Frieden auf dem Rückzug: Ist das UN-Peacekeeping am Ende?

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Schweden,

UN-Blauhelme sind so wenige wie seit 25 Jahren nicht mehr. Kriege nehmen zu – doch der Wille zur gemeinsamen Friedenssicherung schwindet.

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UN-Blauhelme sind Friedenstruppen der Vereinten Nationen (Symbolbild). - Keystone

Sie sind weltweit im Einsatz, oft unter gefährlichen Bedingungen: UN-Blauhelme sollen Frieden sichern, wo Konflikte eskalieren. Doch um internationale Friedensmissionen ist es immer schlechter bestellt. Das Geld wird knapper, die Einsätze weniger, die Truppen schrumpfen. Eine Analyse Stockholmer Friedensforscher zeigt: Während Kriege und Spannungen weltweit wachsen, droht der gemeinsame Einsatz für den Frieden schleichend zu zerfallen.

Laut dem aktuellen Bericht des Sipri-Instituts fiel die Zahl der UN-Blauhelme und anderer Einsatzkräfte bei Friedensoperationen 2025 auf den niedrigsten Stand seit mindestens 25 Jahren. Ende Dezember betrug deren Zahl demnach 78.633. Das sind nach Angaben der Forscher 49 Prozent weniger als noch vor zehn Jahren.

Insgesamt 58 internationale Friedensmissionen in 34 Ländern oder Gebieten gab es im vergangenen Jahr – drei weniger als 2024. «Wenn die Entwicklung so weitergeht, könnte es zu einer dramatischen Schwächung der multilateralen Konfliktbewältigung und einer fast vollständigen Marginalisierung von Institutionen wie den Vereinten Nationen kommen», sagte Jaïr van der Lijn, Leiter des Sipri-Programms für Friedensoperationen, laut einer Mitteilung.

Die Gründe für den Rückgang laut dem Friedensforscher: ein «perfekter Sturm» aus finanziellen, politischen und geopolitischen Faktoren. Grossen Einfluss hatte eine Finanzierungslücke von zwei Milliarden US-Dollar, die im Sommer 2025 bei den UN-Friedensmissionen klaffte. Wichtige Geldgeber hatten ihre Zusagen laut Sipri nicht rechtzeitig oder vollständig erfüllt. Die Vereinten Nationen mussten daraufhin beim Personal sparen. Erst Ende Januar 2026 warnte UN-Generalsekretär António Guterres erneut vor einem finanziellen Kollaps der Vereinten Nationen.

Die Vereinigten Staaten spielen eine bedeutende Rolle bei den Friedenssicherungseinsätzen der Vereinten Nationen und sind der grösste Beitragszahler. Allein die USA schulden der finanziell stark unter Druck stehenden Organisation Milliarden. Im Budget für Friedensmissionen sind es nach UN-Angaben rund 2,2 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Der Haushalt für das gesamte UN-Peacekeeping beläuft sich für 2025/2026 auf 5,38 Milliarden Dollar.

Sipri-Forscher Jaïr van der Lijn warnte vor den langfristigen Konsequenzen des Rückgangs von Friedenssicherungseinsätzen. «Die Folge dürften mehr Konflikte sein, und diese Konflikte werden wahrscheinlich noch schwerwiegendere Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung haben, da Staaten seit langem etablierte Normen aufgeben», sagte van der Lijn laut Mitteilung.

Damit dürfte auch US-Präsident Donald Trump gemeint sein. Trump hat sich immer wieder kritisch über die UN geäussert. Während die Reformbedürftigkeit der Vereinten Nationen kaum bestritten wird, sehen Kritiker im US-Kurs vor allem den Versuch, die Organisation finanziell und politisch unter Druck zu setzen. Im Rahmen seiner «America First»-Politik hat Trump die Finanzierung zahlreicher UN-Organisationen drastisch gekürzt oder eingestellt. Unter dem Austritt seines Landes aus vielen UN-Organisationen leidet auch das Vertrauen in die Arbeit der Vereinten Nationen.

Im UN-Sicherheitsrat hätten harte Forderungen und Vetodrohungen der ständigen Mitglieder die Entscheidungen über die Verlängerung von Mandaten für Einsätze erschwert, so die Friedensforscher.

Ein Beispiel dafür ist die seit 1978 bestehende UN-Friedensmission Unifil im Libanon. Die sonst routinemässige Verlängerung des Mandats scheiterte 2025 vor allem am Widerstand der USA. Gemeinsam mit Israel drängte man auf ein Ende der Mission, die nun im Dezember 2026 ausläuft. Derzeit sind nach UN-Angaben mehr als 7.500 Blauhelm-Soldaten aus rund 50 Ländern in dem Gebiet stationiert. Israel und die USA betrachten den Einsatz aber als ineffektiv. Was auf Unifil folgt, ist derzeit noch unklar.

Seit 2014 wurden nach Sipri-Angaben keine neuen UN-geführten Friedenssicherungseinsätze mehr beschlossen. Stattdessen entstanden regionale Initiativen. Auch diese hätten jedoch mit Finanzierungsproblemen und schwierigen Entscheidungsprozessen wegen geopolitische Rivalitäten zu kämpfen – beispielsweise im Sudan und in der Ukraine. «Regionalen Organisationen fehlen wichtige Fähigkeiten, wenn es um erfolgreiche, integrierte Friedenskonsolidierung geht», sagte Sipri-Forscherin Claudia Pfeifer Cruz. Der Rückgang der UN-Missionen hinterlasse deshalb eine «wachsende Lücke, die alternative Modelle nicht füllen können».

Eine Folge der sinkenden Unterstützung für die Vereinten Nationen laut der Forscher: Die Reaktion auf internationale Krisen findet häufiger ausserhalb klassischer multilateraler Missionen statt. Statt gemeinsamer Friedenseinsätze gebe es zunehmend einseitige oder bilaterale Lösungen und kurzfristige Absprachen. Diese seien «oft stärker militarisiert und direkter von den Eigeninteressen der beteiligten Staaten beeinflusst», heisst es im Sipri-Bericht.

Doch die Friedensforscher machen auch Hoffnung: «Der Zusammenbruch der multilateralen Konfliktbewältigung ist nicht unvermeidlich», erklärte Claudia Pfeifer Cruz. Dafür müssten Staaten sich aber wieder stärker finanziell engagieren und einen grösseren «politischen Spielraum» schaffen.

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