Grenznahe Berghütte beim Piz Bernina geschlossen
Wegen ungewöhnlich hoher Temperaturen und gefährlicher Bedingungen auf den Zugangswegen ist die Berghütte «Marco e Rosa» am Piz Bernina in Norditalien vorübergehend geschlossen worden. Die auf 3609 Metern gelegene Hütte ist die höchstgelegene der italienischen Region Lombardei. Rund 98 Prozent der Gäste kommen über die Schweiz.

Vor allem unterhalb von dreitausend Metern seien die Bedingungen kritisch, sagte Hüttenwirt und Bergführer Bianco Lenatti dem italienischen Alpenverein (CAI). Durch die Wärme hätten sich unter anderem Gletscherspalten geöffnet. Zudem erschwert ein Erdrutsch den Zugang von italienischer Seite.
Auch mehrere Routen von der Schweizer Seite sind derzeit gesperrt oder werden wegen der gefährlichen Bedingungen nicht genutzt. Unter anderem wurde der Aufstieg über den bekannte Biancograt behördlich geschlossen.
Die Auswirkungen auf den Hüttenbetrieb sind erheblich. Für einen Tag waren demnach 55 Übernachtungen gebucht worden, doch keiner der Gäste konnte die Hütte erreichen. Zwei Bergsteiger sassen nach ihrer Ankunft am Vortag in der Hütte fest und wussten zunächst nicht, wie sie wieder ins Tal gelangen sollten.
«In 30 Jahren als Hüttenwirt und 50 Jahren als Bergführer habe ich eine solche Situation noch nie erlebt», sagte Lenatti gegenüber dem CAI. Die aktuellen Bedingungen seien eine Folge der ungewöhnlichen Hitze. Auch Bergführer würden derzeit davon abraten, Kunden auf den betroffenen Routen zu begleiten.
Eine Prognose für die Wiedereröffnung sei derzeit nicht möglich. Dafür müsse mindestens ein halber Meter Schnee fallen – und zwar nicht nur in grosser Höhe, sondern bis auf etwa 2.700 Meter. Die Entscheidung zur Schliessung sei gemeinsam mit dem für die Hütte zuständigen CAI Valtellina getroffen worden.
Die 1913 errichtete «Marco e Rosa»-Hütte wurde im Laufe ihrer Geschichte mehrfach umgebaut. Das heutige Gebäude wurde 2003 eröffnet. Mit 3609 Metern ist sie die höchstgelegene Schutzhütte der Lombardei und ein wichtiger Ausgangspunkt für Bergsteiger am Berninamassiv.






