Hochalpiner Raum in letzter Warmzeit viel wärmer als Niederungen
Die Temperaturen während der letzten Warmzeit vor etwa 120'000 Jahren lagen rund zwei Grad über den heutigen. In höheren Lagen nehmen die Temperaturen mehr zu.

Das Wichtigste in Kürze
- Vor etwa 120'000 Jahren fand die letzte Warmzeit statt.
- Damals lagen die Temperaturen etwa zwei Grad über den heutigen.
- In hochalpinen Gebieten nehmen dabei die Temperaturen stärker zu als in niederigen Lagen.
In der letzten Warmzeit vor etwa 120'000 Jahren lagen die globalen Temperaturen etwa zwei Grad Celsius über den heutigen. Die Analyse von Tropfsteinen aus Schweizer Höhlen zeigen, dass in hochalpinen Gebieten die Temperaturen stärker zunahmen als in niedrigeren Lagen.
Wir leben derzeit im Holozän, einer seit etwa 12'000 Jahren herrschenden Warmzeit innerhalb eines Eiszeitalters. Eine solche Warmzeit mit durchschnittlich höheren Temperaturen zwischen zwei Kaltzeiten wird auch Interglazial genannt.
Letztes Interglazial gibt Rückschlüsse auf Klima-Entwicklung
Das letzte derartige Interglazial war vor etwa 129'000 bis 116'000 Jahren und interessiert die Wissenschaft besonders. Denn es lässt möglicherweise Rückschlüsse darauf zu, wie sich das heutige Klima bei weiterer Erwärmung entwickeln wird. Durch die höheren Temperaturen war damals der Grönlandische Eisschild stark abgeschmolzen und der Meeresspiegel etwa sechs bis neun Meter höher als heute.
Unklar war bisher, wie die besonders sensibel auf Klimaveränderung reagierenden Alpen zu dieser Zeit ausgesehen haben. Die Analyse von Tropfsteinen aus zwei Höhlen in der Melchsee-Frutt-Region ermöglichte Forschern um Paul Wilcox und Christoph Spötl vom Institut für Geologie der Universität Innsbruck nun die durchgehende Rekonstruktion der Temperaturen im letzten Interglazial. «Es ist ein Glücksfall Datenmaterial zu finden, das so gut erhalten ist und eine durchgehende Rekonstruktion der Temperaturen erlaubt», erklärte Wilcox.
Bei der von den Innsbrucker Forschern angewendeten Analysemethode werden winzige Mengen an Wasser extrahiert, das in den Kristallen der Höhlenminerale eingeschlossen ist. «Wir messen die Isotopen-Eigenschaften dieses einstigen Niederschlagswassers, die es uns erlauben, quantitative Aussagen über die Temperatur vor vielen tausend Jahren zu machen. Dazu braucht es allerdings Probenmaterial, das ausreichend Spuren dieses uralten Wassers enthält - und das ist selten», so Spötl.
Temperaturen im letzten Interglazial im Hochalpinen Bereich vier Grad höher
Die Ergebnisse zeigen, dass im letzten Interglazial die Temperaturen im hochalpinen Bereich um bis zu 4 Grad über den heutigen lagen. «Das sind signifikant höhere Werte als jene, die für niedrigere Lagen bekannt sind», so Wilcox. Aus noch unbekannter Ursache kam es vor 125'500 Jahren zu einer plötzlichen starken Abkühlung, «aber selbst während dieser Zeit blieben die Temperaturen im hochalpinen Bereich immer noch 2 Grad über den heutigen».
Für die Zukunft des Klimas in den Alpen verheisst das wenig Gutes, betonen die Forscher. Es könne zwar das letzte Interglazial nicht direkt mit dem heutigen Holozän verglichen werden, da auch Veränderungen in der Erdumlaufbahn eine Rolle spielen. «Dennoch: Die Ergebnisse sind alarmierend angesichts der Beschleunigung der globalen Erwärmung durch die anthropogenen Treibhausgasemissionen - und die Gebirgsregionen sollten auf einen noch stärkeren Temperaturanstieg vorbereitet sein.»










