Brauer weiter auf Corona-Durststrecke

    DPA
    DPA

    Deutschland,

    Schlechte Zeiten für deutsche Bierbrauer: Die Gastronomie läuft nur schleppend an, und die Delta-Variante hält die Furcht vor dem Corona-Virus wach. Doch es gibt auch Gewinner.

    Das Statistische Bundesamt hat Zahlen zum Bierabsatz im ersten Halbjahr 2021 veröffentlicht. Foto: Bernd Weissbrod/dpa
    Das Statistische Bundesamt hat Zahlen zum Bierabsatz im ersten Halbjahr 2021 veröffentlicht. Foto: Bernd Weissbrod/dpa - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • In der Corona-Krise trinken die Menschen in Deutschland so wenig Bier wie noch nie seit der Wiedervereinigung.

    In der ersten Hälfte des laufenden Jahres ist der Absatz im Inland um fast 5 Prozent auf den Tiefstwert von 3,3 Milliarden Liter gefallen, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden berichtete. Nach Einschätzung der Brauwirtschaft fehlt vor allem das Geschäft in der Gastronomie und auf den vielen Grossveranstaltungen, die wegen der Pandemie schon das zweite Jahr in Folge ausfallen oder im wesentlich kleineren Rahmen stattfinden. Einziger Lichtblick ist der Verkauf von Flaschenbier im Einzelhandel, von dem aber nur wenige grosse Brauereien profitieren.

    Zum Beispiel Veltins aus dem Sauerland: «Die Flaschenbierverkäufe gingen in einigen Sommerwochen durch die Decke», berichtet Brauerei-Chef Michael Huber. Das Unternehmen bilanzierte im Halbjahr einen um 3,2 Prozent gestiegenen Umsatz und trotz mässiger Leistungen der Fussball-Nationalmannschaft den besten Juni-Ausstoss in der Brauereigeschichte. Der «Homing-Trend» sei allenthalben spürbar, jubelt Huber. «Die Menschen haben sich die Normalität in den eigenen vier Wänden, auf Terrasse und im Garten bewahrt und sich mit Biergenuss belohnt.»

    Unter den Top-10-Marken haben neben Veltins nur noch die Münchener Häuser Paulaner und Augustiner ihren Halbjahresabsatz steigern können, berichtet das Branchen-Magazin «Inside». Im ersten Halbjahr fehlten zwischen 40 und 50 Prozent des eigentlich lukrativeren Fassbiergeschäfts, sagt Inside-Experte Niklas Other. «Das schlägt brutal auf die Ergebnisse durch.»

    Der zusätzliche Umsatz am Supermarktregal hat bereits mit dem ersten Lockdown begonnen und sich seitdem ungebremst fortgesetzt. Wegen der zusätzlichen Nachfrage ist nun bei vielen Brauern das Leergut knapp. «Kisten und Flaschen kommen sehr spät und langsam zurück», sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauerbundes, Holger Eichele. Lieferengpässe bei Paletten, Glas und Kronkorken sowie die explodierenden Logistikkosten begleiten den Boom des Flaschenbiers.

    Von dem profitieren aber längst nicht alle, mahnt der Brauer-Bund in Berlin. «Nach sieben Monaten Lockdown ist die Wiedereröffnung der Aussengastronomie und der Innengastronomie nur schleppend angelaufen. Der Stotterstart im Gastgewerbe schlägt voll auf Brauereien und das Fassbiergeschäft durch», erklärt der Verband in Berlin. Vor allem kleinere Brauereien seien abhängig von Gastronomie und Veranstaltungsgeschäft, wo es derzeit wieder täglich Absagen hagele. «Viele Betriebe befinden sich in einer äusserst prekären Lage und werden acht bis zehn Jahre benötigen, um die erlittenen Einbussen wieder aufzuholen», schildert Eichele die Lage.

    Zunehmende Exporte konnten die Einbussen im Inland durch die Corona-Einschränkungen zumindest teilweise ausgleichen, wie das Statistische Bundesamt weiterhin berichtete. So legten die Exporte in die EU (+3,5 Prozent) und in die Staaten ausserhalb der Gemeinschaft (+11,9 Prozent) zu. Einschliesslich des Inlands setzten die in Deutschland ansässigen Brauereien und Bierlager in den sechs Monaten 4,2 Milliarden Liter Bier ab. Das waren 2,7 Prozent weniger als in der ersten Hälfte des Vorjahres.

    Besonders starke Rückgänge bei der Gesamtmenge waren im Januar (-27 Prozent) und Februar (-19,1 Prozent) zu beobachten, in deren Vergleichsmonaten im Jahr 2020 noch ein von der Pandemie ungetrübter Betrieb in den Restaurants, Bars und Hotels herrschte. Umgekehrt wurde im Juni dieses Jahres 11,2 Prozent mehr Bier abgesetzt als in dem noch vom ersten Lockdown geprägten Vorjahresmonat.

    Kommentare

    Weiterlesen

    putin
    646 Interaktionen
    Aufatmen?
    Wasserversorgung Goldingen-Meilen
    153 Interaktionen
    Seit 100 Jahren

    MEHR IN NEWS

    Annalena Bürki.
    Aarburg-Oftringen
    Philip Kohli.
    Philip Kohli
    Dr. Sarah Schläppi
    «Sarah hat Recht»

    MEHR CORONAVIRUS

    Sportler
    40 Interaktionen
    Xhaka-Hammer
    Impfung Covid
    50 Interaktionen
    Covid-19
    Luftfahrt
    9 Interaktionen
    Passagierzahlen
    Long Covid
    4 Interaktionen
    Obwalden

    MEHR AUS DEUTSCHLAND

    lufthansa
    Wegen Kabinen-Geruch
    28 Interaktionen
    München
    3 Interaktionen
    Zwingen BL
    16 Interaktionen
    Flensburg