Junge Frau: «Ich kann Arbeit nicht mehr ernst nehmen»
Eine Influencerin erklärt, warum sie Arbeit «nicht mehr ernst nehmen» kann. Das Video geht viral. Experten sehen Chancen und Risiken.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine Influencerin sorgt mit einem Job-Statement für Wirbel.
- Es gebe Momente, da könne sie die Arbeit nicht mehr ernst nehmen, so die Frau.
- Doch nicht jeder Beruf erlaubt diese Gelassenheit, so der Arbeitgeberverband.
«Die Welt geht nicht unter, nur weil irgendwo ein Fehler passiert.»
Mit dieser Aussage trifft eine deutsche Influencerin auf Instagram einen Nerv. Ihr Video wurde zehntausendfach gelikt. In den Kommentaren stimmen viele Nutzer zu.
«Manchmal gibt es Momente, da kann ich Arbeit nicht mehr ernst nehmen», sagt die junge Frau in dem viralen Reel. Sie habe aufgehört, sich von angeblichen Notfällen und ständigem Druck einschüchtern zu lassen.
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Zwar mache sie ihre Arbeit gewissenhaft, aber ohne die Haltung, alles sei lebensentscheidend.
Die Botschaft kommt an: Über 22'000 Likes sammelte das Video. Zahlreiche Nutzer schreiben, sie hätten eine ähnliche Einstellung entwickelt.
Unklar bleibt allerdings, in welchem Beruf die Influencerin selbst tätig ist.
Nau.ch hat sie gefragt, welchen Job sie ausübt. Und ob sie neben viel Zustimmung auch negative Reaktionen auf ihr Video erhalten hat. Eine Antwort blieb bislang aus.
Jüngere setzen andere Prioritäten
Für Jan Borer vom Arbeitnehmerverband Angestellte Schweiz kommt die Resonanz nicht überraschend. Die Haltung sei Ausdruck einer veränderten Arbeitskultur.
«Generell hat sich unser Bewusstsein im Hinblick auf die Balance zwischen Arbeit und Privatleben verändert», sagt er zu Nau.ch.
Die persönliche Gesundheit habe an Bedeutung gewonnen. Gleichzeitig würden Homeoffice und selbstständigeres Arbeiten mehr Eigenverantwortung verlangen.
Besonders bei jüngeren Arbeitnehmern sei die Einstellung häufiger anzutreffen. «In Ausbildungen und Studiengängen wird heute stärker auf die Bedeutung der Gesundheit hingewiesen. Ebenso wird vermittelt, wie wichtig eine ausgewogene Balance zwischen Arbeit und Privatleben ist», erklärt Borer.
Auch die Forschung habe gezeigt, welche Folgen chronischer Stress und Burnout haben können.
Weniger Druck, bessere Leistung?
Auf den ersten Blick könnte man meinen, eine lockerere Haltung führe automatisch zu schlechterer Arbeit.

Borer widerspricht: «Eine solche Kultur vermittelt psychologische Sicherheit», sagt er. Mitarbeitende könnten ihr Bestes geben, ohne ständig Angst haben zu müssen, wegen eines Fehlers den Job zu verlieren.
Zudem sei eine offene Fehlerkultur wichtig, damit Unternehmen aus Fehlern lernen könnten. Probleme in Abläufen oder Prozessen würden eher erkannt und verbessert, wenn Angestellte keine negativen Konsequenzen befürchten müssten.
Nicht jeder Fehler ist harmlos
Allerdings hat die Haltung der Influencerin auch Grenzen. In Berufen mit hoher Verantwortung dürfte die Aussage, Fehler seien «nicht so schlimm», auf wenig Zustimmung stossen.
Wer als Chirurg im Operationssaal arbeitet, als Fluglotse Flugzeuge koordiniert oder als Lokführer hunderte Passagiere transportiert, trägt Verantwortung für Menschenleben. In solchen Berufen können Fehler schwerwiegende Folgen haben.
Auch dort sind übermässiger Druck und Angst keine guten Ratgeber. Gleichzeitig gehören Sorgfalt, Konzentration und ein hohes Verantwortungsbewusstsein zum Berufsalltag.
Arbeitgeberverband: Arbeit bleibt wichtiger Teil des Lebens
Beim Schweizer Arbeitgeberverband will man die Aussagen der Influencerin nicht überbewerten.
«Aussagen Einzelner – egal ob im privaten Rahmen oder auf den Sozialen Medien – geben wir kein grosses Gewicht.» Das teilt der Verband auf Anfrage von Nau.ch mit.
Die Aussage, man versuche zwar alles gut zu machen, Fehler seien letztlich aber nicht so schlimm, sei «viel zu pauschal». Deshalb lasse sich auch nicht beurteilen, welche Auswirkungen eine solche Haltung auf die Produktivität habe.
Grundsätzlich bleibe Arbeit für die meisten Menschen ein wichtiger Bestandteil des Lebens. «Wie stark sich aber jemand damit identifiziert, ist ebenso unterschiedlich und individuell wie die einzelnen Lebensentwürfe.»
Die Balance statt die Gleichgültigkeit
Auch Borer warnt davor, die Debatte falsch zu verstehen. Es gehe nicht darum, Arbeit nicht ernst zu nehmen oder alles schleifen zu lassen.
«Arbeit gibt uns Struktur und Sinn im Alltag», sagt er. Problematisch werde es erst, wenn Menschen dafür ihre Gesundheit opfern.
Die virale Botschaft der Influencerin dürfte deshalb weniger ein Aufruf zur Gleichgültigkeit sein als Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels.
Viele Menschen wollen gute Arbeit leisten – aber nicht mehr um jeden Preis.















