dem 14.03.2021 müssen Deutsche, die Mallorca und mehrere andere spanische Urlaubs-Regionen besuchen, bei der Rückkehr nicht mehr in Quarantäne gehen. - dpa

Trotzdem meint er: «Ihr könnt beruhigt kommen». Alle Einrichtungen seien darauf vorbereitet, Hygienestandards zu garantieren. «Die Strände, die Promenaden und der ganze Ort wartet auf Euch.»

Trotz der kritischen Wirtschaftslage gibt es aber auch kritische Stimmen. «Das ist überstürzt. Es kann nicht sein, dass von einem auf den anderen Tag das Risiko verschwindet», meint etwa Schriftstellerin Antònia Vicens.

«Es ist nicht an der Zeit für Reisen. Wir müssen auf eine bessere Sommersaison hinarbeiten», glaubt Arzt und Epidemiologe Joan Carles March.

Und Krankenschwester Soraya Martínez ergänzt: «Jetzt macht sich der Tourismus wieder breit, und wir sind hier an die Insel gefesselt. Das mag für die Wirtschaft gut sein, heute. Aber morgen, ich weiss nicht.»

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