Inflation

    Darum ist die gefühlte Inflation so viel höher

    DPA
    DPA

    Deutschland,

    7,2 Prozent Teuerung in Deutschland, bei einigen Produkten liegt der Zuwachs aber deutlich darüber. Für viele Menschen fühlt sich die Geldentwertung daher drastischer an. Und woran liegt's noch?

    Prof. Dr. Johannes Treu ist Professor für Allgemeine BWL und VWL an der IU Internationalen Hochschule.
    Prof. Dr. Johannes Treu ist Professor für Allgemeine BWL und VWL an der IU Internationalen Hochschule. - IU Internationale Hochschule/dpa-tmn

    Wie erwartet hält die Europäische Zentralbank auch bei ihrer jüngsten Sitzung an ihrem Kurs fest und erhöht den Leitzins zum siebten Mal in Folge – auf nun 3,75 Prozent.

    Das Ziel: die noch immer hohe Inflation im Euroraum wieder in den Griff zu bekommen. 7 Prozent betrug die Teuerungsrate laut Statistikamt Eurostat im April im Vergleich zum Vorjahresmonat. In Deutschland waren es sogar 7,2 Prozent.

    Für viele Menschen fühlt es sich so an, als hätten die Preise sehr viel stärker zugelegt. Die Ursache dieses Phänomens erklärt Prof. Johannes Treu, Professor für Allgemeine BWL und VWL an der IU Internationalen Hochschule, im Interview.

    Woher kommt es, dass Verbraucherinnen und Verbraucher die Inflation höher empfinden, als sie tatsächlich ist?

    Prof. Johannes Treu: Dafür gibt es mehrere Gründe. Verbraucherinnen und Verbraucher neigen dazu, Preiserhöhungen bei bestimmten Produkten und Dienstleistungen, die sie regelmässig kaufen, stärker wahrzunehmen als Preissenkungen bei anderen Produkten. Zum Beispiel können steigende Preise für Lebensmittel, Mieten und Gesundheitsdienstleistungen die Wahrnehmung der Inflation verstärken, obwohl die Preise für andere Waren und Dienstleistungen möglicherweise stabil geblieben oder sogar gesunken sind.

    Preiserhöhungen bleiben ausserdem grundsätzlich besser im Gedächtnis als Preissenkungen. Hinzu kommen Erwartungseffekte. Wenn Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten, dass die Inflation steigt, nehmen sie die auch eher wahr.

    Die offizielle Inflationsrate wird anhand eines Warenkorbs berechnet, der eine breite Palette von Gütern und Dienstleistungen abdeckt. Der Warenkorb kann aber nicht alle individuellen Konsumgewohnheiten abbilden. Verbraucherinnen und Verbraucher können das Gefühl haben, dass die Inflation höher ist, wenn sie persönlich eine höhere Inflation bei den von ihnen gekauften Gütern erleben.

    Wie können Verbraucherinnen und Verbraucher die Falschwahrnehmung vermeiden?

    Prof. Treu: Zum Beispiel indem sie regelmässig die offiziellen Inflationsraten überprüfen und mit den eigenen Erfahrungen vergleichen. So kann man eine realistische Einschätzung der tatsächlichen Inflation bekommen. Wer zusätzlich die eigenen Erinnerungen an Preise und Kosten überprüft, stellt sicher, dass es dabei nicht zu Verzerrungen kommt.

    Ausserdem hilft es, auf die Preise aller Produkte und Dienstleistungen zu achten, die regelmässig gekauft werden – nicht nur auf bestimmte. Sind die Preise einzelner Waren tatsächlich stark gestiegen, könnte man nach Alternativen suchen oder das Konsumverhalten ändern, um die Auswirkungen aufs Budget zu minimieren.

    Lässt sich aus der Situation auch etwas Gutes ziehen, anstatt in Panik zu verfallen?

    Prof. Treu: In Panik zu verfallen ist generell das Schlimmste, was man jetzt tun könnte. Vielmehr sollte man jetzt die Chance nutzen, sein Konsumverhalten zu ändern und seine finanzielle Bildung zu verstärken, damit man die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge versteht. So wird auch langfristig die individuelle wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit gestärkt.

    Kommentare

    Weiterlesen

    Oktoberfest München
    43 Interaktionen
    Therapeutin
    Granti Xhaka
    2'128 Interaktionen
    «SCHOCK»

    MEHR IN NEWS

    Ukraine Krieg
    In der Ukraine
    Erstmals seit 1977
    US-Flugstopp
    Aufatmen!

    MEHR INFLATION

    9 Interaktionen
    Washington
    Inflation Schweiz
    19 Interaktionen
    Teuerung
    5 Interaktionen
    Wiesbaden
    WC-Papier
    77 Interaktionen
    «Panikkäufe»

    MEHR AUS DEUTSCHLAND

    Sarah Connor
    5 Interaktionen
    Glamour-Paar
    VW
    7 Interaktionen
    Wolfsburg
    5 Interaktionen
    Schwerin