Nach Massenentführung in Nigeria: Gläubige wieder frei
Nach der Entführung von 177 Gläubigen aus drei Kirchen im nigerianischen Bundesstaat Kaduna sind die letzten Verschleppten freigekommen. Die zuletzt verbliebenen 89 Gefangenen konnten nach Hause zurückkehren, teilte der Gouverneur, Uba Sani, der Deutschen Presse-Agentur mit.

Bewaffnete Männer hatten am 18. Januar während eines Sonntagsgottesdienstes drei Kirchen im Dorf Kurmin Wali überfallen, Gläubige entführt und eine Lösegeldforderung an die verbliebenen Dorfbewohner gestellt. Zu den Umständen der Freilassung wurden keine Angaben gemacht. In der Region sind zahlreiche bewaffnete Gruppen aktiv, von denen sich jedoch keine zu der Entführung bekannt hat.
Im Zusammenhang mit den Ermittlungen stehen Nigerias örtliche Behörden und die Polizei massiv in der Kritik. Diese hatten den Angriff zunächst als Lüge bezeichnet und mit Strafen wegen angeblicher Falschmeldungen gedroht. Erst nach öffentlichem Druck bestätigte die Polizei, der Vorfall habe sich nach «Überprüfung durch operative Einheiten und Geheimdienstquellen» tatsächlich ereignet.
Unterdessen hat der Gouverneur des Bundesstaates Kwara, Abdulrahman AbdulRazaq, den Tod von mindestens 75 Menschen bestätigt. Diese waren bei einem Angriff am Dienstagabend getötet worden. Der Gouverneur sprach von einem Massaker.
Die Opfer seien inzwischen beigesetzt worden. Nigerias Präsident Bola Tinubu schreibt die Tat der dschihadistischen Gruppe Boko Haram zu. Diese hätten überwiegend muslimische Gemeindemitglieder getötet, die die Indoktrinationsversuche der Gruppe abgelehnt und sich stattdessen für einen Islam entschieden hätten, der weder extrem noch gewalttätig sei, so Tinubu.
In Nord- und Zentralnigeria sind sowohl islamistische Terrorgruppen als auch bewaffnete kriminelle Banden aktiv, die jährlich Tausende Menschen entführen, um Geld oder die Freilassung von Mitgliedern zu erpressen. Polizei und Militär bekommen die Lage nicht unter Kontrolle.










