ICC erlaubt Ermittlungen zu Kriegsverbrechen in Afghanistan

    Keystone-SDA
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    Niederlande,

    Der Internationale Strafgerichtshof (ICC) lässt nun doch Ermittlungen zu möglichen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Afghanistan zu.

    Bensouda
    ICC-Chefklägerin Fatou Bensouda - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Der ICC erlaubt nun doch Ermittlungen zu möglichen Kriegsverbrechen in Afghanistan.
    • Konkret ging es um Vorwürfe gegen die Taliban und afghanische Regierungstruppen ab 2003.
    • Die Ermittlungen richten sich jedoch auch gegen ausländische Militärs und Geheimdienste.

    Nach langem Ringen lässt der Internationale Strafgerichtshof (ICC) doch Ermittlungen zu möglichen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Afghanistan zu.

    Die Staatsanwältin Fatou Bensouda sei befugt, eine Ermittlung zu mutmasslichen Verbrechen in Afghanistan ab Mai 2003 einzuleiten. Das teilte Richter Piotr Hofmanski am Donnerstag in Den Haag mit. Er kippte damit eine Entscheidung aus erster Instanz.

    Die Richter des in Den Haag ansässigen ICC hatten vor knapp einem Jahr Ermittlungen zu Afghanistan abgelehnt. Sie begründeten ihre Entscheidung damals damit, dass Ermittlungen «zu diesem Zeitpunkt den Interessen der Justiz nicht dienlich» seien.

    Afghanistan
    Ein US-Flugzeug wirft Bomben über Afghanistan ab. - keystone

    Die Chefanklägerin Bensouda hatte 2017 beim ICC beantragt, Ermittlungen wegen mutmasslicher Verbrechen in Afghanistan einleiten zu können. Konkret ging es um Vorwürfe gegen die radikalislamischen Taliban und afghanische Regierungstruppen ab 2003.

    Sie wollte aber auch wegen möglicher Verbrechen ausländischer Militärs, insbesondere von US-Soldaten und Angehörigen des US-Geheimdienstes CIA ermitteln. Seit 2006 liefen dazu Vorermittlungen.

    Visa-Sperren gegen Gerichtsmitarbeiter

    Die Regierung von US-Präsident Donald Trump lehnt Ermittlungen des ICC zu Afghanistan ab; die USA gehören dem Gericht ohnehin nicht an. Kurz vor der Entscheidung in erster Instanz verhängte Washington deshalb Visasperren gegen Mitarbeiter des Gerichts. Der Chefanklägerin Bensouda wurde das Visum für die USA entzogen.

    Bensouda legte im September Einspruch gegen die Entscheidung in erster Instanz ein. Bei einer Anhörung im Dezember sprachen sich auch Opfervertreter erneut für die Einleitung von Ermittlungen aus.

    Afghanistan
    Durch Bomben verwüstetes Haus in Afghanistan. - keystone

    Die USA und die radikalislamischen Taliban hatten am Wochenende ein Abkommen unterzeichnet. Es soll den Weg für einen dauerhaften Frieden in Afghanistan und für einen Abzug der US-Truppen aus dem Land ebnen.

    Allerdings gab es seither bereits Dutzende Taliban-Angriffe. Allein im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der Vereinten Nationen in Afghanistan fast 3500 Zivilisten getötet. Rund 7000 weitere Personen wurden verletzt.

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