Iran-Krise: Das würde ein Regime-Sturz für die Weltordnung bedeuten
Das Mullah-Regime wackelt: Wie würde sich die politische Weltordnung bei einem Sturz der Regierung Irans verändern? Nau.ch hat bei Nahost-Experten nachgefragt.

Das Wichtigste in Kürze
- Seit Ende 2025 protestiert die iranische Bevölkerung gegen die Regierung.
- Das Mullah-Regime steht unter Druck. Auch Donald Trump droht mit Sanktionen.
- Nahost-Experten ordnen die Folgen ein, die ein Sturz der iranischen Regierung hätte.
Eine Bevölkerung, die sich auflehnt, und ein US-Präsident, der mit Interventionen droht: Das Mullah-Regime im Iran steht unter Druck.
Seit Ende 2025 protestiert die iranische Bevölkerung intensiv. Was als Aufstand in Teheran von Händlern aufgrund eines Währungssturzes begann, entwickelte sich schnell zu einem landesweiten Protest.
Mittlerweile demonstriert die Bevölkerung gegen das gesamte System der Islamischen Republik und gegen deren obersten Führer, Ajatollah Ali Chamenei.
US-Präsident Donald Trump stellt sich auf die Seite der Protestierenden und droht mit Sanktionen. Die brutale Reaktion des Mullah-Regimes: Abschaltung des Internetzugangs, Schussfreigabe für Sicherheitskräfte und massenhafte Tötung der Protestierenden.
Doch was hätte es für die politische Weltordnung zu bedeuten, wenn das Mullah-Regime fallen würde?
Fall des Regimes «wahrscheinlicher als beim letzten Aufstand»
Der Fall des Regimes sei nicht zwingend. Dennoch sei er «wahrscheinlicher als beim letzten Aufstand», sagt der deutsche Politikwissenschaftler Bernhard Stahl zu Nau.ch.
Zur Erinnerung: Bereits im September 2022 kam es im Iran zu Massendemonstrationen. Auslöser war eine junge Frau, die in Polizeigewahrsam starb.
Der Professor für Internationale Politik an der Universität Passau sieht einen instabilen, vielleicht sogar zerfallenden Iran als mögliche Folge. «Das würde eine Weltordnung der fragmentierten, vom Westen aufgegebenen Regionen befördern», sagt er.
«Ein Angriff geschähe ohne Sinn und Verstand»
Ein Sturz des Regimes durch die US-Regierung würde laut Stahl am meisten den USA selbst schaden: «Ein Angriff geschähe ohne Sinn und Verstand. Für einen Regime-Change von aussen müssten die USA sehr viele Ressourcen mobilisieren.»

Laut Nahost-Experte Andreas Böhm von der Universität St. Gallen machen sich die Golfstaaten und die Emirate die grössten Sorgen wegen eines Regime-Changes: «Ihnen ist ein geschwächtes Regime lieber als ein Staatszerfall mit resultierendem Chaos in der Region oder eine demokratische Republik Iran.»
Eine militärische Antwort Irans oder gar ein Eingreifen anderer Staaten sei im Falle eines US-Angriffs unrealistisch. «Hilfe aus China oder Russland ist nicht zu erwarten. Obschon Xi und Putin sich die Hände rieben, wenn die Amerikaner in einem weiteren Konflikt gebunden wären», sagt Andreas Böhm.
Auch Bernhard Stahl schliesst eine militärische Antwort aus dem Iran, Russland oder China aus: «Wahrscheinlichkeit gleich Null.»

















