Deshalb verirren sich Wale immer wieder und stranden

«Der Realität ins Auge schauen»: Das Buckelwal-Drama an der Ostsee ist kein Einzelfall – eine Expertin warnt vor einem traurigen Ausgang.

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Seit vergangenem Montag treibt der Buckelwal an der deutschen Ostküste – und sein Zustand ist kritisch. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Ostsee-Buckelwal sorgt weltweit für Aufsehen – und das Drama spitzt sich weiter zu.
  • Wale verirren sich immer wieder und stranden – eine Expertin erklärt die Gründe dafür.
  • Die Ursachen sind vielfältig – der Mensch spielt oft eine entscheidende Rolle.

Ein Buckelwal sorgt an der deutschen Ostseeküste für weltweites Aufsehen!

Am vergangenen Montag strandete der Wal am Timmendorfer Strand auf einer Sandbank. Nach tagelanger Rettungsaktion gelang ihm dank Baggern die Flucht.

Doch am Samstag strandete er erneut – diesmal in der Wismarbucht.

Experten sind besorgt: Der Wal liegt in tiefem Wasser, könnte sich theoretisch selbst befreien, wirkt aber erschöpft und reagiert kaum auf Annäherungen. Greenpeace-Beobachter berichten, das Tier sei geschwächt und kaum reaktionsfähig.

Sie betonten, der Wal sei «frei genug» um selbstständig wegzuschwimmen. Doch es bestehe die Möglichkeit, dass das Tier bereits zu schwach sei.

Kurz nach einem missglückten Rettungsversuch am Montagabend setzte er sich dennoch in Bewegung. Mittlerweile ist Timmy abgetaucht, die Polizei wartet auf Sichtungen.

Expertin erklärt Hintergründe

Strandungen wie diese sind kein Einzelfall. Wale verirren sich immer wieder – warum, erklärt Expertin Sigrid Lüber gegenüber Nau.ch. Sie ist Präsidentin und Gründerin der Schweizer Meeresschutzorganisation «OceanCare»: «Strandungen von Walen und auch Delfinen haben viele verschiedene Ursachen.» Dabei können sowohl lebende als auch bereits tote Tiere betroffen sein – einzeln oder in Gruppen.

Leblos angespülte Tiere würden häufig durch menschliche Einflüsse sterben, so Lüber: «Äusserliche Spuren können Hinweise geben, ob ein Tier etwa in Fischereinetzen gefangen und erstickt ist oder von einem Schiff gerammt wurde.»

Lebendstrandungen dagegen «können die Folge von Virusinfektionen, Krankheiten oder Desorientierung sein.»

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Sigrid Lüber ist Präsidentin und Gründerin der Schweizer Meeresschutzorganisation «OceanCare». - zVg

Im Fall des Buckelwals der Lübecker Bucht sei der Grund unklar, so die Expertin: «Was man sieht, ist ein Fischernetz, von welchem Teile immer noch in seinem Mund festhängen. Und eine Schwächung des Immunsystems, die durch den Stress noch verstärkt wird.»

Dazu komme, dass das Tier schon länger keine Nahrung aufnehmen konnte und dehydriert sei: «Ein Wal, der bereits seit mehreren Tagen gestrandet ist, befindet sich in einer äusserst ernsten Lage.»

«Strandungen können traurigen Ausgang haben»

Ausserhalb des Wassers laste das enorme Eigengewicht auf den inneren Organen: «Ein Druck, der zu schweren Schäden führt und sich mit jeder weiteren Stunde verschlimmert und die Folgen der tagelangen Strandung schwerwiegend und irreversibel sind. Manchmal müssen wir der Realität ins Auge schauen, dass Strandungen einen traurigen Ausgang haben können», so Lüber.

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Die Kommunikation der Buckelwale kann durch Lärm von Schifffahrt oder militärischen Aktivitäten gestört werden. - keystone

Doch die Ursachen reichen weit über einzelne Fälle hinaus. Klimawandel, Überfischung und Müll im Meer verändern das Verhalten der Wale.

Sigrid Lüber: «Über 640'000 Tonnen Fischernetze und Fischerleinen werden jedes Jahr im Meer unsachgemäss entsorgt oder gehen verloren. Das gefährliche Treibgut wird zur tödlichen Falle für Millionen von Meerestieren, darunter auch für Buckelwale.»

Kann der Wal Timmy sich noch retten?

Hinzu kommen Lärm durch Schifffahrt oder militärische Aktivitäten. Dies könne die Kommunikation der Tiere stören. Dadurch stranden Wale an ungewöhnlichen Orten oder gleich mehrere Tiere gleichzeitig. Solche Fälle nennt man «atypische Strandungsereignisse», erklärt die Expertin.

Ostsee-Buckelwal seit Wochen orientierungslos

Seit Wochen irrt der Buckelwal vor der Ostseeküste umher: Anfang März tauchte er erstmals im Hafen von Wismar auf, später in der Lübecker Bucht und bei Steinbeck (Kreis Nordwestmecklenburg).

Dabei verfing sich das geschwächte Tier in einem Netz. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd konnten den Wal immerhin teilweise davon befreien.

Kommentare

User #6195 (nicht angemeldet)

In den fruehen jahre wurden atom und Sondermuell in Faessern im Meer entsorgt es war kostenguenstig? Ob die Faesser schon durch durchgerostet sind? Und waren es dazumal auch irgendwelche Experten die solche Ideen hatten?

User #6472 (nicht angemeldet)

Ich gespannt so gespannt auf die expertin, denn bin unselbstdenken und dumm selber.

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