Hilfsorganisation warnt vor «weiterem Massensterben» im Sudan

Keystone-SDA
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Bern,

Der Generalsekretär des Norwegian Refugee Council (NRC), Jan Egeland, warnt nach einem Besuch in der sudanesischen Region Süd-Kordofan, dass dort wenige Monate nach dem Fall der Stadt Al-Fascher in Darfur ein «Countdown für ein weiteres Massensterben» läuft.

Sudan
Geflüchtete Kinder aus al-Faschir im Sudan suchen Schutz vor Kämpfen zwischen Regierungstruppen und der RSF-Miliz in Darfur. (Archivbild) - keystone

In dem Gebiet belagern Milizen die Städte Kadugli und Dilling. Vor allem in Kadugli, wo die Miliz RSF seit Wochen alle Versorgungswege in die Stadt abgeschnitten hat, herrscht Hunger. Wie viele Menschen sich derzeit in der belagerten Stadt aufhalten, sei unbekannt, sagte Egeland der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Allein in den beiden Flüchtlingslagern, die Egeland in der vergangenen Woche in den Nuba-Bergen in Süd-Kordofan besuchte, lebten insgesamt mehr als 160.000 Menschen – fast ausschliesslich Frauen und Kinder, da die Männer die belagerten Städte nicht verlassen können oder dürfen. «Jede Woche kommen Tausende Neuankömmlinge», sagte er.

Gespräche mit der RSF, Lebensmittelkonvois nach Kadugli zu bringen, seien gescheitert. Zusammen mit sudanesischen Hilfsorganisationen würden Lebensmittel an die Flüchtlinge verteilt und so etwa 100.000 Menschen erreicht.

Doch angesichts fehlender Finanzmittel und der im Mai beginnenden Regenzeit sei dies ein Wettlauf gegen die Zeit, betonte Egeland. Im Vergleich zur Belagerung Al-Faschers gebe es für die Menschen in Süd-Kordofan «sogar noch weniger internationale Aufmerksamkeit, noch weniger Gelder für humanitäre Massnahmen». Dabei drohe dort «eine Hungersnot biblischen Ausmasses», warnte Egeland.

Mitte April soll es auf einer internationalen Geberkonferenz in Berlin zum dritten Jahrestag des Bürgerkriegs im Sudan um Finanzzusagen für humanitäre Hilfe in dem Land gehen. «Das ist eine sehr willkommene Initiative Deutschlands», sagte Egeland. «Aber wir brauchen jetzt Zusagen, um Lebensmittel kaufen zu können.» Sonst könne das Geld mit Blick auf die Regenzeit und die dann unpassierbaren Strassen womöglich erst zu einem Zeitpunkt verwendet werden, wenn es für viele Menschen zu spät sei.

Die UN sprechen angesichts von rund zwölf Millionen Geflüchteten, Mangelernährung und Hunger im Sudan von der grössten humanitären Krise weltweit.

Zumindest für die belagerten Städte scheint es Anzeichen von Hoffnung zu geben – ein Militärsprecher berichtete, den Regierungstruppen sei es gelungen, die Belagerung von Kadugli und Dilling zu durchbrechen. Auf sozialen Medien waren jubelnde Menschen zu sehen, die die Soldaten feierten. Auch sudanesische Aktivisten bestätigten die Ankunft von Regierungssoldaten in den beiden Städten.

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