Krawalle – Yaël Meier gibt Franzosen Tipps: «Junge an Tisch holen»

    Frankreich reagiert mit Ausgangssperren auf die Krawalle. Für Samstag rufen Studierende und «Gelbwesten» zu neuen Protesten auf, die USA warnen ihre Bürger.

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    Das Rathaus von Limoges wurde angezündet. - keystone

    Yaël Meier gibt Franzosen Tipps

    Gen-Z-Sprachrohr Yaël Meier hat in Paris die Auswirkungen der Ausschreitungen bei den Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten hautnah miterlebt. Wie sie auf der Plattform Linkedin schreibt, war sie gestern Montag vor Ort – kurz nach den heftigen Krawallen am Wochenende.

    Sie erinnert daran, dass die Proteste friedlich von Schülern gestartet wurden, um auf Probleme in den Schulen aufmerksam zu machen.

    «Über die Ausschreitungen wird bereits genug geredet», findet Meier. Sie wolle darüber reden, was dahinterstecke.

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    Yaël Meier war gestern Montag in Paris. - Linkedin/Yaël Meier

    «Diese Jugendlichen sagen: Ihr investiert nicht in uns. Warum sollten wir noch an euch glauben?»

    Ähnlich sei es in Nepal, Marokko und Madagaskar. «Seit über einem Jahr geht meine Generation weltweit auf die Strasse.»

    Meier rügt Firmen und Politik: Man hätte zuhören sollen

    Die Wut sei ansteckend und die Situation der jungen Menschen drohe, sich noch zu verschärfen. In Frankreich liege die Jugendarbeitslosigkeit bereits über 20 Prozent.

    Und: In der Schweiz liege der Anteil der Stelleninserate für Berufseinsteiger fast ein Drittel unter dem Niveau vor dem KI-Boom.

    Hat Yaël Meier recht?

    Für Gen-Z-Unternehmerin Yaël Meier ist klar, dass sowohl die Unternehmen als auch die Politik reagieren müssen. Ihr Tipp: «Holt junge Menschen an den Tisch: in Unternehmen und Politik.»

    lyon
    Demonstranten vor dem brennenden Tourismus-Büro in Lyon am Samstag, 17. Oktober. - keystone

    Man hätte zuhören sollen, bevor es laut wurde, betont sie. Nun sei es wichtig, Perspektiven für die Jungen zu schaffen, Lehrstellen, Einstiegsjobs und Mentoring.

    «Statt zu feiern, wie viele Einstiegsjobs man mit KI wegradiert, sollten wir Unternehmen feiern, die Chancen für junge Menschen kreieren.»

    FDP fordert SP zur Distanzierung von Juso auf

    Nachdem Vertreter der Schweizer Juso am Samstag bei den Protesten in Frankreich mitdemonstriert haben, schiesst die FDP Schweiz gegen die SP.

    In einem Instagram-Beitrag wirft sie der Jungpartei vor, die gewalttätigen Proteste auch in die Schweiz bringen zu wollen.

    «Wir fordern die SP auf, ihre Jungpartei SOFORT zurückzuziehen», schreibt die FDP. «Gewalt hat in unserer Demokratie keinen Platz!»

    Gleichzeitig hat die Partei eine Petition gegen Gewalt und Chaos lanciert. Darin fordert sie härtere Strafen für gewalttätige Randalierer und die Möglichkeit, diese bis zu 48 Stunden festzunehmen.

    «Wir haben Tränen in den Augen» – Familienbetrieb in Lyon geplündert

    Die Ausschreitungen in Frankreich treffen auch kleine Familienunternehmen hart. In Lyon wurde ein Geschäft für handgefertigte Ledertaschen geplündert und verwüstet. In einem emotionalen Facebook-Video zeigen die Betreiberinnen das Ausmass der Zerstörung.

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    Proteste: Video von Lolo Chatenay-Laden - Facebook / @lolochatenay

    «Wir haben Tränen in den Augen, während wir dieses Video veröffentlichen», schreiben Laurence und Marlène. Vor 13 Jahren hätten sie das Unternehmen als Familie gegründet. Nun sei keine einzige Tasche mehr im Laden übrig.

    Besonders bitter: Die Taschen werden in der eigenen Werkstatt hergestellt, die bereits bis Weihnachten ausgelastet ist.

    «Zu sehen, wie das, was wir mit so viel Zeit und Energie aufgebaut haben, auf diese Weise zerstört wird, ist widerlich und empörend», schreiben die beiden Frauen. Dennoch wollen sie ihren Laden möglichst schnell wieder öffnen.

    Luxus-Boutique Céline in Paris geplündert

    Bei den schweren Ausschreitungen in Paris haben Plünderer auch die Luxus-Boutique Céline auf der berühmten Avenue Montaigne ins Visier genommen.

    Das Geschäft wurde am Samstagabend regelrecht ausgeräumt, wie die französische Zeitung «Le Monde» berichtet.

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    Protestierende brechen in die Modeboutique Celine ein - Facebook / @melty

    Ein Video auf Facebook soll die Plünderung zeigen. «Neue Szenen des Chaos mitten im Herzen von Paris!», heisst es in der Bildlegende.

    Auch die benachbarten Luxusgeschäfte von Louis Vuitton und Jil Sander wurden bei den Ausschreitungen beschädigt. Wie hoch der Schaden bei Céline ausfällt, ist noch unklar.

    Feuerteufel von Rathaus-Brand festgenommen

    Bei den Krawallen am Samstag wurde das Rathaus von Limoges angezündet. Der Glockenturm stürzte ein. Ein Mann, der verdächtigt wird, am Brand beteiligt zu sein, wurde heute Dienstag festgenommen.

    Das berichtet eine nahestehende Quelle gegenüber «France Télévisions».

    Demnach soll es sich um einen «ultra-linken Aktivisten» handeln, der den Behörden bekannt ist. Der Mann ist demnach 40 Jahre alt und stammt aus dem Département Creuse.

    Frankreich verlängert örtliche Ausgangssperren

    Die in Frankreich wegen der schweren Ausschreitungen in Paris und anderen Städten verhängten Ausgangssperren haben die Lage nach Angaben von Premierminister Sébastien Lecornu beruhigt. Sie hätten dazu beigetragen, «dass diese Nacht ruhig verlief», teilte Lecornu am Morgen mit.

    «Heute Abend werden dort, wo es die Lage erfordert, neue Ausgangssperren beschlossen.» Diese Entscheidungen würden vor Ort von den Präfekten in Abstimmung mit den Bürgermeistern getroffen.

    Polizei und Gendarmerie meldeten in den betroffenen Gebieten keine besonderen Vorkommnisse, alles sei ruhig geblieben, berichtete der Sender BFMTV unter Verweis auf die Behörden.

    Helikopter kreist über Paris Stadtzentrum

    Laut einem Journalisten der Nachrichtenagentur AFP kreiste in der Nacht ein Helikopter mit breitem Scheinwerferlicht über dem Pariser Stadtzentrum. Auf X finden sich Videos, die zeigen, wie der Heli der Polizei seine Runden dreht. Auch auf den Strassen war die Pariser Polizeipräfektur offenbar mit einem grossen Aufgebot vertreten.

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    In der Nacht auf Dienstag kreiste ein Polizeihelikopter über einigen Stadtteilen von Paris. - X@cavapasmieux

    Bordeaux: Nächtliche Ausgangssperre für Minderjährige bis 26. Oktober

    In Bordeaux gilt ab Dienstag eine Ausgangssperre für Minderjährige ohne gesetzliche Begleitung. Sie dauert jeweils von 22 bis 7 Uhr und gilt bis Montag, 26. Oktober. Betroffen sind «Gebiete, die besonders von den Plünderungen vom 17. Oktober betroffen sind», wie die Präfektin der Gironde, Sophie Brocas, am Montagabend in einer Stellungnahme erklärte.

    Am Samstag war die Gewalt in Bordeaux besonders heftig. Die offizielle Residenz des Präfekten der Gironde wurde verwüstet. Zur Unterstützung der Sicherheitskräfte wurden Eliteeinheiten der Spezialeinheit RAID eingesetzt.

    Rechtsextreme schliessen sich Kundgebung in Lyon an

    In Lyon haben sich laut «Le Progrès» am Montagabend rund hundert Mitglieder der extremen Rechten einer Kundgebung angeschlossen. Sie fand vor der Ausgangssperre statt, die für einen Teil der Halbinsel (Presqu’île) von 21 bis 6 Uhr galt. Ort war die Filiale des Tourismusbüros, die bei den Unruhen am 17. Oktober in Brand gesteckt worden war. Die Veranstaltung unterstützte Ladenbesitzer und Sicherheitskräfte.

    Trotz des Demonstrationsverbots versammelten sich laut den Veranstaltern rund 500 Personen. Die Kundgebung sollte unpolitisch sein. Ein Tuch über einem Zaun vor den Kerzen trug jedoch die Aufschriften «Anti-Randalierer Lyon» und «Doucet tritt zurück». Das richtet sich gegen Bürgermeister Grégory Doucet von den Grünen, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

    Die rechtsextremen Aktivisten marschierten anschliessend durch die Innenstadt. Laut «Le Progrès», die sich auf die Präfektur beruft, «verliessen sie die Ausgangssperrezone». Die Gruppe löste sich auf, als sie den Place Carnot erreichte, wo ein Polizeiwagen stand. «Unseres Wissens ist es zu keiner Störung der öffentlichen Ordnung gekommen», erklärte die Präfektur.

    Minister: 3000 Geschäfte beschädigt

    Bei den Unruhen in Frankreich sollen bisher mindestens 3000 Geschäfte beschädigt oder geplündert worden sein. Das gab Handelsminister Serge Papin bekannt. Premierminister Sébastien Lecornu betonte, dass das «Chaos» auf die Stadtzentren begrenzt sei.

    «Meine Entschlossenheit, die Ordnung wiederherzustellen, sie ist absolut», sagte Lecornu. Er werde sämtliche Mittel, die der Regierung zur Verfügung stehen, einsetzen, wenn es nötig sei.

    Lecornu
    Premier-Minister Lecornu ordnet begrenzte Ausgangssperren an - keystone

    Trump macht erneut Einwanderung für Gewalt in Frankreich verantwortlich

    US-Präsident Donald Trump hat erneut die Einwanderung für die Gewalt in Frankreich verantwortlich gemacht. «Was in Frankreich passiert, hat mit Einwanderung zu tun, nicht mit Schulen oder irgendetwas anderem. Es geht um Einwanderung», sagte er am Montag zu Journalisten vor einer Wahlkampfreise.

    Donald Trump Frankreich
    Donald Trump schlachtet die Krawalle in Frankreich politisch aus und gibt der Einwanderung schuld. - keystone

    Karte zeigt wo in Paris Versammlungen verboten sind

    Die Pariser Polizeipräfektur hat auf X eine Karte veröffentlicht, die zeigt, wo Versammlungen und Demonstrationen verboten sind. Das Verbot gilt in bestimmten Teilen der Hauptstadt von Montag, 20 Uhr, bis Dienstag, 6 Uhr. Es soll Gewalt und Plünderungen vorbeugen.

    Laut «France 3» gilt das Verbot unter anderem rund um die Place de la République, im Viertel Châtelet-Les Halles, auf den Champs-Élysées, auf der Île de la Cité und rund um den Senat.

    Paris Proteste
    Auf dieser Karte hat die Pariser Polizeipräfektur eingezeichnet, wo Versammlungen und Demonstrationen verboten sind. - Screenshot/X

    «Die Sicherheit aller» mache diese Massnahmen notwendig, um den öffentlichen Frieden wiederherzustellen, «der von einer Minderheit von Straftätern schwerwiegend beeinträchtigt wurde», so die Polizeipräfektur. Ein Polizeieinsatz werde durchgeführt, um die Einhaltung sicherzustellen.

    USA warnen ihre Bürger vor Demos in Frankreich

    Die US-Regierung rät Amerikanern, Protestgebiete in Frankreich zu meiden. In einer Sicherheitswarnung auf der Website der US-Botschaft in Paris werden sie zudem aufgerufen, in der Nähe grösserer Menschenansammlungen «Vorsichtsmassnahmen zu treffen». Die Warnung verweist auch auf die Ausgangssperren, die in mehreren französischen Städten eingeführt wurden.

    Studierende rufen für Samstag zu neuer Demo auf

    Die grossen Studierendenorganisationen in Frankreich haben für Samstag, 24. Oktober, zu einer weiteren Demonstration aufgerufen. Sie fordern bessere Studienbedingungen. Wie «Le Monde» berichtet, wurde der Aufruf am Montagabend bekannt. Zugleich kündigte die «Gelbwesten»-Bewegung für denselben Tag neue Proteste an.

    Die Studierendenvertretung UNEF schrieb auf Instagram: «Am 17. Oktober waren wir 800'000, und wir werden am 24. weitermachen.» Sie kritisierte die Äusserungen von Präsident Emmanuel Macron in den sozialen Medien.

    schülerproteste in frankreich
    Die Schülerproteste in Frankreich dauern seit Mitte September an. - keystone

    Dieser sei nicht auf die Forderungen eingegangen, etwa zu Stipendien, Wohnraum, Verpflegung, Gesundheitsversorgung oder Hochschulzugang. Die Regierung wähle Repression statt konkreter Massnahmen. Schülerinnen, Schüler und Studierende sollen am Samstag auf die Strasse gehen.

    Auch der Verband FAGE will weitermachen. Junge Menschen wollten «in Würde studieren» und ohne prekäre Lebensverhältnisse leben, so die Forderung. «Wir werden uns weiterhin Gehör verschaffen.»

    Kommentare

    User #5269 (nicht angemeldet)

    Krieg ist ein grosses Übel. Elentski kann den Krieg jederzeit beenden. Luxy, man würde anders schreiben, wenn man die jungen Russen sieht wo Beine und Arme amputiert haben durch Kriegs Verletzungen. Es stellt sich mir doch die Frage , wie ein Mensch wie Elentski (in diesem Falle) so eine "Kriegstreiberei" aushalten kann , er lässt tagtäglich Menschen aufs neue ermorden und umbringen , auch eigene Landsleute , das wiegt schwer und ist ohne Suchtmittel wohl kaum auszuhalten , also mir würde es so ergehen , wieviel erträgt so ein Mensch als Mensch ?!

    User #5758 (nicht angemeldet)

    Wenn SPler immer dieselben abgedroschenen Sprüche klopfen, nennen sie das "argumentieren"..

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