Fast eine Woche blockierte die Ever Given den Suezkanal. Dank der Hilfe von weiteren Schleppbooten konnte das Schiff nun teilweise befreit werden.
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Frachter Ever Given konnte aus seiner misslichen Lage im Sueskanal befreit werden. - keystone /Maxar Technologies via AP

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein 400 Meter langes Containerschiff blockierte seit Mittwoch den Suezkanal.
  • Bis am Sonntag gelang es den Behörden, das havarierte Schiff um 30 Meter zu bewegen.
  • Am Montagmorgen dann die gute Nachricht: Das Schiff konnte freigelegt werden.
  • Bis die rund 300 wartenden Schiffe durchfahren können, können bis zu acht Tage vergehen.

Endlich! Nach fast einer Woche Blockade konnte der Suez-Kanal, die Verbindung zwischen Mittelmeer und dem Roten Meer, freigegeben werden. Das Container-Schiff Ever Given steckte tagelang fest.

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Die Ever Given ist zwar freigelegt. Aber der Schiff-Stau im Suezkanal dauert noch mehrere Tage. - dpa

Mehr als 370 Schiffe warteten seit der Havarie des Frachters auf die Durchfahrt. Mit Baggern und Schleppern versuchten die Behörden verzweifelt, das Schiff wieder auf die richtige Spur zu bringen.

Das Containerschiff Ever Given ist nach tagelanger Blockade freigelegt worden. - Suez Canal Authority

Ruder des Schiffs befreit

Am Sonntag ging die Bergung langsam, aber schleppend weiter voran. Das Heck des Frachters habe sich inzwischen um 102 Meter vom Ufer entfernt, teilte SCA-Chef Osama Rabie am Montag mit.

Zuvor habe das Heck nur einen Abstand von vier Metern zum Ufer gehabt. Die «Ever Given» sei zu «80 Prozent in die richtige Richtung» gewendet worden, erklärte Rabie.

Zur Unterstützung trafen am Sonntag auch zwei weitere Schlepper am Kanal erwartet, die in den Niederlanden beziehungsweise Italien registriert sind. Das Ruder des Containerschiffs konnte demnach bereits befreit werden.

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Fast 30 Meter wurde das Schiff bewegt, ein Tropfen auf einem heissen Stein. - Twitter / @rafsanchez

Am Montagmorgen wurde dann mit den zusätzlichen Schleppern ein weiterer Anlauf zum Freischleppen des Containerschiffs unternommen werden. Diesen Entschluss traf die zuständige Kanalbehörde nach Medienberichten in der Nacht.

Und tatsächlich: Die Freilegung gelang. Das 400 Meter lange Schiff sei wieder in schwimmenden Zustand gebracht worden und werde gesichert, teilte der maritime Dienstleister Inchcape Shipping am frühen Montagmorgen mit.

Nach der Erfolgsmeldung kursieren im Internet Videos von erleichterten Crewmitgliedern der anderen Schiffe im Kanal. «Das Boot schwimmt», sagt ein Mann an Bord eines Schiffs und streckt seinen Daumen nach oben. Auf einem der Videos ist immer wieder der Ausspruch «Alhamdulillah» (Gott sei Dank) zu hören.

Bug des Schiffs steckt noch fest

Das niederländische Bergungsunternehmen warnt allerdings vor zu schnellem Jubel über eine Freilegung des Kanals. Die «Ever Given» sei nur am hinteren Teil freigelegt worden.

«Aber der Bug sitzt noch völlig fest», sagte Peter Berdowski, Chef des Unternehmens Boskalis am Montagmorgen im niederländischen Radio. «Es bewegt sich was, das ist die gute Nachricht», sagte er. Aber für Entwarnung sei es zu früh.

Ein Sprecher der Hamburger Container-Rederei Hapag Lloyd, Nils Haupt, zeigt sich erleichtert. «Denn, noch einige Tage länger und es wären noch viel stärkere Schäden entstanden», sagt Haupt gegenüber dem «Bayrischen Rundfunk».

Haupt schätzt, dass die ersten Schiffe in den nächsten 24 Stunden passieren können. «Und dann hoffen wir, dass sich in den nächsten sechs bis acht Tagen alle Schiffe bewegen werden.»

Grosse finanzielle Einbussen

Durch die tagelange Blockade gingen dem Kanal derweil täglich Einnahmen von rund 13 bis 14 Millionen Dollar verloren.

Containerschiff blockiert Suezkanal
Das Containerschiff «Ever Given» ist im Suezkanal festgesetzt und blockiert die wichtige Schifffahrtsstrasse zwischen Asien und Europa. Die erhoffte Freilegung des Schiffes schreitet in kleinen Schritten voran weshalb die grossen Frachtführer ihrer Schiffe zunehmend umleiten. - dpa

Die Kanalbehörde nahm 2020 bei Durchfahrten von 18'800 Schiffen rund 5,6 Milliarden Dollar ein. Die Behörde erwägt, den wartenden Schiffen nach Ende der Krise eine Durchfahrt für eine geringere Gebühr anzubieten.

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