Trockenheit und Hitze bringen auch Vorteile für den Weinbau
Trockenheit und Hitze können sich auf den Weinbau positiv auswirken. So werden Pilzkrankheiten eingedämmt und bei gewissen Rebsorten wird die Anreicherung von Zucker in den Trauben gefördert, wie Rebbau-Verantwortliche aus den Kantonen Luzern und Wallis zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagen.

Die positiven Auswirkungen würden sich aber je nach der Topografie des Anbaugebiets, den Rebsorten und den Bewässerungsmassnahmen unterscheiden, heisst es. Grundsätzlich seien Reben im Vergleich zu anderen Ackerkulturen «trockenheitstoleranter», weil ihr Wurzelsystem Wasser auch aus tieferen Schichten erschliessen kann, sagt die Luzerner Rebbaukommissärin Nicole Theler.
Das hänge aber von der Topografie der Anbaugebiete ab, teilt die Walliser Kantonsönologin Nadine Bridy mit. Das Walliser Weinbaugebiet sei nicht homogen, sondern zeichne sich durch eine Vielfalt an Hanglagen und Höhenlagen aus, die überwiegend auf Böden mit sehr geringer Wasserspeicherkapazität liegen würden.
Von der Hitze und Trockenheit profitieren könnten spät reifende Rebsorten, wie Petit Arvine, Humagne Rouge und Blanche oder Cornalin im Wallis sowie Merlot, Blaufränkisch oder Cabernet Sauvignon in Luzern, heisst es aus den Weinbaugebieten. «Die grösste Herausforderungen betreffen eher die früh reifenden Rebsorten wie den Pinot Noir, deren Reifephase noch unter den hohen Temperaturen des Spätsommers stattfindet», so Bridy.
Theler wiederum nennt als problembehaftete Sorten Müller-Thurgau und den Sauvignon Blanc, der unter der Hitze an Frische und typischer Aromatik verlieren könne. Unter einem Wassermangel leiden würden aber vor allem Jungreben. Ihr Wachstum werde gebremst und im Extremfall könnten einzelne Pflanzen absterben.
Ein positiver Aspekt der Trockenheit ist, dass sie das Risiko des Befalls mit Pilz- und weiteren Pflanzenkrankheiten senkt. Das sei optimal für die Reben, so Theler. Und ihre Walliser Kollegin Nadine Bridy teilt mit, dass sich der Walliser Weinberg in einem «ausgezeichneten Gesundheitszustand» befinde.
Auf Prognosen zur voraussichtlichen Qualität des Weinjahrgangs 2026 möchten sich die Rebbauspezialistinnen noch nicht einlassen. «Bleiben grössere Wetterextreme bis zur Ernte aus, bestehen gute Chancen auf einen qualitativ hochwertigen Jahrgang», heisst es aus Luzern. Im Wallis beginne die vom Amt für Weinbau und Wein durchgeführte Überwachung des Reifegrads erst in der Woche des 17. August.
Mit ziemlicher Sicherheit dürfte sich die Trockenheit und Hitze auf den Zeitpunkt der Weinlese auswirken. In Luzern könnte die Lese einige Tage bis zwei Wochen früher als gewohnt beginnen, schätzt Theler. Im Wallis lässt sich die Frage wegen den unterschiedlichen Voraussetzungen nicht einheitlich beantworten. Aber für die Referenzrebsorte Chasselas lasse sich ein Vorsprung von etwa einer Woche abschätzten, so Bridy.






