Vulkanausbrüche haben wohl zu dutzenden Zusammenbrüchen von Herrscher-Dynastien des Kaiserreichs China in den letzten zweitausend Jahren beigetragen.
Eine grosse Aschewolke über dem Colima-Vulkan in Mexico im Jahr 2015: Forschenden brachten explosive Vulkanausbrüche in Verbindung mit Zusammenbrüchen chinesischer Dynastien. (Archivbild)
Eine grosse Aschewolke über dem Colima-Vulkan in Mexico im Jahr 2015: Forschenden brachten explosive Vulkanausbrüche in Verbindung mit Zusammenbrüchen chinesischer Dynastien. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/AP/BERNARDO DE NIZ

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Uni Bern und andere Forscher haben den Untergang chinesischer Dynastien analysiert.
  • Dabei konnte ein Zusammenhang zu Vulkanausbrüchen im damaligen China hergestellt werden.
  • Vulkanausbrüche veränderten das Klima in Asien stark und beeinflusste die Ernten negativ.
  • Viele Herrscher mussten dann auch deswegen abdanken.

Das geht aus einer Analyse eines internationalen Forschungsteams mit Beteiligung der Universität Bern hervor. Grosse Vulkanausbrüche zählen zu den wichtigsten natürlichen Ursachen für abrupte und kurzfristige Klimaveränderungen.

In Asien beispielsweise können sie kältere Sommer im Norden, einen schwächeren Monsun und somit weniger Regen im Süden hervorrufen. Die Kälte und Trockenheit schlagen sich negativ auf die Ernteerträge nieder.

Vulkanausbrüche als schlechtes Omen

Die Forschenden um Chaochao Gao von der Zhejiang University (China) und Francis Ludlow vom Trinity College im irischen Dublin rekonstruierten nun anhand von Eisbohrkernen 156 Vulkanausbrüche, die sich zwischen 1 n. Chr. bis 1915 ereignet hatten. Diese Informationen verknüpften sie mit historischen Dokumenten aus 68 chinesischen Dynastien.

Ein Archäologe beim Fixieren von Malereien auf einem weissen Marmorbett, das in einem Grab aus der Sui-Dynastie (581-618 vor Christus) in der zentralchinesischen Provinz Henan freigelegt wurde. Foto: Li An/XinHua/dpa
Ein Archäologe beim Fixieren von Malereien auf einem weissen Marmorbett, das in einem Grab aus der Sui-Dynastie (581-618 vor Christus) in der zentralchinesischen Provinz Henan freigelegt wurde. Foto: Li An/XinHua/dpa - dpa-infocom GmbH

Die im Fachmagazin «Communications Earth & Environment» veröffentlichte Analyse legt demnach nahe, dass der grossen Mehrheit der Dynastie-Kollapse (62 von 68) eine oder mehrere Vulkaneruptionen vorausgingen. «Wir konnten zum ersten Mal zeigen, dass es in China nach Vulkanausbrüchen deutlich wahrscheinlicher war, dass Dynastien zusammenbrachen. Diese Ursache hat System», liess sich Mitautor Michael Sigl von der Universität Bern in einer Mitteilung der Hochschule vom Freitag zitieren.

Die Forschenden weisen allerdings darauf hin, dass der Zusammenbruch einer Dynastie komplex und ein Zusammenspiel vieler Faktoren ist. Das wird beispielsweise durch die Tatsache unterstrichen, dass den Ausbrüchen des Tambora im Jahr 1815, des Huaynaputina (1600) oder des Samalas (1257) kein unmittelbarer Sturz folgte. Neben Missernten gehören etwa auch schlechte Führung und Korruption in der Verwaltung zu den Faktoren, die eine Dynastie destabilisieren.

Vulkane haben viel Einfluss aufs Klima

In ihrer Studie zeigten die Forschenden, dass kleinere, von Vulkanen ausgelöste Klimaschocks zum Zusammenbruch von Dynastien führen können, falls es bereits politische und sozioökonomische Spannungen gibt. Grössere Schocks hingegen können auch bei zuvor geringem Druck zum Sturz führen.

Der Vulkan Shinmoe in Japan kommt seit Anfang März nicht zur Ruhe.
Der Vulkan Shinmoe in Japan kommt seit Anfang März nicht zur Ruhe. - Keystone

Die Forschenden vermuten, dass die lediglich mässigen Vulkanausbrüche der 1970er bis 1990er Jahre in Kombination mit von Menschen verursachten Schwefelemissionen zu Dürren in der Sahelzone beigetragen haben dürften. Die Katastrophen forderten der Universität Bern zufolge 250’000 Todesopfer und trieben 10 Millionen Menschen in die Flucht.

In Verbindung mit der globalen Klimaerwärmung könnten grössere Vulkanausbrüche wohl tiefgreifende Auswirkungen auf die Landwirtschaft «in einigen der bevölkerungsreichsten und gleichzeitig am stärksten marginalisierten Regionen der Erde haben», so die Autoren.

https://www.nature.com/articles/s43247-021-00284-7

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