Der Skandalkonzern Wirecard wurde durch die Recherchen eines hartnäckigen britischen Reporters zu Fall gebracht. Nun veröffentlicht Dan McCrum sein Buch über den mutmasslichen Milliardenbetrug.
Dan McCrum hat ein Buch zum Wirecard-Skandal geschrieben.
Dan McCrum hat ein Buch zum Wirecard-Skandal geschrieben. - Kay Nietfeld/dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Knapp zwei Jahre nach der Wirecard-Insolvenz erscheint am Freitag ein massgebliches Buch zum Skandal: Unter dem Titel «House of Wirecard» veröffentlicht der britische Reporter Dan McCrum die deutsche Ausgabe seiner Geschichte des mutmasslichen Milliardenbetrugs bei dem ehemaligen Dax-Konzern und Zahlungsdienstleister.

Der für die Londoner «Financial Times» arbeitende Journalist hatte den Fall mit Hilfe von Whistleblowern und Kollegen in fünfjähriger Recherche aufgedeckt - und dabei befürchtet, selbst Job und Existenzgrundlage zu verlieren. «Mehr als einmal glaubte ich, meine Karriere sei zu Ende», schreibt McCrum in seinem Vorwort zur deutschen Ausgabe, die beim Econ-Verlag erscheint.

Seine Artikel setzten den Wirecard-Vorstand unter Druck

Denn der Reporter wurde im Zuge seiner Recherche selbst Zielscheibe von Ermittlungen der deutschen Behörden. «Ein kaum bekannter Reporter drüben in London hatte die Seiten der FT für einen Rachefeldzug gegen eines der erfolgreichsten Technologieunternehmen Europas gekapert.» So empfand McCrum die Stimmung in Deutschland gegen ihn.

Seine Recherchen nahmen ihren Ausgang in Auffälligkeiten der Wirecard-Bilanzen. Über Jahre hatte er jedoch keine Beweise, bis ein Wirecard-Mitarbeiter in Singapur der «Financial Times» interne Belege und Dokumente zuspielte.

McCrums Artikel führten 2019 schliesslich dazu, dass der Wirecard-Vorstand in Erklärungsnot geriet und einer Sonderprüfung der Geschäftszahlen durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zustimmte. In deren Bericht war dann erstmals quasi offiziell von fehlenden Belegen in Milliardenhöhe die Rede. Ende Juni 2020 folgte der Insolvenzantrag, nachdem Wirecard einräumen musste, dass auf Treuhandkonten verbuchte 1,9 Milliarden Euro nicht auffindbar waren.

Eine Abrechnung mit den deutschen Behörden ist das Buch jedoch nicht: Der zwischenzeitlich selbst in Verdacht geratene McCrum hält fest: «Die lange, gründliche und erschöpfende öffentliche Untersuchung deutet auf die Bereitschaft hin, Lehren aus dem Fall Wirecard zu ziehen.»

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