Grenzgänger mit Schweizer Löhnen jagen Immo-Preise hoch

Riccardo Schmidlin
Riccardo Schmidlin

Frankreich,

Französische Grenzgänger verdienen in der Schweiz ordentlich – und verdrängen dann ärmere Franzosen aus den Grenzstädten.

Grenze Frankreich Schweiz
Tagtäglich passieren Tausende Franzosen die Grenze zur Schweiz, um hier zu arbeiten. In ihrer Heimat sorgt das für eine Wohnungsnot. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Schweizer Löhne treiben die Immo-Preise in der Grenzstadt Pontarlier (F) hoch.
  • 30 Prozent der Einwohner sind Grenzgänger, mancherorts sogar über 50 Prozent.
  • Ein junger Lehrling wohnt in einem Tiny House wegen der Wohnungsnot.

Wohnungskrise an der Schweizer Grenze: Im französischen Pontarlier, nur zehn Kilometer von der Schweiz entfernt, spitzt sich die Lage immer weiter zu.

Grund: Schweizer Löhne treiben die Mieten in schwindelerregende Höhen, berichtet der «Tages-Anzeiger».

Denn in Pontarlier sind 30 Prozent der Einwohner Grenzgänger, die mit Schweizer Löhnen den Markt leerfegen. In manchen Gemeinden sind es sogar über 50 Prozent.

Die Löhne in der Schweiz sind mit rund 80'000 Franken mehr als doppelt so hoch als im französischen Jura. Und so ziehen immer mehr zahlungskräftige Franzosen an die Grenze.

Besonders betroffen sind von der Wohnkrise junge Menschen wie Matys Rouquette.

Der 22-Jährige macht eine Lehre als Industriemechaniker. Wegen der Wohnungsnot wohnt er in einem Tiny House (Mini-Haus) auf dem Gelände seines Arbeitgebers.

18-Quadratmeter-Wohnung muss reichen

«Hätte ich nicht dieses Tiny House für 360 Euro im Monat, könnte ich mir hier niemals eine Wohnung leisten.» Das sagt Rouquette der Zeitung.

Umgerechnet beträgt seine Miete also 337 Franken. Die 18 Quadratmeter dienen als Stube, Küche, Gang und Schrank zugleich.

Für ihn ist das Mini-Haus die einzige Chance auf ein Dach über dem Kopf.

Wegen der reichen Grenzgänger gibt es in der Region nämlich Quadratmeterpreise wie in Paris – über 2200 Euro (2060 Franken). Und neun Bewerber auf jede subventionierte Wohnung.

Könntest du dir vorstellen, auf nur 18 Quadratmetern zu wohnen?

In die Schweiz zu pendeln, kommt für den 22-Jährigen nicht infrage: «Das wäre es mir nicht wert.» Für ihn zähle die Lebensqualität. Und die sieht er im französischen Jura – trotz Wohnungsnot.

Seine Freunde, die in der Schweiz arbeiten, stünden oft im Stau.

Französische Stadt steht vor Mammutaufgabe

Die Stadt Pontarlier versucht gegenzusteuern, weihte gerade ein Quartier mit über 200 neuen Wohnungen ein. Doch der Druck bleibt hoch – die Grenzgängerströme wachsen weiter.

Die lokale Politik steht vor einer Mammutaufgabe. Und für viele wie Matys Rouquette bleibt das Tiny House vorerst die letzte Hoffnung auf ein Zuhause in der Region.

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Kommentare

User #3492 (nicht angemeldet)

Ja ja. Die hohen Löhne in der Schweiz. Ein Dauerthema. Wenn die Ausländer dann 4 Fr. oder mehr für eine Glacenkugel zahlen müssen, kommen sie ins Stocken. Ein Wienerschnitzel kostet über 40 Fr. Klar sind da unsere Löhne auch dementsprechend.

User #3744 (nicht angemeldet)

Dass war in den 90 ern schon so.Da sind 4 Bäcker in einem Auto in die Schweiz zum arbeiten gekommen.(Es fuhr jede Woche ein anderer).Einer davon erzählte mir dass Sie hier den 4 fachen Lohn erhalten.Und dass es nicht verboten ist hier ein Konto zu haben und zu warten bis der Kurs gut ist zum wechseln,und dann rüberzunehmen. Da sind die Vorzüge in DE und die Vorzüge der CH miteinander kombiniert. Warum auch nicht.

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