Frankreichs Mensa-Menü für 1 Euro - wird Erfolg zum Problem?
Frankreichs Uni-Mensen stehen seit der Einführung eines 1-Euro-Essens für alle Studierenden zunehmend unter Druck. Es herrscht ein grosser Andrang: Seit diesem Semesterbeginn wurden 48 Prozent mehr Mahlzeiten serviert als zum Semesterbeginn 2025, wie die Dachorganisation der Studierendenwerke Cnous am Freitag mitteilte. Dies entspreche einer Anzahl von 1,3 Millionen Portionen. «Die Studierendenwerke haben ihre Produktions-, Lager- und Servicekapazitäten auf das Maximum ausgebaut, um möglichst vielen Studierenden eine Mahlzeit anbieten zu können», hiess es.

Drei Gänge für einen Euro
Seit dem 4. Mai bekommen alle Studierenden in Frankreich ein komplettes Menü für nur einen Euro in den Uni-Restaurants. Auch internationale Studierende profitieren von dem Angebot. Das Essen umfasst ein Hauptgericht und zwei Beilagen – beispielsweise eine Vorspeise, einen Nachtisch, Joghurt oder Obst. Die tatsächlichen Kosten solch einer Mahlzeit liegen laut dem Cnous durchschnittlich bei acht Euro.
Die Massnahme soll den Geldbeutel von Studierenden schonen und wird derzeit vom Staat mit 50 Millionen Euro unterstützt. Dadurch werden laut Cnous 88 Prozent der Kosten jeder Mahlzeit übernommen und Investitionen in die Ausrüstung der Restaurants finanziert. Ausserdem ermögliche das Budget, 204 zusätzliche Vollzeitkräfte einzustellen. Der französische Hochschul- und Forschungsminister Philippe Baptiste kündigte ein zusätzliches Budget von 143 Millionen Euro für den Haushaltsentwurf 2027 an.
Mehr Essen, mehr Arbeit: Personal am Limit
Für die Mitarbeitenden der Uni-Mensen hat der Erfolg des Angebots jedoch auch Schattenseiten, etwa ein höheres Arbeitstempo. Anfang der Woche hatten französische Gewerkschaften zu einem Streik in den Crous aufgerufen, um gegen die Bedingungen zu protestieren.
Und auch für Studierende hat das 1-Euro-Essen einen faden Beigeschmack: Wie Videos im Internet und französische Medienberichte zeigen, entstehen extrem lange Warteschlangen. Eine Studentin in der nordfranzösischen Stadt Amiens erzählte dem Sender Franceinfo, dass sie deswegen auch schon Mahlzeiten auslassen musste. «Ich wollte später noch einmal hingehen, aber es waren immer noch zu viele Leute da, also habe ich nichts gegessen», sagte sie.
Cnous will Grenzen setzen
Die Präsidentin des Cnous, Bénédicte Durand, forderte die regionalen Studierendenwerke laut Mitteilung nun auf, «die maximale tragfähige Kapazität jeder Restaurationseinrichtung sicherzustellen». Die Umsetzung des 1-Euro-Essens müsse demnach «unter ständiger Berücksichtigung der Sicherheit und des Wohlergehens» der Mitarbeitenden sowie der Studierenden erfolgen.














