In wenigen Tagen fliegen eine Schauspielerin und ein Regisseur aus Russland zur Internationalen Raumstation ISS. Dabei geht es um mehr als ein Filmprojekt.
Die Internationale Raumstation ISS. Foto: Nasa/dpa
Die Internationale Raumstation ISS. Foto: Nasa/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Russland will die USA wieder einmal schlagen.
  • Diesmal geht es um das erste Filmprojekt im Weltall.
  • In wenigen Tagen sollen Schauspieler zur ISS aufbrechen.

In wenigen Tagen fliegen eine Schauspielerin und ein Regisseur aus Russland zur Internationalen Raumstation ISS. Das erste Mal überhaupt. Dabei geht es um mehr als ein Filmprojekt. Die Sowjetunion hat den ersten Satelliten ins All gebracht, den ersten Menschen - und sogar den ersten Hund.

Dreh im Weltall

Jetzt will Russland den ersten Spielfilm hoch über der Erde in der Schwerelosigkeit drehen. Am Dienstag (5. Oktober) soll ein Filmteam zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. Die russische Schauspielerin Julia Peressild und der Regisseur Klim Schipenko werden mit einer Sojus-Rakete vom Weltraumbahnhof Baikonur in der Steppe von Kasachstan in Zentralasien abheben.

Die Handlung in Kurzfassung lautet so: Ein Kosmonaut erkrankt in einer Raumstation und verliert das Bewusstsein. Den Rückflug zur Erde würde er nicht überleben. Also wird kurzerhand eine Ärztin zu dem Aussenposten der Menschheit geschickt, um den Raumfahrer zu retten. In der Schwerelosigkeit soll sie eine Herzoperation durchführen.

Die Ärztin wird von der 37-jährigen Peressild gespielt, die in dem Film eine Tochter hat und nur für ihren Job lebt. Anders als viele Hollywood-Schauspieler wird sie tatsächlich ins All fliegen und nicht vor Studiokulissen drehen. 35 Minuten des Films spielten im Weltall, schrieb die Regierungszeitung «Rossijskaja Gaseta».

Die Vorbereitungen dafür laufen seit Monaten. Wie jeder andere Raumfahrer mussten auch die beiden Filmleute ein hartes Training durchlaufen. Nichts wird dabei dem Zufall überlassen. «Wir sagen hier schon, dass wir uns langsam in Fledermäuse verwandeln», scherzte die Darstellerin bei Instagram und postete ein Foto von sich, wie sie kopfüber hängt, um sich so auf die Schwerelosigkeit vorzubereiten.

Schneller als die USA

«Wir sind in diese wundervolle Welt eingetaucht. Es war hart, schwer, wenig Schlaf», meinte Schipenko. Immer mit dabei ist eine Kamera, um zugleich das strapaziöse Kosmonauten-Programm zu dokumentieren. Zu sehen ist die Schauspielerin bei den Vorbereitungen etwa in einem Flugzeug. Sie muss während eines Fluges mehrere Purzelbäume in der Luft schlagen. Als Kosmonautin sehe sie sich nicht, bestenfalls als professionelle Touristin, meinte die Akteurin kürzlich.

«Wysow» (Herausforderung) lautet der Arbeitstitel des Films, den die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos gemeinsam mit dem Staatssender Perwy Kanal produziert. Zwölf Tage sollen Peressild und Regisseur Schipenko auf der ISS gemeinsam mit den dort lebenden Raumfahrern bleiben und dann wieder zurückkehren - noch bevor der deutsche Raumfahrer Matthias Maurer Ende Oktober mit einer privaten US-Rakete von Florida aus zur ISS fliegt.

Mit dem Film geht es Russland einmal mehr darum, schneller als die USA zu sein. Denn Hollywood-Star Tom Cruise will ebenfalls für einen Weltraum-Dreh zur Raumstation fliegen. Ursprünglich war das Projekt für diesen Herbst angekündigt, derzeit gibt es nicht einmal ein festes Startdatum. Vor 2022 rechnet niemand mehr damit.

Schon im Kalten Krieg haben sich die USA und die damalige Sowjetunion einen Wettlauf ums All geliefert. Während Moskau mit Juri Gagarin 1961 den ersten Menschen ins Weltall schickte, betrat 1969 der US-Amerikaner Neil Armstrong als erster Mensch den Mond.

Geld mit Weltraum-Tourismus

Nun also das Rennen um den ersten Weltraum-Spielfilm. «Die ersten im Weltall» - heisst es im Zusatz zum Arbeitstitel. «Unsere Aufgabe ist es, einfach in allem die Führung zu behalten», meinte Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin. Das russische Staatsfernsehen hat bereits mehrere Videos ausgestrahlt, die Peressild und Schipenko vor dem Abflug zeigen.

Unter Tausenden Bewerberinnen hat sich Peressild durchgesetzt, die seit fast 20 Jahren in gut 30 Filmen mitgespielt hat und vor allem in Russland bekannt ist. Der 38-jährige Schipenko hat sich bereits einen Namen als Regisseur eines Raumfahrtfilms gemacht: 2017 mit «Saljut 7», der als fiktiver Streifen an die Ereignisse einer Sojus-Mission zur Rettung der sowjetischen Raumstation Saljut 7 angelehnt ist.

Mit US-Blockbustern wie «Krieg der Sterne» oder «Interstellar» hat der neue Film «Herausforderung» nichts zu tun. Es soll auch eine Art Werbefilm werden. Roskosmos spricht von einem «einzigartigen wissenschaftlichen und pädagogischen Projekt», mit dem auch gezeigt werden solle, dass jeder ins All fliegen könne. Russland will künftig Geld mit Weltraum-Touristen verdienen. 50 Millionen US-Dollar soll ein Platz im Sojus-Raumschiff kosten.

Auf ihrem Weg zur ISS in der Sojus MS-19 werden Peressild und Schipenko von dem Kosmonauten Anton Schkaplerow begleitet. Falls jemand krank werden sollte, stehe ein Ersatz bereit, teilte Roskosmos mit.

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