Mehr Frauen: Fast jeder Dritte schleppt sich krank zur Arbeit
Wer krank ist, sollte sich auskurieren. Doch in der Schweiz geht ein Drittel der Arbeitnehmenden trotzdem zur Arbeit. Das kann teure Folgen haben.

Das Wichtigste in Kürze
- Laut dem «Barometer Gute Arbeit» 2025 arbeitet etwa ein Drittel der Befragten oft oder sehr häufig trotz Krankheit.
- Somit hat der Präsentismus wieder das Niveau erreicht wie vor der Covid-Pandemie.
- Besonders problematisch ist dies im Gesundheitswesen und in Schulen, da kranke Mitarbeitende andere Menschen anstecken können.
Husten, Fieber, Schmerzen – und trotzdem ab ins Büro, auf die Station oder ins Klassenzimmer? Für viele Schweizer Arbeitnehmende gehört das offenbar zum Alltag.
Travail.Suisse und die Berner Fachhochschule machen jedes Jahr eine repräsentative Umfrage und veröffentlichen die Resultate im «Barometer Gute Arbeit».
In der letzten Umfrage 2025 gaben 28,3 Prozent der Befragten an, oft oder sehr häufig zu arbeiten – trotz Krankheit. Das ist fast jede dritte befragte Person.
Das Comeback des «Präsentismus»
Das Phänomen hat einen Namen: Präsentismus. Gemeint ist damit, dass Beschäftigte trotz Krankheit zur Arbeit erscheinen.
Während der Corona-Pandemie ging dieser Anteil deutlich zurück. Jetzt steigt er wieder an. «Inzwischen liegt er ungefähr wieder auf dem Vor-Pandemie-Niveau», so Thomas Bauer von Travail.Suisse.
Beim Geschlecht zeigen sich Unterschiede: Die Erhebungen weisen darauf hin, dass Frauen etwas häufiger krank zur Arbeit gehen als Männer. Die Gründe dafür lassen sich aus den vorliegenden Daten allerdings nicht eindeutig ableiten.
Besonders heikel: Schule und Gesundheitswesen
Was noch wichtiger ist: Nicht jeder Beruf ist gleich stark betroffen. Laut den Ergebnissen des «Barometers Gute Arbeit» zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Branchen. Besonders relevant ist das Thema dort, wo persönliche Anwesenheit kaum ersetzt werden kann – etwa im Gesundheitswesen oder im Unterricht.
Aber gerade dort kann krankes Personal andere Menschen einem zusätzlichen Ansteckungsrisiko aussetzen.
Wie heikel das sein kann, zeigte sich Mitte September 2026 in Bottmingen BL: Bei einer Lehrperson einer Primarschule wurde Tuberkulose festgestellt.
Weil über längere Zeit Kontakt zu mehr als 100 Kindern bestand, wurden diese vorsorglich medizinisch untersucht. Die Lehrperson unterrichtete eine Zeit lang nicht mehr und befand sich in Behandlung.
Der Fall ist zwar kein typisches Beispiel für Präsentismus. Er zeigt aber eindrücklich, welche Folgen eine Infektionskrankheit im Umfeld von Schulen haben kann.
Längerfristige Folgen mit hohen Kosten
Präsentismus hat aber nicht nur Folgen für andere. Auch die betroffenen Personen selbst zahlen einen Preis. Wer krank arbeitet, ist weniger belastbar und kann sich schlechter konzentrieren. Zudem bleibt die notwendige Erholung aus.
Bauer sagt zu Nau.ch: «Würden sie bei Krankheit zu Hause bleiben, könnten sie sich erholen und wieder mit grösserer Energie in die Arbeit einsteigen.»
Was eigentlich ein kurzer Krankheitsausfall hätte sein können, wird so zur längeren gesundheitlichen Belastung. Und langfristig drohen auch chronische Erkrankungen. Das treibt nicht nur die persönlichen Leiden in die Höhe, sondern auch die Kosten im Gesundheitssystem.














