Heute Mittwoch wurden mehrere Mitarbeiter eines Hongkonger Online-Mediums festgenommen. Nun stellt dieses seinen Betrieb ein.
Patrick Lam (l), Herausgeber der Online-Publikation «Stand News», wird von Polizeibeamten in einen Lieferwagen eskortiert. Foto: Vincent Yu/AP/dpa
Patrick Lam (l), Herausgeber der Online-Publikation «Stand News», wird von Polizeibeamten in einen Lieferwagen eskortiert. Foto: Vincent Yu/AP/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • In Hongkong wurden Mitarbeitende von «Stand News» festgenommen.
  • Jetzt wurden alle Mitarbeiter entlassen und der Betrieb eingestellt.
  • Bereits im Juni wurde die prodemokratische Zeitung «Apple Daily» eingestellt.

In Hongkong hat ein weiteres pro-demokratisches Medium auf Druck der Behörden den Betrieb eingestellt. Nachdem am Mittwoch mehrere Mitarbeiter festgenommen wurden, teilte die Online-Publikation «Stand News» einige Stunden später mit, alle Mitarbeiter entlassen und den Betrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt zu haben.

«Vielen Dank an die Leser für Ihre anhaltende Unterstützung», hiess es in einer auf Facebook verbreiteten Mitteilung zur Schliessung.

Hongkong
Polizisten bewachen den Eingang zum Büro von «Stand News». - Keystone

Zuvor hatten Beamte der nationalen Sicherheitspolizei am frühen Mittwochmorgen mindestens sechs Journalisten und ehemalige Mitarbeiter von «Stand News» festgenommen, darunter auch der derzeitige Chefredakteur Lam Shiu und dessen Vorgänger Chung Pui. Rund 200 Beamte waren an dem Einsatz beteiligt, bei dem auch die Redaktion von «Stand News» und die Häuser der Festgenommenen durchsucht wurden.

Die Vereinigung der Hongkonger Auslandskorrespondenten FCC äusserte sich bestürzt über die Einstellung der Publikation. Das Vorgehen der Polizei sei «ein weiterer Schlag für die Pressefreiheit in Hongkong».

«Apple Daily» schon im Juni eingestellt

Bereits im Juni war in Hongkong die prodemokratische Zeitung «Apple Daily» zwangsweise eingestellt worden, nachdem das Boulevardblatt wegen angeblicher Verstösse gegen das sogenannte Sicherheitsgesetz ins Visier der Behörden geraten war. Ihr Gründer Jimmy Lai sitzt im Gefängnis.

Hongkong
Ein Unterstützer von Apple Daily zeigt das Titelbild der «Apple Daily», das den politischen Prozess gegen die Führungskräfte der Zeitung zeigt. (Archivbild) - dpa

Nach anhaltenden Demonstrationen und dem Ruf nach mehr Demokratie in Hongkong hatte die kommunistische Führung in Peking vor eineinhalb Jahren das umstrittene Sicherheitsgesetz erlassen. Die vage Formulierung des Gesetzestextes erleichtert das Vorgehen gegen Aktivitäten, die China als subversiv, separatistisch, terroristisch oder verschwörerisch einstuft - und zielt damit auf Kritiker der Hongkonger Regierung und der chinesischen Führung.

Mehr als 100 Aktivisten wurden festgenommen oder warten auf ihren Prozess. Viele wurden bereits verurteilt. Aus Angst vor Strafverfolgung haben sich viele Oppositionsmitglieder ins Ausland abgesetzt.

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