Italien mit so wenig Geburten wie noch nie
Früher war Italien der Inbegriff für ein kinderliebes Land. Jetzt kamen dort über ein Jahr gerechnet nur noch 355'000 Kinder zur Welt – ein Minusrekord. Auch in der Schweiz ist der Trend rückläufig.

In Italien kamen vergangenes Jahr so wenig Kinder zur Welt wie noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Zahl der Geburten sank nach Angaben des nationalen Statistikamtes in Rom ein weiteres Mal auf jetzt nur noch 355'000. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies ein Minus von 3,9 Prozent. Der Statistik nach bekommt eine Frau in Italien aktuell 1,14 Kinder.
Zum Vergleich: Das geburtenstärkste Jahr nach Kriegsende war in Italien 1964. Auf dem Höhepunkt der «Boomer-Jahre» wurden noch 1'035'207 Geburten gezählt. Im Durchschnitt bedeutete das 2,7 Kinder pro Frau.
Die niedrige Geburtenrate in dem einst so kinderreichen Land gehört seit Langem zu Italiens grossen Problemen. In Europa liegt die Rate nur in wenigen Ländern wie Spanien und Malta noch niedriger. In der Schweiz lag die Geburtenrate 2025 bei 1,28 Kindern pro Frau. Im Jahr 2020 lag sie noch über 1,5.
Ein Anstieg der Geburtenrate ist laut der Versicherung Swiss Life nicht zu erwarten. Vielmehr sei davon auszugehen, dass es in der Schweiz ab 2031 mehr Todesfälle geben werde als Geburten. Und bis 2075 dürften auf jede Person im Rentenalter nur noch zwei im Erwerbsalter kommen. Heute sind dies drei.
In einer zugleich veröffentlichten Studie erklärten fast zwei Drittel der Befragten (63 Prozent) in Italien den Verzicht auf weitere Kinder mit «wirtschaftlichen, beruflichen oder sozialen Hindernissen». Fast jede zweite Frau (49 Prozent) gab an, bei einer Schwangerschaft negative Konsequenzen im Beruf zu fürchten.
Zugleich wird Italiens Bevölkerung immer älter. Inzwischen leben dort etwa 24'000 Menschen, die mehr als hundert Jahre alt sind. Die Gesamtbevölkerung zum 1. Januar blieb mit 58,94 Millionen im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert. Wichtigster Grund dafür war Zuwanderung.










