Ex-General verteidigt «mediterranes Patriarchat» - Debatte in Italien
Der Chef der neuen rechten Partei «Futuro Nazionale», Roberto Vannacci, hat in Italien mit seinem ersten Parteiprogramm eine Debatte über Geschlechterrollen ausgelöst. Darin stellt der 57 Jahre alte Ex-Armeegeneral das von ihm so bezeichnete «mediterrane Patriarchat» als gesellschaftliches Modell dar, das bewahrt werden solle. Politiker des sozialdemokratischen Partito Democratico kritisierten dies scharf.

Die «Ideologie des ständigen Kampfes gegen das Patriarchat» sei offensichtlich gescheitert. «Dort, wo jede Spur einer patriarchalischen Gesellschaft verschwindet, ist gleichzeitig eine besorgniserregende Zunahme der Gewalt gegen Frauen zu beobachten», heisst es. Dies sei ein Beleg dafür, das Modell des «mediterranen Patriarchats» zu schützen und nicht zu kriminalisieren.
Dieses von Vannacci und seiner neuen Partei gepriesene Modell zielt demnach darauf ab, «die Unterschiede zwischen den Geschlechtern hervorzuheben und starke Männer heranzubilden, die in der Lage sind, ihre Emotionen und Leidenschaften zu beherrschen, Frauen zu schützen und sich selbst in den Dienst des Aufbaus und der Verteidigung der Gesellschaft zu stellen».
Die Formulierungen stiessen bei linken Parteien auf Kritik. Valeria Valente von der grössten Oppositionspartei Partito Democratico bezeichnete Vannaccis Vorstellungen als «absurdes Programm der Rückkehr ins Mittelalter». Die Vorstellung, Frauen seien durch die Unterordnung unter ein patriarchales Modell sicherer, sei aus ihrer Sicht grundlegend falsch. Gerade die männliche Kontrolle über Frauen bilde die Grundlage für Femizide, argumentierte Valente.
Vannacci hatte seine neue Partei im Februar aus der Taufe gehoben. Er gehörte zuvor der rechtspopulistischen Regierungspartei Lega von Matteo Salvini an, verliess diese aber im Streit um die politische Ausrichtung. Die rechte Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni steht wegen der neuen Partei indes unter Druck. Denn Vannaccis Rhetorik findet bei einem nicht unerheblichen Teil der Wählerschaft der insgesamt drei Regierungsparteien Anklang.
Die Partei legte nun ihr Grundsatzprogramm vor. Bereits in der Einleitung des 120 Seiten langen Dokuments heisst es, man wolle «Italien zu seinen Wurzeln zurückführen und wieder auf den Weg seiner grossen Geschichte zurückbringen». Italien solle «wieder zu einem identitätsbewussten, souveränen, sicheren, freien und wohlhabenden Land werden», heisst es weiter.










