Brasilien hat eine traurige Schwelle überschritten. Das Land verzeichnet am zweitmeisten Corona-Tote. Neuste Entwicklungen deuten auf eine dritte Welle hin.
Gräber von Corona-Toten auf einem Friedhof in Manaus
Gräber von Corona-Toten auf einem Friedhof in Manaus - AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Brasilien hat über 500'000 Tote in Folge der Corona-Pandemie zu beklagen.
  • Mehr als die Hälfte davon starb in diesem Jahr.
  • Präsident Jair Bolsonaro kritisierte zu Beginn die Massnahmen und verharmloste das Virus.

In Brasilien hat die Zahl der Corona-Toten eine neue symbolische Schwelle überschritten: Seit Beginn der Pandemie sind nach Angaben der Regierung eine halbe Million Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben.

Gesundheitsminister Marcelo Queiroga schrieb am Samstag im Onlinedienst Twitter: «500'000 Menschen sind wegen der Pandemie gestorben, die unser Brasilien und die Welt betrifft.»

Queiroga machte keine Angaben zu den Todesfällen der vergangenen 24 Stunden und nannte daher auch keine genaue Gesamtopferzahl. Bis Freitag hatte das Gesundheitsministerium 498'499 Corona-Tote verzeichnet.

Brasilianische Medien zählten unter Berufung auf Angaben aus den Bundesstaaten bis Samstagnachmittag 500'022 Todesfälle.

Anti-government protests Brazil
Demonstranten protestieren gegen den Präsidenten und seine Corona-Verharmlosung. - keystone

Brasilien gehört zu den am schlimmsten von der Corona-Pandemie betroffenen Ländern der Welt. Nur in den USA gibt es noch mehr Todesfälle. 303'550 der Todesfälle in Brasilien, also mehr als 60 Prozent, wurden in diesem Jahr verzeichnet.

Das grösste Land Lateinamerikas war zu Jahresbeginn von einer heftigen zweiten Infektionswelle erschüttert worden. Zwischenzeitlich wurden täglich mehr als 4000 Tote verzeichnet.

Beginnt bereits die dritte Welle?

Inzwischen deuten steigende Infektionszahlen auf eine dritte Welle hin. In den vergangenen sieben Tagen lag die durchschnittliche Zahl der Todesfälle jeweils bei über 2000.

Jair Bolsonaro coronavirus
Jair Bolsonaro will von Schutzmassnahmen gegen das Coronavirus nichts wissen. (Archivbild) - dpa

Dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro wird vorgeworfen, durch eine Verharmlosung der Pandemie die rasante Ausbreitung des Coronavirus befördert zu haben. Er hatte die von dem Coronavirus ausgelöste Krankheit Covid-19 als «kleine Grippe» bezeichnet. Massnahmen von Bundesstaaten und Kommunen zur Eindämmung des Virus auch wegen ihrer Auswirkungen auf die Wirtschaft kritisiert er.

Zudem zog Bolsonaro, der im kommenden Jahr eine Wiederwahl anstrebt, die Wirksamkeit der Impfstoffe in Zweifel. Die brasilianische Impfkampagne kommt vor allem wegen Lieferengpässen nur schleppend voran.

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