In den USA steht das Recht auf Abtreibung auf der Kippe. Nun rät eine Expertin den Amerikanerinnen, sofort ihre Perioden-Apps zu löschen.
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Perioden-Apps könnten Frauen in den USA nach einer Gesetzesänderung zum Verhängnis werden. Experten warnen, die Apps könnten den Behörden Menstruationsdaten weitergeben. - Pexels

Das Wichtigste in Kürze

  • In den USA steht das landesweite Abtreibungsrecht vor dem Aus.
  • Perioden-Apps könnten künftig Frauen an Behörden verraten, die illegal abtreiben.
  • Eine Expertin fordert die Amerikanerinnen deshalb dazu auf, die Apps zu boykottieren.

Eine Lebenshilfe könnte für Amerikanerinnen zur Gefahr werden: Apps, die die Menstruation tracken. Sie zeichnen unter anderem auf, in welcher Zyklusphase man sich befindet und wann die nächste Periode ansteht. Eigentlich eine praktische Hilfe – doch jetzt gibt es ein Problem.

In den Staaten steht das landesweite Abtreibungsrecht auf der Kippe. Der Oberste Gerichtshof steht einem Bericht zufolge kurz davor, sein Grundsatzurteil zu Abtreibungen von 1973 zu verwerfen. Gegner versuchen die liberalen Regeln seit Jahrzehnten zu kippen.

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Viele Menschen halten ihren Zyklus in einer App fest.
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Mit dem Aus des landesweiten Abtreibungsrechts könnte das für einige aber zum Problem werden.
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Denn die Apps könnten Menstruationsdaten an Behörden weitergeben und so unter Umständen Frauen verraten, die illegal abtreiben mussten.

Nun, wo ein Abtreibungsverbot in einigen Staaten Realität werden könnte, spielen Perioden-Apps plötzlich eine völlig neue Rolle. Könnten die Betreiber die Menstruations-Daten von Frauen, die abgetrieben haben, den Behörden verkaufen und sie damit verraten?

«Löschen Sie Ihre Daten – jetzt»

Die US-amerikanische Anwältin Elizabeth C. McLaughlin jedenfalls warnt auf Twitter: «Wenn Sie einen Online-Periodentracker verwenden oder Ihren Zyklus auf dem Handy aufzeichnen, sollten Sie aufhören und Ihre Daten löschen. Jetzt.»

Die Informationen seien für diejenigen, die Abtreibungen verbieten wollen, interessant. Kombiniert mit Standort-Daten machen die Handy-Informationen Nutzerinnen zur Zielscheibe. Und die Daten sind in den USA offenbar sehr leicht zugänglich.

Nutzen Sie eine Menstruations-App?

Das US-Portal Vice konnte einem Unternehmen namens SafeGraph für nur 160 Dollar Besucherdaten von 600 Abtreibungskliniken abkaufen. Die Informationen stammten aus einer Woche und zeigten, woher die Personen kamen und wohin sie nach dem Klinikbesuch gingen.

Vor Gericht ist es heutzutage gang und gäbe, dass auch Handy-Daten als Beweismaterial verwendet werden. Darunter nicht nur Browsing-Informationen, sondern eben auch Standort-Daten.

Perioden-Apps verkaufen Daten an Facebook und Google

Die Vergangenheit zeigt, dass die Perioden-App-Betreiber keine Skrupel haben, Nutzerdaten zu verkaufen. Die «Flo»-App, die auch in der Schweiz beliebt ist, wurde in den USA bereits 2021 sanktioniert. Der Grund: Wider ihr Versprechen, Nutzerdaten privat zu halten, hat sie solche an Facebook und Google weitergegeben.

Unter Trump ist der Supreme Court deutlich nach rechts gerückt. Schon bei einer Anhörung Ende 2021 deutete sich an, dass das Gericht das Abtreibungsrecht massiv beschneiden könnte.

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