Allstar-Wettlesen zum 50. Jubiläum des Bachmannpreises

Keystone-SDA
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Bern,

Das Wettlesen an den Tagen der Deutschsprachigen Literatur und der Bachmannpreis gelten eigentlich als Sprungbrett für bis anhin unbekannte Schreibende. Doch die Jubiläumsausgabe setzt auf etablierte Namen. Aus der Schweiz eingeladen ist dieses Jahr Seraina Kobler.

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Das Wettlesen an den Tagen der Deutschsprachigen Literatur und der Bachmannpreis gelten eigentlich als Sprungbrett für bis anhin unbekannte Schreibende. - keystone

Jedes Jahr ist es lange ein Geheimnis, welche Autorinnen und Autorinnen die Mitglieder der Jury zum Wettlesen um den Bachmannpreis in österreichische Klagenfurt einladen. Als dieses Jahr am 22. Mai veröffentlicht wurde, wer um den 50. Bachmannpreis lesen wird, war in den Sozialen Medien schnell von «Allstar Lineup» oder «VIP-Edition» die Rede.

Eingeladen sind Teilnehmende wie Jovana Reisinger aus Deutschland, die als Künstlerin, Filmemacherin, als feministische Kolumnistin und Autorin von vier Büchern wahrscheinlich am bekanntesten ist. Für ihren ersten Langspielfilm «Unterwegs im Namen der Kaiserin» erhielt sie 2026 den Grimme-Preis.

Ebenfalls Kolumnistin und Autorin von bereits fünf Büchern ist Caroline Rosales, auch aus Deutschland. «Sexuell verfügbar» wurde 2024 als Fernsehserie adaptiert. Viel Aufmerksamkeit erhielt auch das Romandebüt «Hundesohn» von Ozan Zakariya Keskinkılıç, der bereits vorher mit Lyrik und dem Sachbuch «Muslimaniac» in verschiedenen Bubbles bekannt war und ebenfalls aus Deutschland anreisen wird. «Man braucht den Bachmannpreis also definitiv nicht mehr, um sich einen Namen zu machen», steht in einem Kommentar auf Instagram.

Das gilt auch für Seraina Kobler. Sie ist die Einzige, die aus der Schweiz nach Klagenfurt eingeladen wurde und die sich, zumindest hierzulande, mit ihren Krimis bereits einen Namen gemacht hat. Juror Philipp Tingler verrät im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, dass sie mit einer «Gegenidylle, in der die Schweiz sehr präsent ist» eingeladen sei, bestreitet aber wie seine Schweizer Jury-Kollegen Thomas Strässle und Laura de Weck, dass fürs Jubiläum anders ausgesucht wurde als bisher. Neben Kobler hat Tingler die bildende Künstlerin Gesche Haumann aus Deutschland eingeladen, die 2023 ihr Romandebüt «Lilo Palfys Beitrag zur Kunst» veröffentlichte.

«Auch mir sind die vielen bekannten Namen aufgefallen. Das war aber weder mit der Jury abgesprochen noch bewusst so ausgewählt», sagt de Weck zu Keystone-SDA. Sie hat die Theaterautorin Magdalena Schrefel aus Österreich und die Wien lebende Deutsche Fiona Sironic eingeladen. Letztere stand 2025 mit ihrem Debütroman «Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft» auf der Shortlist des deutschen Buchpreises.

Thomas Strässle, der dritte Juror mit Schweizbezug, hat dieses Jahr zum ersten Mal gar keinen Kandidaten aus der Schweiz ins Wettlesen geschickt; er hat zwei neuere Stimmen aus Deutschland eingeladen: den Autor und Medienkünstler Kurt Prödel, der sich mit seinem Debüt «Klapper» viel Aufmerksamkeit erarbeitete und Lena Schätte, deren Debüt «Das Schwarz an den Händen meines Vaters» für Aufmerksamkeit sorgte.

Strässle, der bisher überwiegend Einladungen in die Schweiz ausgesprochen hat, sei sich seiner Verpflichtung gegenüber der Schweizer Literaturszene bewusst: «Aber in diesem Jahr habe ich zwei Texte von deutschen Schreibenden gekriegt, die mich auf Anhieb ganz ausserordentlich überzeugt haben, da musste ich das nationale Kriterium hintanstellen.» In den vergangenen Jahren hatte er Laura Leupi und Nora Osagiobare eingeladen; deren Texte haben Jurypreise gewonnen. Aber darum gehe es ihm nicht. «Natürlich freue ich mich, wenn 'meine' Texte Preise gewinnen, aber es wäre eine krasse Form der Juroreneitelkeit, wenn ich das von Anfang an im Hinterkopf hätte», so Strässle.

Er suche Texte, in denen eine existenzielle Dringlichkeit spürbar sei. Seiner Kollegin de Weck sei eine Eigenheit in der Sprachgestaltung, ein Inhalt, der zeitlos und zeitgenössisch ist, sowie die clevere Dramaturgie wichtig. Und Tingler suche nach Universalität und Transzendenz. «Universalität heisst: Die Geschichte wird so erzählt, dass mich ihre Auffassung der Welt nicht kaltlässt, auch wenn ich in einer ganz anderen Welt existiere. Transzendenz heisst, dass der Text über seine Handlungsebene hinausweist auf dahinterliegende Fragen und Zusammenhänge. Beides lässt sich ohne Sprachkunst nicht herstellen.»

Alle drei geben zu, dass die Performance der Lesenden auch für sie eine Rolle spiele beim fernsehtauglichen Wettlesen um den Preis im Gedenken an die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann: «Ein literarisch wirklich starker Text verliert nicht viel, wenn er nicht ganz so gut vorgelesen wird. Aber ein Text, der mich auf dem Papier nicht richtig überzeugt hat, kann durch eine ausgezeichnete Performance sehr viel hinzugewinnen», sagt Strässle.

Das Wettlesen an den 50. Tagen der deutschsprachigen Literatur, die mit der Vergabe des 50. Bachmannpreises enden, findet vom 24. bis 28. Juni statt. Eingeladen sind 14 Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die sieben Mitglieder der Jury stammen aus Österreich, Deutschland – und eben drei aus der Schweiz.*

*Dieser Text von Philine Erni, Keystone-SDA, wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert.

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