Venezuela wählt neuen Präsidenten: Maduro vor dem Aus?
In Venezuela finden am Sonntag Präsidentschaftswahlen statt. Beobachter fürchten, dass der autoritäre Amtsinhaber Maduro eine Niederlage nicht hinnehmen könnte.

Das Wichtigste in Kürze
- In Venezuela wird am heutigen Sonntag ein neues Parlament gewählt.
- Prognosen sehen den Oppositionspolitiker Edmundo González Urrutia vorn.
- Beobachter fürchten, dass Amtsinhaber Nicolás Maduro eine Niederlage nicht akzeptiert.
Die wirtschaftliche und humanitäre Lage in Venezuela ist katastrophal, der Unmut in der Bevölkerung gross. Über 21 Millionen Menschen sind dazu aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen.

Venezuela wählt an diesem Sonntag ein neues Staatsoberhaupt. Der autoritäre Staatspräsident Nicolás Maduro strebt eine dritte Amtszeit an. Neben dem Amtsinhaber bewerben sich neun weitere Kandidaten um das höchste Staatsamt.
Bereits wenige Minuten nach Öffnung der Wahllokale um 6 Uhr Ortszeit gab Präsident Nicolás Maduro seine Stimme ab.
Favoritin von Wahl ausgeschlossen
Die besten Chancen werden neben Maduro dem früheren Diplomaten Edmundo González Urrutia vom Oppositionsbündnis Plataforma Unitaria Democrática zugerechnet.
Zuvor hatte die Politikerin María Corina Machado als aussichtsreichste Kandidatin gegolten. Allerdings war sie unter fraglichen Umständen für die kommenden 15 Jahre von allen politischen Ämtern ausgeschlossen worden.

Seither rührte Machado kräftig die Wahltrommel für González. Dem scheint seine neue Rolle noch nicht ganz geheuer zu sein, wie unter andere, die «Tagesschau» berichtet. Bei einer der letzten Wahlkampfveranstaltungen habe er zunächst unsicher gewirkt, sich dann jedoch gefasst und versprochen:
«Unsere Regierung wird für alle da sein. Es ist Zeit, dass die Venezolanerinnen und Venezolaner wieder zusammenfinden.»
Festnahme von Oppositionellen
Mehreren Umfragen zufolge könnte Maduro nach elf Jahren an der Macht in der Tat die Abwahl drohen. Beobachter gehen allerdings nicht von einer freien und fairen Wahl aus.
Zuletzt wurden zahlreiche Oppositionelle festgenommen und regierungskritische Kandidaten nicht zur Wahl zugelassen. Laut der NGO Foro Penal habe es 102 Festnahmen im Kontext der Oppositionsarbeit gegeben. Hotels und Restaurants, die die Oppositionsführung als Gäste empfingen, hätten schliessen müssen.

Weiterhin seien Journalisten eingeschüchtert und Online-Berichterstattung erschwert worden. Die Wahlbeobachtermission der EU hatte Maduro bereits im Mai ausgeladen.
Insgesamt sind etwa 21,6 Millionen Menschen innerhalb und ausserhalb des Landes wahlberechtigt. Darunter fallen auch die im Ausland lebenden Venezolaner.
Allerdings wurden von den 4,5 Millionen Wahlberechtigten ausserhalb des Landes nur etwa 69.000 registriert, die die von der Regierung festgelegten Voraussetzungen für die Stimmabgabe im Ausland erfüllen. Die Wahlen werden im ersten Wahlgang mit einfacher Mehrheit gewonnen.
Venezuela in der Krise
Das südamerikanische Land steckt seit Jahren in einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise. Die Wirtschaft des einst wohlhabenden Landes mit reichen Erdölvorkommen leidet unter Missmanagement, Korruption und Sanktionen.
Mehr als sieben Millionen Menschen haben Venezuela nach UN-Angaben in den vergangenen Jahren wegen Armut und Gewalt verlassen.












