«Wir dachten, sie seien tot»
Die jugendlichen Täter des brutalen Angriffs auf ein Schweizer Paar in Indien haben erstmals Interviews gegeben. Sie sind selbst schockiert über ihre Gewalttätigkeit und bitten um Vergebung. Aber ihre Schilderung der Vorfälle widerspricht derjenigen der Opfer.

Das Wichtigste in Kürze
- Die jugendlichen Angreifer auf ein Schweizer Paar in Indien geben erstmals Interviews.
- Sie hätten die beiden für tot gehalten und seien einfach weggerannt.
- Zumindest die Jüngeren sehen ihren Fehler ein und wollen sich entschuldigen.
Sie mit einem gebrochenen Arm, er mit einem Schädelbruch: so hatten sich Marie D. (24) und Quentin C. (24) ihren Indien-Urlaub mit Taj-Mahal-Besichtigung nicht vorgestellt. Die jungen Angreifer, die ihnen diese Verletzungen zugefügt haben, erzählen in der «Times of India», was an diesem Tag wirklich geschehen sein soll.
Küsse in der Öffentlichkeit
Das Schweizer Paar sei freundlich gewesen, erzählt der 17-jährige Mahendra*. Die Situation sei eskaliert, als die beiden sich zu küssen begannen. Grundlos habe der 19-jährige Pankaj begonnen, auf sie einzuschlagen. «Wir haben einfach mitgemacht», erzählt Mahendra.
Schweizer Paar fühlte sich bedrängt
Eine andere Geschichte erzählt das Schweizer Paar. Sie hätten sich dagegen gewehrt, dass die indischen Jugendlichen dauernd Selfies machen wollten – vor allem mit der hellhaarigen Marie D. Dann seien sie plötzlich attackiert worden. Geküsst hätten sie sich nicht, sagt Quentin C.
«Sie lagen leblos da. Überall war Blut.»
Marie sei von einem Stein getroffen worden und habe Quentin verteidigen wollen, erzählt der jüngste der Gruppe, ein 13jähriger, gegenüber der Times of India. Dieser sei von einem der älteren mit einem Schlagstock niedergestreckt worden. «Wir haben noch weiter geprügelt, als sie leblos dalagen und sich nicht mehr wehrten. Wir sind einfach weggerannt und haben niemandem etwas gesagt.»
Späte Einsicht
«Es war dumm, sowas zu tun. Ich will Sie um Vergebung bitten, weil ich damit angefangen habe», sagt Mahendra. «Es war der blödeste Fehler unseres Lebens», ergänzt der Jüngste.
Von den fünf Verhafteten sind drei Minderjährig, sie wurden einstweilen in ein Jugendheim gesteckt. Den beiden Erwachsenen drohen Gefängnisstrafen.
Indien reagiert
Der Vorfall hat in der indischen Bevölkerung bis auf Regierungsebene grosse Betroffenheit ausgelöst. Es sei generell ein Problem, dass Touristen in Indien belästigt würden – meist allerdings nicht von den lokalen Einheimischen, sondern von indischen Touristen aus anderen Landesgegenden. Diese seien ganz wild auf Selfies mit Europäern.
Aber auch die illegalen Strassenverkäufer seien ein Problem. So hat die Regierung des Bundesstaats Utar Pradesh angeordnet, dass über 50 solcher «asozialer Elemente in der Nähe historischer Monumente» verhaftet werden, berichtet die indische «Economic Times».
*Name geändert.










