Bloss keine Frau! Japan will Monarchie mit Adoption bewahren
Statt einer weiblichen Kaiserin setzt Japan für die Erhaltung der Monarchie lieber auf Adoptionen. Experten kritisieren die Gesetzesreform.

Das Wichtigste in Kürze
- Japan will die Zukunft der Monarchie durch männliche Adoptionen sichern, Frauen bleiben ausgeschlossen.
- Die Gesetzesänderung soll den Mangel an männlichen Thronfolgern im Kaiserhaus lösen.
- Kritiker sehen darin eine Festigung der patriarchalen Thronfolge Japans.
Japans Regierung der erzkonservativen Ministerpräsidentin Sanae Takaichi will die Zukunft der Monarchie durch Adoptionen sichern – Frauen bleibt der Thron jedoch verwehrt.
Das Parlament verabschiedete erwartungsgemäss eine Revision des seit 1947 geltenden Kaiserhausgesetzes. Sie ermöglicht die Wiederaufnahme männlicher Mitglieder ehemaliger Seitenlinien in die Kaiserfamilie. Diese Familien hatten nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Status verloren.
Nachkommen durch Adoption?
Hintergrund ist, dass der ältesten Erbmonarchie der Welt allmählich der Nachwuchs ausgeht. Derzeit kommen für die Nachfolge von Kaiser Naruhito (66) nur drei Männer infrage: sein Bruder Kronprinz Akishino (60), dessen 19-jähriger Sohn Prinz Hisahito sowie Naruhitos 90-jähriger Onkel Prinz Hitachi.
Sollte Hisahito keinen Sohn bekommen, könnte nach der Gesetzesänderung ein männlicher Nachkomme eines adoptierten Familienmitglieds den Chrysanthementhron besteigen. Auch künftig dürfen nur Männer aus der männlichen Familienlinie Kaiser werden.
Keine Frau auf dem Thron
Die erste bedeutende Revision des Kaiserhausgesetzes seit 1947 zeige, «dass Geschlechter-Gleichberechtigung nicht zu den Prioritäten» von Ministerpräsidentin Takaichi – der ersten Frau in diesem Amt – gehöre, sagte Sven Saaler von der Sophia University in Tokio der Nachrichtenagentur dpa.

«Eine Frau auf dem Kaiserthron ist mit der Gesetzesänderung in noch weitere Ferne gerückt.» Dabei wünschen sich viele Menschen in Japan Prinzessin Aiko (24), das einzige Kind des Kaisers und seiner Frau Masako, als künftige Kaiserin.
Das Gesetz erlaubt zudem, dass Prinzessinnen ihren kaiserlichen Status nach einer Heirat mit Bürgerlichen behalten. Ihre Ehepartner und Kinder gehören jedoch weiterhin nicht zur Kaiserfamilie.
Kein «Machotum», sondern «Tradition»
Experten bezweifeln, dass die Reform das Nachfolgeproblem löst. Das Kaiserhaus zählt heute nur noch 16 Mitglieder.
«Weil man darauf besteht, dass der Nachfolger ein Mann sein muss, sucht man nun gewissermassen sehr weit entfernte Verwandte», sagt Naotaka Kimizuka, Historiker und Politikwissenschaftler an der Komazawa-Universität in Tokio, gegenüber Tagesschau.de. Dahinter stehe der Einfluss traditionalistischer Kreise.
Für Hideya Kawanishi, Monarchie-Experte an der Universität Nagoya, ist dies «eine Erklärung, die weibliche Monarchie verhindern und die männliche Linie um jeden Preis verteidigen soll». «Man kann es nicht als Machotum bezeichnen, also nennt man es Tradition», sagte er gegenüber ABC News.
Japan einst von Frau regiert
Die feministische Soziologin Chizuko Ueno kritisiert, die Reform «behandeln männliche Mitglieder der Königsfamilie wie Hengste und setzen weibliche Mitglieder der Königsfamilie unter Druck, als ‹Gebärmaschinen› männliche Nachkommen zu produzieren».
Das Gesetz löste Proteste aus. Kritiker sehen darin den Versuch, Prinzessin Aiko von der Thronfolge auszuschliessen und ein patriarchales System zu festigen. Die ausschliesslich männliche Thronfolge wurde erst 1890 gesetzlich verankert. Zuvor regierten auch Kaiserinnen, zuletzt Go-Sakuramachi (1762–1770).












