Erdrutsch in Niscemi sorgt weiter für Alarmstufe

    Esada Kunic
    Esada Kunic

    Italien,

    Ein vier Kilometer langer Erdrutsch bedroht die sizilianische Stadt Niscemi. Mehr als 1500 Menschen wurden evakuiert, eine Entwarnung gibt es weiterhin nicht.

    Niscemi Erdrutsch
    In Niscemi auf Sizilien hat sich nach schweren Unwettern ein gewaltiger Erdrutsch gebildet. - keystone

    Seit dem vergangenen Wochenende bewegt sich der Boden in der sizilianischen Stadt Niscemi kontinuierlich weiter. Der Erdrutsch ist auf einer Länge von vier Kilometern aktiv, wie der «ORF» meldet.

    Zivilschutzchef Fabio Ciciliano bezeichnete die Lage als kritisch und stellte klar, dass der Erdrutsch noch «voll im Gange» sei. Die Frage, ob der Erdrutsch zum Stillstand komme, bleibt offen.

    Hast du schon einmal einen Erdrutsch miterlebt?

    Nello Musumeci, Minister für Zivilschutz, äusserte sich laut dem «ORF» am Donnerstag besorgt darüber. Wohnhäuser stehen direkt an der mehr als vier Kilometer langen Abbruchstelle am Abhang.

    Nach Erdrutsch: Rote Zone weitet sich aus

    Die Behörden haben eine sogenannte rote Zone eingerichtet. Diese Sperrzone darf von niemandem betreten werden, berichten die «Salzburger Nachrichten».

    Alle Häuser in einem Umkreis von 150 Metern zur Abbruchkante wurden geräumt. Ob Teile der evakuierten Gebiete wieder bewohnbar werden, erscheint fraglich.

    Ciciliano forderte deshalb einen Plan für die endgültige Umsiedlung der Betroffenen. Renato Schifani, Präsident der Region Sizilien, kündigte im Interview mit SkyTG24 einen Wiederaufbauplan in sicherer Entfernung an, schreibt der «ORF».

    Instabiles System bedroht weitere Gebiete

    Die Zivilschutzbehörde warnt vor einem instabilen System. Es handle sich nicht um einen einzelnen Abgang, sondern um eine Struktur, die sich weiterentwickeln könne.

    Der sich konstant weiter bewegende Erdrutsch hat sich im Wohngebiet gebildet und droht, sich noch weiter Richtung bewohnter Zonen auszudehnen.

    Erdrutsch Niscemi auto
    Im sizilianischen Niscemi ist ein Auto vor einem durch einen Erdrutsch entstandenen Abgrund zu sehen. - keystone

    Die Erdrutschmasse beträgt schätzungsweise 350 Millionen Kubikmeter. In den kommenden Tagen wird zudem Regen erwartet, der die Lage weiter verschärfen könnte, meldet «Puls 24».

    Bekannte Gefahr seit Jahrhunderten

    Die Risiken am Standort Niscemi sind seit Langem bekannt. Die Stadt steht auf Lehmboden, das Risiko sei seit 230 Jahren dokumentiert, erklärte die Umweltschutzorganisation Legambiente laut dem «ORF».

    Bereits 1997 ereignete sich in derselben Gegend ein schwerer Erdrutsch. Damals mussten hundert Familien ihre Häuser verlassen.

    Die Kirche Sante Croci wurde zerstört, berichtet der «ORF» unter Berufung auf die Zeitung «La Stampa». Laut einem Experten würde ein hohes Risiko bestehen, dass sich ein ähnliches Ereignis in diesem Gebiet erneut ereignet.

    Staatsanwaltschaft ermittelt

    Die Staatsanwaltschaft der Provinz Gela hat ein Verfahren gegen unbekannt eingeleitet. Laut «RAI» geht es um die Frage, inwieweit es Versäumnisse bei den Sicherungsmassnahmen gab.

    Sizilien Erdrutsch
    Die sizilianische Stadt Niscemi musste wegen eines drohenden Erdrutsches evakuiert werden. - keystone

    Die geplanten Drainagesysteme nach 1997 wurden offenbar nie vollständig umgesetzt. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni besuchte Niscemi am Mittwoch.

    Sie versprach rasche Hilfe und betonte, dass sich die Verzögerungen von 1997 nicht wiederholen würden. Die Regierung stellte 100 Millionen Euro an Soforthilfe bereit, meldet «Puls 24».

    1,5 Milliarden Euro Schadenssumme für Sizilien

    Der Zyklon «Harry» hatte in der vergangenen Woche extreme Regenfälle gebracht. Die Schadenssumme für Sizilien beläuft sich auf 1,5 Milliarden Euro.

    Für Kalabrien werden 300 Millionen Euro veranschlagt, für Sardinien 200 Millionen, wie «T-Online» meldet. Die Stadt Niscemi mit ihren 25'000 Einwohnern bleibt vorerst teilweise von der Aussenwelt abgeschnitten.

    Ein Teil der Anwohner ist derzeit in Notunterkünften untergebracht, andere fanden bei Freunden oder Verwandten Zuflucht. Langfristig ist eine Umsiedlung geplant, erklärte Zivilschutzchef Ciciliano, wie «Merkur.de» berichtet.

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    User #1274 (nicht angemeldet)

    Wenn alle auf den Balkon wollen..

    User #5512 (nicht angemeldet)

    Wer hat noch vor kurzem so laut gebrüllt??

    Weiterlesen

    3 Interaktionen
    Niscemi
    Sizilien Erdrutsch
    4 Interaktionen
    Sizilien
    Erdrutsch Sizilien Niscemi
    6 Interaktionen
    Am Abgrund

    MEHR IN NEWS

    11 Interaktionen
    Anwältin?
    «Geht nur darum, bewilligtes Projekt zu blockieren»
    25 Interaktionen
    Bewusst blockiert?
    swiss
    3 Interaktionen
    Zürich

    MEHR AUS ITALIEN

    Papst Leo
    1 Interaktionen
    Rom
    Foto
    15 Interaktionen
    Italien
    sdf
    12 Interaktionen
    Rom
    13 Interaktionen
    Rom