Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Paul Scherrer Instituts (PSI) hat die Hauptquellen von Feinstaub an 22 Standorten in Europa identifiziert, darunter sind Zürich und Magadino TI. Die Daten sollen dazu dienen, Modelle zur Luftqualität zu verbessern.
Rauchende Schornsteine an einem Wintertag in Bern: Das Heizen von Wohngebäuden mit festen Brennmaterialien wie Holz oder Kohle ist eine Hauptquelle der Aerosolverschmutzung in Europa. (Archivbild)
Rauchende Schornsteine an einem Wintertag in Bern: Das Heizen von Wohngebäuden mit festen Brennmaterialien wie Holz oder Kohle ist eine Hauptquelle der Aerosolverschmutzung in Europa. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

Wie die Forschenden um Gang Chen, Aerosolforscher am PSI, im Fachblatt «Environment International» berichten, ist die Verbrennung fester Brennstoffe an den meisten Standorten eine bedeutende Quelle für Feinstaub.

Dies gilt insbesondere für die kalte Jahreszeit, wenn viel geheizt wird. «Wenn Holzscheite, Holzpellets, Kohle oder - in einigen Ländern - Torf zum Heizen von Wohnhäusern verwendet werden, wird viel Feinstaub in die Luft freigesetzt, der für die Lokalbevölkerung gesundheitsschädlich ist», sagte der PSI-Forscher gemäss einer Mitteilung seines Forschungsinstituts vom Montag.

Anders als Kraftwerke, für die es strenge Vorschriften und Filtersysteme gebe, würden die Emissionen von Wohnheizungen in den meisten europäischen Ländern, auch in der Schweiz, nicht ausreichend strengen Vorschriften unterliegen.

Auch der Verkehr sei sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten eine Quelle mit konstanten und «nicht zu vernachlässigenden Beiträgen», heisst es in der Studie.

Die Forschenden werteten Daten von Ganzjahresmessungen aus, die an 22 europäischen Standorten erhoben wurden. Ziel war herauszufinden, woher die organischen Aerosole stammen und so die wichtigsten natürlichen und menschlichen Quellen zu identifizieren.

So gelang es ihnen neben den wichtigsten Quellen auch einige lokale, kleinere Quellen festzumachen. Dazu zählten beispielsweise eine Kaffeerösterei in Helsinki, Zigarettenrauch in Zürich oder Meersalz in Carnsore Point, Irland.

Weltweit sterben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge jedes Jahr mehr als sieben Millionen Menschen an den Folgen von Luftverschmutzung. Denn Feinstaub kann tief in die Atemwege eindringen und etwa die Lunge nachhaltig schädigen. Eine hohe Feinstaubbelastung kann einen vorzeitigen Tod verursachen, beispielsweise infolge von Herz- und Atemwegserkrankungen, Lungenkrebs und Infektionen der unteren Atemwege. Auch Europa leide trotz aller Bemühungen immer noch unter schlechter Luftqualität, schreiben die Forschenden.

Sie hoffen, dass Daten, wie sie sie vorlegten, bald in Echtzeit gesammelt und analysiert werden können. «Damit liesse sich die Wirksamkeit von Massnahmen zur Feinstaubreduzierung unmittelbar feststellen», sagte Aerosol-Forscher Chen. Sein Wunsch ist zudem, nicht nur eine Europakarte der Aerosolquellen, sondern eine für die ganze Welt zu erhalten.

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