Estland: Grenzübergänge zu Russland bleiben nur noch tagsüber offen
Estland beschränkt aus Sicherheitsgründen den Betrieb der Grenzübergänge zu Russland. Die Regierung des baltischen EU- und Nato-Landes entschied in der Hauptstadt Tallinn, den Betrieb an den Kontrollpunkten Narva, Luhamaa und Koidula in den Nachtstunden auf unbeschränkte Zeit auszusetzen. Tagsüber sollen die Grenzübergänge weiterhin zwölf Stunden lang von 7.00 bis 19.00 Uhr geöffnet bleiben. Dieselben Öffnungszeiten werden auch für die Bahngrenzübergänge gelten.

Die Regierung verlängerte damit eine seit dem Frühjahr geltende Regelung, die zunächst bis Ende August gelten sollte. Die Entscheidung sei «im weiteren Kontext» der Beziehungen zwischen Russland und der EU getroffen worden, deren Ton durch Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine vorgegeben werde, hiess es in der Mitteilung des Innenministeriums.
«Ziel der Einschränkung war es, die Grenzsicherheit und unsere Reaktionsfähigkeit bei Grenzvorfällen zu erhöhen sowie die Zollkontrollen zu verbessern. An diesen Erfordernissen hat sich nichts geändert», sagte Innenminister Igor Taro. Durch die nächtliche Schliessung der Übergänge könnte Personal effizienter eingesetzt werden.
Den Angaben zufolge ist die Zahl der Grenzübertritte zuletzt zurückgegangen. Im ersten Halbjahr 2026 überquerten demnach rund 444.000 Menschen in Narva, Luhamaa und Koidula die Grenze – 13 Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. Auch die Zahl der abgefertigten Fahrzeuge sei um fast 20 Prozent gesunken.
Der Innenminister erklärte in der Mitteilung zugleich, warum Estland – anders als etwa Finnland – seine Grenze zu Russland nicht vollständig schliesse. Dafür müsse ein klarer Sicherheitsbedarf vorliegen, der durch eine Gefährdungsanalyse bestätigt werde. «Gegenwärtig existiert keine solche Gefährdungsanalyse», sagte der Minister.










