24 Stunden nonstop: Wie gefährlich sind Ultralangstreckenflüge?
24 Stunden in der Röhre: Selbst für gesunde Menschen ist eine so lange Flugreise eine Tortur – für manche ist sie jedoch besonders gefährlich.

Das Wichtigste in Kürze
- Die australische Airline Qantas flog 24 Stunden nonstop und stellte einen neuen Flugrekord auf.
- Besonders für Menschen mit Vorerkrankungen birgt ein so langer Flug gesundheitliche Risiken.
- Auch für gesunde Menschen ist ein solcher Langstreckenflug eine Belastung – doch man kann den Körper unterstützen.
24 Stunden und 24 Minuten in der Luft, mehr als 23’000 Kilometer ohne Zwischenlandung: Ein Qantas-Testflug von Melbourne nach Toulouse (F) hat einen neuen Rekord aufgestellt.
Für die einen ein absoluter Wunschtraum, für andere ein echter Albtraum. Und für den menschlichen Körper eine ziemliche Tortur.
Zwei Ozeane, drei Kontinente, zwei Sonnenaufgänge und zwei Sonnenuntergänge. Die Airbus-Maschine war einen ganzen Tag unterwegs.
Doch was passiert eigentlich mit unserem Körper, wenn wir so lange in der Luft sind?
Thromboserisiko steigt
Besonders im Fokus steht die Gefahr einer Thrombose, erklärt Aleksandra Tuleja, Fachärztin für Gefässmedizin vom Inselspital, auf Anfrage von Nau.ch: «Das Risiko für eine Thrombose steigt bereits bei längeren Flügen ab etwa acht bis zehn Stunden an.»
Die Faustregel ist simpel: «Je länger der Flug, desto höher das Risiko.» Studien zeigen laut Tuleja einen Anstieg des relativen Thromboserisikos um etwa 18 Prozent pro zusätzlichen zwei Stunden Flugdauer.
Trotzdem müssen Langstreckenpassagiere nicht in Panik geraten: «Bei Flügen von mehr als vier bis fünf Stunden wird es auf ungefähr eine Thrombose pro 4600 Reisende geschätzt.»

Wer allerdings bereits an Herz- oder Lungenerkrankungen leidet, sollte einen solchen Marathonflug unbedingt mit dem behandelnden Arzt besprechen.
Besonders heikel seien «eine instabile Angina Pectoris, also neu aufgetretene oder zunehmende Beschwerden wie Druck oder Schmerzen auf der Brust».
Weniger Sauerstoff, mehr Belastung
Auch die Kabinenluft spielt eine Rolle. In der Flughöhe herrscht ein deutlich tieferer Druck als auf Meereshöhe– entsprechend steht dem Körper weniger Sauerstoff zur Verfügung. «Gesunde Menschen tolerieren dies in der Regel problemlos.»
Bei bestehenden Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen könne die zusätzliche Belastung aber relevant werden, erklärt Tuleja.
Doch selbst für kerngesunde Körper ist ein 24-Stunden-Flug eine Meisterleistung: «Ein sehr langer Flug stellt aber auch darüber hinaus einen Stressfaktor für den Körper dar.»
Doch wer einen solchen Langstreckenflug vor sich hat, kann einiges tun, um den Körper zu entlasten. Tulejas Empfehlungen sind denkbar einfach: «Ausreichend trinken, die Wadenmuskulatur regelmässig aktivieren und möglichst immer wieder aufstehen und sich bewegen.»
Auch Kompressionsstrümpfe würden bei so einem langen Flug unterstützend wirken.
Airline plant mehr Ultralangstrecken
Der Rekordflug war Teil des «Project Sunrise» von Qantas – und offenbar erst der Vorgeschmack.
Ab Oktober 2027 will die australische Airline erstmals nonstop von Sydney nach London fliegen. Später soll auch New York ohne Zwischenlandung erreichbar sein.
Der Testflug von Melbourne nach Toulouse sorgte weltweit für Aufsehen: Mehr als 3,6 Millionen Menschen verfolgten ihn laut «Flightradar24». Damit gehört er zu den meistbeobachteten Flügen überhaupt.


















