Albanien: Vorwürfe von Polizeigewalt bei Protesten
Bei den Studenten-Protesten in Albanien wird den Einsatzkräften Polizeigewalt vorgeworfen. Premier Rama schliesst seinen Rücktritt aus.

Das Wichtigste in Kürze
- In Albanien gibt es zwischen Demonstranten und Polizei «Kämpfe wie im Krieg».
- Zahlreiche Gebäude wurden angezündet, Regierungsbüros gestürmt.
- Die Polizei steht wegen ihres gewaltvollen Vorgehens in der Kritik.
Am Donnerstag gingen die Proteste der albanischen Studierenden weiter. Sie hinterliessen eine Schneise der Zerstörung in Tirana und weiteren Städten.
In der Kritik steht auch die Polizei wegen ihres gewaltvollen Einsatzes. Sie ging mit Tränengas und Schlagstöcken vor.
Seit Dienstag protestieren die Studierenden gegen Missstände im Hochschulwesen und gegen die Regierung. Dabei kam es an allen drei Tagen zu Zerstörung und Zusammenstössen mit der Polizei.
Die Demonstranten drangen in das Büro von Premierminister Edi Rama ein und verwüsteten es. Zahlreiche Gebäude und Geschäfte wurde in Brand gesetzt, Polizisten angegriffen.
Unter anderem wird der Rücktritt von Rama gefordert. Doch der Premierminister lehnt diesen gegenüber «Reuters» ab: «Regierungen werden durch demokratische Wahlen geändert, nicht durch Revolutionen.»
Wie verschiedene albanische Medien berichten, endeten die Proteste am Donnerstag gegen 21 Uhr. Zahlreiche Gebäude wurden angezündet, Dutzende Demonstranten und Polizisten verletzt. Die Zeitung «Koha Jone» sprach von «Kämpfen wie im Krieg».
Politiker: «Unmenschliche Behandlung»
Nach der Auflösung der Demonstration patrouillierten uniformierte und zivile Polizisten auf den Strassen. Sie verfolgten junge Menschen, die sie verdächtigten, Teil der Proteste zu sein.
Am späten Abend bereits prangerte Gazment Bardhi von der Demokratischen Partei die Behandlung der festgenommenen Personen an. Er teilte ein Video, auf dem mehrere festgenommene Demonstranten zu sehen sind.
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Sie liegen auf dem Boden, teils blutend, teils gefesselt, einige sollen minderjährig sein. Bardhi schreibt dazu: «Schreckliche Szenen in den Polizeistationen. Das ist unmenschliche Behandlung und ein schweres Verbrechen.»
Ein Journalist widerlegt die Behauptung, dass die Aufnahmen in einer Polizeistation entstanden sein soll. Auf dem Video seien Räume des Bildungsministeriums zu sehen. Hier hätten Polizisten die jungen Demonstranten gestoppt.
Demonstrantin von Polizisten in zivil in Auto gezogen
Ein weiteres Video sorgt für Aufsehen: Darauf ist zu sehen, wie eine Demonstrantin von unbekannten Personen in ein Auto gezerrt wird. Mutmasslich handelt es sich bei ihnen um Polizeikräfte in zivil.
Ein Demonstrant berichtet gegenüber der Tageszeitung «Panorama», dass die Polizei Steine auf die Demonstranten geworfen hätten. Dabei wurde er an der Hand verletzt. Zudem sei ihm aus kurzer Distanz Tränengas ins Gesicht gespritzt worden.
Wie es in Albanien weitergeht, ist noch unklar. Neben den Studenten gehen seit weit über 100 Tagen auch Angehörige der Flamingo-Proteste auf die Strassen. Diese kämpfen gegen ein geplantes Luxus-Tourismusprojekt von Jared Kushner in einem Naturschutzgebiet.
Auch die Flamingo-Proteste richten sich gegen die Regierung. Ob sich die beiden Bewegungen zusammenschliessen werden, wird sich zeigen.
Für den an der Hand verletzten Studenten ist bloss eines klar: «Ich komme wieder.»




















