Prix Goncourt: Roman wegen KI-Verdacht von Liste gestrichen
Wie viel Künstliche Intelligenz verträgt die Literatur? Diese Frage sorgt in der Buchbranche zunehmend für Debatten. Nun ist ein Roman unter KI-Verdacht aus dem Rennen um den renommierten französischen Literaturpreis Prix Goncourt ausgeschieden.

Die Académie Goncourt strich am Freitag «C'était ça ou mourir» des kanadisch-haitianischen Schriftstellers Thélyson Orélien aus ihrer Auswahl.
Ins Rollen gebracht wurde die Debatte am Montag durch einen Beitrag des bis dahin kaum bekannten anonymen X-Kontos «Balance ton Claude». Das Konto behauptete, der Roman sei «fast vollständig» von einer Künstlichen Intelligenz geschrieben worden.
Zur Begründung wurde auf Analysen von Textauszügen mit der US-amerikanischen Software Pangram verwiesen. In den folgenden Tagen griffen mehrere Medien den Verdacht auf und führten eigene Untersuchungen durch.
Die Entscheidung diene dazu, «die Integrität des Prix Goncourt und die der Académie zu bewahren», teilte die Institution mit. Ihre zentrale Aufgabe bestehe darin, Literatur von Frauen und Männern zu fördern und auszuzeichnen. Man wolle zudem «eine klare Botschaft» senden und bekräftigen, dass man die Erstellung von Texten, die mithilfe von KI generiert wurden, «in keiner Weise billigt oder unterstützt».
Orélien hatte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen und von dem Versuch gesprochen, ihn «zum Schweigen zu bringen». Neben dem KI-Verdacht verwies die Akademie auf Plagiatsvorwürfe aus Kanada wegen Texten, die vor mehr als zehn Jahren veröffentlicht worden sein sollen.
Der Roman war zunächst in die erste Auswahl von 16 Titeln für den Prix Goncourt aufgenommen worden. Der Preis wird am 4. November verliehen.
Der Roman «C'était ça ou mourir» (etwa: Das oder sterben) über Flucht, Migration und Überleben ist im französischen Buchhandel ein Erfolg. Das Werk wurde zunächst in Kanada und anschliessend im August in Frankreich veröffentlicht. Oréliens Buch steht auch auf den Auswahllisten weiterer bedeutender französischer Literaturpreise, darunter des Prix Femina und des Prix Médicis.










