Vor zehn Jahren übernahm Kim Jong Un die Machtherrschaft in Nordkorea. Nun befindet sich der Machthaber in einer kritischen Herrschaftsphase.
Kim Jong Un
Als er die Macht in dem totalitären Staat übernahm, war er nicht einmal 30 Jahre alt: Kim Jong Un. Foto: KCNA/KNS/AP/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei seiner Machtübernahme war Kim Jong Un weithin unbekannt.
  • Atomwaffen spielen bei all seinen Entscheidungen eine relevante Rolle.
  • Derzeit befindet sich Nordkorea jedoch in einer prekären Lage.

Gegenüber den Bürgern seines Landes gibt sich Nordkoreas Machthaber gerne leutselig und volksnah. Im Westen gilt Kim als eiskalter Despot eines Staates, dessen Kontrolle und Repressalien in alle Lebensbereiche der Bürger hineinreichen. Trotz heftiger internationaler Sanktionen, die die wirtschaftliche Entwicklung seines Landes seit Jahren hemmen, hält Kim knallhart am Atomwaffenprogramm fest.

Kim Jong Uns Vater, Kim Jong Il, starb am 17. Dezember 2011 infolge eines Herzinfarkts. Damit übernahm sein Sohn auch faktisch die Staatsgeschäfte.

Was zunächst folgte, wird von Beobachtern als Phase der Machtkonsolidierung beschrieben. Kim erreichte das demnach auch durch politische Säuberungen. Dieser fielen zahlreiche hochrangige Funktionäre, einschliesslich seines Onkels Jang Song Thaek zum Opfer.

Kim Jong Un als «Genie der Genies» beschrieben

Als Kim die Macht in dem totalitären Staat übernahm, war er nicht einmal 30 Jahre alt. Die Nachbarländer sorgten sich damals, dass eine Phase der Instabilität im stalinistisch regierten Nordkorea folgen könnte. Kim Jong Un galt selbst im Nachbarland Südkorea als weithin unbekannt, seine politischen Ziele als unklar.

Zu Hause wurde er von der staatlichen Propaganda-Maschinerie kurz nach der Machtübernahme als «Genie der Genies» beschrieben. Damit sollte er bei seinen Landsleuten über alle Zweifel erhaben sein.

Kim Jong Un
Der nordkoreanische Führer Kim Jong Un winkt nach einer Parade zum 70. Jahrestag der Gründung Nordkoreas der Menge zu. - dpa

Doch zurzeit wird der zuletzt schlanker wirkende Kim in einer besonders kritischen Herrschaftsphase gesehen. Neben den Sanktionen setzten Nordkorea auch die Folgen der Corona-Pandemie stark zu.

Schon früh hatte das ohnehin abgeschottete Land seine Grenzen wegen der Pandemie geschlossen. Dies wirkte sich stark auf den Handel mit China aus. Seine wirtschaftlichen Ziele konnte Kim nicht einhalten. Seine Autorität könnte dadurch unterminiert werden, glauben deshalb Beobachter.

Nordkoreas Atomprogramm wird als Bedrohung wahrgenommen

Bei allen seinen Aktionen spielten die Atomwaffen des Landes von Anfang an eine wichtige Rolle für Kims Machtentfaltung. Kims Vater habe mit Blick auf das Atomprogramm eine eher «zweideutige Haltung» gehabt. Vier der bisher sechs Atomtests durch Nordkorea wurden unter Kim Jong Un durchgeführt. Zudem trieb er die Entwicklung von ballistischen Raketen, die die je nach Bauart auch atomare Sprengköpfe tragen können, voran.

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Kim Jong Un setzt bei allen Aktionen auf Atomwaffen. - KCNA VIA KNS/AFP/Archiv

Das Atomprogramm wird in einem grossen Teil der Welt als Bedrohung wahrgenommen. Für die USA, denen Pjöngjang eine feindselige Politik vorwirft, stellt es eine direkte Herausforderung dar.

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