Flusskreuzfahrten: «Qualität entsteht nicht allein durch Handbücher»
Wie kommt eigentlich eine Flusskreuzfahrt zustande? Robert Katzer, Leiter Onboard Operations beim Flussreisenspezialist Thurgau Travel, gewährt einen Einblick.

Das Wichtigste in Kürze
- Im Interview steht Robert Katzer, Leiter Onboard Operations beim Flussreisenspezialist Thurgau Travel.
- Das fasziniert den Leiter an seine Tätigkeit als Leiter.
- So bleibt die Qualität bei Flusskreuzfahrten stets auf höchstem Niveau.
Robert Katzer, Sie sind Leiter Onboard Operations beim Flussreisenspezialist Thurgau Travel. Was genau sind Ihre Aufgaben?
Robert Katzer: Ich sorge dafür, dass an Bord möglichst alles rund läuft – vom Gästeerlebnis über die Crew bis zu den Abläufen und dem Zustand unserer Schiffe. Dazu gehören die Qualität in Hotellerie und Gastronomie, die Weiterentwicklung unserer Bordkonzepte, die Zusammenarbeit mit den Cruise Directors, den Reedereien und externen Partnern sowie Prozesse, Schulungen und Standards. Zudem bin ich für die technische und qualitative Überwachung unserer Schiffe verantwortlich und plane gemeinsam mit unseren Partnern notwendige Renovationen.
Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?
Robert Katzer: Eigentlich eher durch Zufall. Ich bin gelernter Koch und Küchenmeister und kam 2009 erstmals auf ein Flusskreuzfahrtschiff. Nach mehreren Jahren als Küchenchef leitete ich den Hotelbereich einer Flotte mit zehn Schiffen. 2023 wechselte ich zu Thurgau Travel. Ich wollte neben der operativen Seite auch die touristische Perspektive kennenlernen und besser verstehen, wie Reisen entwickelt, verkauft und für die Gäste als Gesamterlebnis gestaltet werden.
Wie verläuft die Planung der Ausflüge und Fahrpläne?
Robert Katzer: Die Planung beginnt lange vor Reisebeginn. Gemeinsam mit den Reedereien entwickeln wir die Fahrpläne und prüfen, welche Häfen für einen Anlauf Sinn machen. Anschliessend planen wir mit lokalen Partnern die Ausflüge und achten darauf, dass sie zur Reise und zu unseren Gästen passen.

Trotz sorgfältiger Vorbereitung bleibt die Flusskreuzfahrt ein dynamisches Geschäft. Wasserstände, Schleusen oder das Wetter können kurzfristige Änderungen notwendig machen. Dann ist entscheidend, dass Reederei, Partner, Cruise Director und unser Team eng zusammenarbeiten.
Wie läuft die Zusammenarbeit mit der Reederei ab?
Robert Katzer: Sie ist sehr partnerschaftlich und basiert auf einem engen Austausch. Wir sprechen regelmässig über Fahrpläne, Qualität, technische Themen und darüber, wie wir das Reiseerlebnis weiter verbessern können. Natürlich gibt es unterschiedliche Sichtweisen. Entscheidend ist aber, dass wir lösungsorientiert zusammenarbeiten. Am Ende verfolgen alle dasselbe Ziel: zufriedene Gäste.
Was fasziniert Sie persönlich an dieser Aufgabe?
Robert Katzer: Vor allem ihre Vielfalt. Ich arbeite täglich mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Berufsgruppen zusammen. Kein Tag gleicht dem anderen und es gibt immer neue Herausforderungen und Situationen, die schnelle Entscheidungen erfordern. Genau diese Dynamik gefällt mir. Man sieht unmittelbar, was die eigene Arbeit bewirkt, wenn Teams gut zusammenspielen und Gäste zufrieden von Bord gehen.
Viele Gäste sehen vor allem die Kreuzfahrtleitung an Bord. Was passiert hinter den Kulissen?
Hinter einer Flussreise arbeitet ein grosses Netzwerk aus Mitarbeitenden im Büro, Reedereien, nautischen Teams, Hotelcrews, Technikern und lokalen Partnern. Fahrpläne werden abgestimmt, Ausflüge organisiert, Liegeplätze koordiniert und Qualitätsstandards weiterentwickelt.

Kommt es wegen Wetter, Wasserständen oder Schleusen zu Änderungen, muss oft innerhalb kürzester Zeit eine Lösung her. Unser Ziel ist, dass die Gäste von diesem Aufwand möglichst wenig merken. Hinter dem, was für sie selbstverständlich wirkt, steckt meist sehr viel Arbeit.
Wie oft sind Sie selbst auf den Schiffen unterwegs?
Robert Katzer: Im Durchschnitt etwa eine Woche pro Monat. Der direkte Kontakt zu unseren Crews ist mir wichtig. Ich möchte nicht nur vom Schreibtisch aus beurteilen, wie Abläufe funktionieren, sondern selbst erleben, wo Herausforderungen entstehen und wie wir unsere Mitarbeitenden noch besser unterstützen können. Viele Dinge versteht man erst richtig, wenn man den Alltag an Bord miterlebt.
Wie stellen Sie sicher, dass auf allen Schiffen dieselbe Qualität herrscht?
Robert Katzer: Das ist eine unserer grössten Herausforderungen, weil wir mit verschiedenen Reedereien zusammenarbeiten. Umso wichtiger sind klar definierte Abläufe, gemeinsame Qualitätsstandards und eine enge Abstimmung bereits vor Saisonbeginn. Unterstützt werden wir dabei durch unser internes Standard- und SOP-Portal, das allen Beteiligten die relevanten Prozesse und Informationen zentral zur Verfügung stellt.
Wie gelingt es Ihnen, trotz dieser Standards den persönlichen Charakter der einzelnen Schiffe zu bewahren?
Robert Katzer: Unser Anspruch ist, dass jeder Gast auf jedem Schiff den Thurgau-Travel-Spirit spürt. Wir wollen aber kein Schema F. Jeder Kapitän, Hotelmanager oder Cruise Director bringt seine eigene Handschrift mit. Genau diese Authentizität soll erhalten bleiben. Qualität entsteht nicht allein durch Handbücher, sondern wird jeden Tag von Menschen gelebt. Deshalb sind der direkte Austausch, regelmässige Besuche an Bord und das Feedback unserer Gäste genauso wichtig wie klare Prozesse.

Was macht Thurgau Travel in Sachen Flussreisen anders als andere Anbieter?
Robert Katzer: Wir schreiben unseren Mitarbeitenden nicht jedes Wort vor. Natürlich gibt es Standards, aber innerhalb dieses Rahmens sollen sich unsere Crews mit ihrer Persönlichkeit entfalten können. Thurgau Travel ist ein familiär geprägtes Unternehmen. Für mich steht Thurgau Travel für ein authentisches Reiseerlebnis und nicht für eine perfekt inszenierte Show.

Aktuell sorgt das Niedrigwasser vielerorts für Schlagzeilen. Was passiert, wenn plötzlich alles umgeplant werden muss?
Robert Katzer: Dann beginnt im Hintergrund eine intensive Koordinationsarbeit. Gemeinsam mit den Reedereien beobachten wir laufend die Wasserstände und prüfen, welche Möglichkeiten bestehen. Gleichzeitig organisieren wir mit unseren Partnern Alternativen für Ausflüge, Transfers oder den weiteren Reiseverlauf. Viele Bausteine müssen innert kurzer Zeit neu zusammengesetzt werden.
Eine zentrale Rolle spielen dabei unsere Cruise Directors, welche die Änderungen transparent und verständlich an die Gäste kommunizieren. Wir reden Einschränkungen nicht schön, sondern suchen die bestmögliche Lösung. Manchmal entstehen daraus sogar Programmpunkte, die ursprünglich gar nicht geplant waren.
Zum Schluss: Welches ist Ihr Lieblingsschiff aus der Thurgau-Travel-Flotte?
Robert Katzer: Natürlich haben alle Schiffe ihre besonderen Stärken. Aber mein Favorit ist die Douro Spirit. Die Reisen durch das Douro-Tal ab Porto gehören landschaftlich zu den schönsten überhaupt. Auch das Schiff passt perfekt in diese Region. Es ist persönlich, überschaubar und bietet viel Nähe zur Landschaft.













