Curevac kann bei ihrem Corona-Impfstoff eine Wirksamkeit von nur 50 Prozent vorweisen. Das soll laut dem Unternehmen an den neuen Virusvarianten liegen.
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Der Corona-Impfstoff von Curevac verfehlt die Wirksamkeitsziele. - dpa/Sebastian Gollnow

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Impfstoff von Curevac hat eine zu geringe Wirksamkeit gezeigt.
  • Dies begründet das Biotech-Unternehmen mit dem veränderten Coronavirus.
  • Die finale Analyse soll in den nächsten paar Wochen abgeschlossen werden.

Das deutsche Biotech-Unternehmen Curevac hat den Rückschlag bei der Entwicklung seines Corona-Impfstoffs mit neuen Virusvarianten begründet. «Wir bekämpfen eigentlich ein anderes Virus», sagte Vorstandschef Franz-Werner Haas bei einer Telefonkonferenz am Donnerstag.

So sei der Wildtyp des Coronavirus bei der Zwischenanalyse in weniger als einem Prozent der Infektionsfälle nachgewiesen worden. Alle anderen Infektionen entfielen auf neuere Virusvarianten.

Nur vorläufige Wirksamkeit erzielt

Curevac hatte am Mittwochabend die Resultate einer Zwischenanalyse mitgeteilt. So habe sein Impfstoffkandidat CVnCoV nur eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent gegen eine Covid-19-Erkrankung erzielt. Damit habe er vorgegebene Kriterien nicht erfüllt.

Die Wirksamkeit der anderen in der EU verwendeten Impfstoffe ist weitaus besser. Wie die Präparate von Biontech/Pfizer und Moderna ist auch das Curevac-Vakzin ein sogenannter mRNA-Impfstoff.

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Eine Spritze mit einem möglichen Impfwirkstoff gegen das Coronavirus der Tübinger Firma Curevac. - dpa

Das Unternehmen wies am Donnerstag zudem darauf hin, dass sich der Wert von 47 Prozent auf sämtliche Infektionsfälle beziehe. Also auch auf leichte und sehr schwere Verläufe sowie auf alle untersuchten Virusvarianten. Aussagen zur Wirksamkeit bei einzelnen Varianten seien auf Grundlage der Daten noch nicht möglich.

Die finale Analyse der Daten soll in den nächsten zwei bis drei Wochen abgeschlossen werden. Dies auf Basis von mehr als 200 Infektionen. Die am Mittwoch vorgelegte Zwischenanalyse bezog sich auf 134 Infektionsfälle in der finalen Zulassungsphase. Zum Zeitpunkt einer möglichen Zulassung des Corona-Impfstoffs äusserte sich das Unternehmen zunächst nicht.

Curevac sammelt weiterhin Daten

Schon seit Dezember ist der Curevac-Impfstoffkandidat in der finalen und zulassungsrelevanten 2b/3-Studienphase. Während mehrere Konkurrenten ihre Vakzine auf den Markt gebracht haben, sammelt Curevac nach wie vor Daten. Im Februar hat die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA ein schnelles Prüfverfahren für den Impfstoff gestartet.

Vom Impfstoff Curevac hat die Schweiz fünf Millionen Dosen bestellt. Den Vertrag für die Bestellung hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) im Februar abgeschlossen. Der Impfstoff ist in der Schweiz jedoch noch nicht zugelassen.

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Ein Mann pipettiert in einem Labor des biopharmazeutischen Unternehmens Curevac eine blaue Flüssigkeit. - dpa

Grundsätzlich werde der Kaufpreis eines Covid-19-Impfstoffs erst bei der Lieferung in die Schweiz fällig. Das hiess es beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Eine Lieferung erfolgt aber grundsätzlich erst nach Zulassung in die Schweiz.

Bei einer allfälligen Weitergabe von Covid-19-Impfstoff an andere Länder würden die Rahmenbedingungen gemeinsam mit dem Empfänger vereinbart. Dies im Rahmen der Covax-Initiative. Der Bund werde die Möglichkeit prüfen, Impfstoffe anderen Ländern weiterzugeben, sollten diese in der Schweiz nicht benötigt werden. Die Covax-Initiative hat zum Ziel, Länder mit kleinem und mittlerem Einkommen mit Corona-Impfstoffen zu versorgen.

Präparat bei Lieferplanungen nicht dabei

Ursprünglich hatte die deutsche Regierung den Curevac-Impfstoff in ihrer Impfkampagne eingeplant. Auf der jüngst vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlichten Liste der Lieferplanungen war das Präparat aber nicht mehr aufgeführt. Ein Sprecher des Ministeriums teilte am Donnerstag mit, die Curevac-Mitteilung habe keine Auswirkung auf das Tempo der Impfkampagne in Deutschland.

Curevac arbeitet bereits in Zusammenarbeit mit dem britischen Pharmaunternehmen Glaxosmithkline an einer zweiten Generation seines Impfstoffs. Diese soll besser vor Virusvarianten schützen und ab dem dritten Quartal 2021 in ersten klinischen Studien getestet werden.

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