San Francisco klagt: Sind Firmen schuld an ungesundem Kinder-Essen?

Etienne Sticher
Etienne Sticher

USA,

San Francisco wirft Nahrungsmittelkonzernen vor, Kinder süchtig und krank zu machen. Die Stadt fordert ein Ende der irreführenden Werbung und Schadenersatz.

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San Francisco klagt gegen zehn grosse Lebensmittelkonzerne. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • San Francisco verklagt wegen hochverarbeiteter Lebensmittel zehn Nahrungsmittelkonzerne.
  • Die Produkte würden Krankheiten fördern, die Firmen hätten «prächtig» daran verdient.
  • Der Staatsanwalt steht auf der Seite von Trump, distanziert sich aber auch von ihm.

Eigentlich sind es die Konservativen und Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr., die dem ungesunden Essen den Kampf angesagt haben. Doch jetzt schliesst sich mit San Francisco ausgerechnet eine sehr liberale und demokratisch regierte Stadt dem Kamp an.

Sie reicht Klage gegen zehn grosse Nahrungsmittelproduzenten ein, darunter Nestlé USA, Kellogg, Coca-Cola und Mars.

Im Zentrum der Klage stehen hochverarbeitete Lebensmittel, Vermarktungsstrategien und die Gesundheitskrise. Staatsanwalt David Chiu fordert das Ende von irreführender Werbung und Schadenersatz für die vom Konsum der Produkte verursachten Kosten.

San Francisco wirft den Unternehmen vor, «wissentlich in Kauf genommen» zu haben, dass ihre Produkte Menschen krank machten. Sie hätten eine Gesundheitskrise verursacht und «prächtig daran verdient». Die Kosten habe die Stadt zu tragen.

Die Konzerne hätten das Land mit «süchtig machenden, hochverarbeiteten Lebensmitteln mit geringem Nährwert» geflutet. Die Marketing-Strategien hätten die Sucht begünstigt. San Francisco wirft Nestlé und Co. vor, so vorgegangen zu sein wie einst die Tabakindustrie.

Konsumierst du viele hochverarbeitete Lebensmittel?

Als hochverbarbeitet gelten Lebensmittel, wenn sie industriell hergestellt werden und Zutaten enthalten, die in einer normalen Küche nicht gefunden werden. Dazu zählen Geschmacksverstärker, Zusatzstoffe oder Emulgatoren.

Hochverarbeitete Lebensmittel umfassen viele Tiefkühl- und Fertigprodukte, Softdrinks und Müesli, aber teils auch als «gesund» vermarktete Produkte wie Müesliriegel.

Schätzungen zufolge besteht die übliche US-Ernährung zu 70 Prozent aus hochverarbeiteten Lebensmitteln. Bei Kindern machen sie rund 60 Prozent der aufgenommenen Kalorien aus.

Konzerne für Anstieg an hochverarbeitetem Essen verantwortlich

San Francisco sieht in diesen Lebensmitteln die Ursache für viele Krankheiten – und wird dabei von der Wissenschaft unterstützt. Eine grosse, im letzten Monat im Magazin «The Lancet» veröffentlichte Studie, wies eine Verbindung nach.

Hochverarbeitete Lebensmittel stehen demnach im Zusammenhang mit Schäden in allen wichtigen Organsystemen. Sie erhöhen das Risiko unter anderem für Krebs, Diabetes, Herzerkrankungen und Depressionen.

Auch nimmt die Studie die Individuen in Schutz: Nicht sie, sondern Konzerne seien für den Anstieg des Konsums hochverarbeiteter Lebensmittel verantwortlich. Diese würden eine «Pandemie chronischer Krankheiten» verursachen und den Profit über alles stellen.

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San Francisco kämpft, wie auch Robert F. Kennedy Jr., gegen hochverarbeitete Lebensmittel, distanziert sich aber vom Gesundheitsminister. - keystone

Staatsanwalt Chiu sagt zur «New York Times», dass er in anderen Gesundheitsthemen eine andere Meinung als Kennedy Jr. habe. Dieser und die gesamte Trump-Regierung hätten viele Ansichten, beispielsweise zu Impfungen, die nicht wissenschaftlich fundiert seien.

Bei den hochverarbeiteten Lebensmittel sei es aber anders, hier sei die Wissenschaft unbestreitbar.

Und: «Es macht mich krank, dass Generationen von Kindern und Eltern getäuscht werden und Lebensmittel kaufen, die keine Lebensmittel sind.»

Kommentare

User #4643 (nicht angemeldet)

Kapiert es endlich, nicht die Lebensmittel / Konsumgüter sind die Ware sondern die Kunden sind die Ware.

User #9684 (nicht angemeldet)

Das fertig Zeug ist alles Müll wie Aromat

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