Massenentlassungen bei der «Washington Post» – Bezos bleibt stumm
Die «Washington Post» unter Jeff Bezos streicht jeden dritten Mitarbeiter. Die legendäre Zeitung steht vor massiven Einschnitten.

Die «Washington Post» hat am Mittwoch etwa ein Drittel ihrer gesamten Belegschaft entlassen, wie «CNN» berichtet. Mehr als 300 Mitarbeiter müssen die traditionsreiche Zeitung verlassen, darunter zahlreiche Journalisten aus der Redaktion.
Die Entscheidung traf die Mitarbeiter bei einer Videokonferenz am Mittwochmorgen völlig unerwartet. Chefredakteur Matt Murray kündigte laut «NPR» einen «strategischen Neustart» an, der massive Kürzungen in allen Bereichen vorsieht.
Besonders hart trifft es die Sportredaktion, die komplett geschlossen wird. Auch die Buchsparte und der Podcast «Post Reports» werden eingestellt, berichtet «Variety».
Bezos lässt Auslandskorrespondenten fallen
Die Auslandskorrespondenten erleiden ebenfalls drastische Einschnitte bei ihren Ressourcen und Kapazitäten. Laut «TRT World» wurden sämtliche Korrespondenten im Nahen Osten entlassen, ebenso die Teams in Australien und Indien.
Jeff Bezos, der die Zeitung 2013 für 250 Millionen Dollar kaufte, äusserte sich nicht. Der viertreichste Mann der Welt mit einem Vermögen von 261 Milliarden Dollar blieb stumm.
Stattdessen traf er sich am Montag mit Verteidigungsminister Pete Hegseth bei seinem Raumfahrtunternehmen Blue Origin. Die Mitarbeiter fühlten sich im Stich gelassen, wie mehrere Quellen bestätigten.
Ex-Chefredakteur spricht von «dunkelsten Tagen»
Marty Baron, ehemaliger Chefredakteur der Zeitung, verurteilte die Massnahmen scharf und deutlich. Er nannte den Mittwoch laut «OPB» einen der «dunkelsten Tage in der Geschichte dieser Nachrichtenorganisation».
Baron warf Bezos vor, durch «fehlgeleitete Entscheidungen» die Krise verschärft zu haben. Besonders kritisierte er die Entscheidung, keine Wahlempfehlung für Kamala Harris auszusprechen, was Hunderttausende Abonnenten kostete.
Unter den Entlassenen befindet sich Caroline O'Donovan, die Amazon für die Zeitung beobachtete. Ihre Entlassung sorgte für besondere Empörung, da sie den Konzern ihres Chefs kritisch begleitete.
Proteste gegen Bezos nach Entlassungen angekündigt
Sie wies auf X darauf hin, dass fast jede ihrer Geschichten Bezos’ Besitz der «Washington Post» erwähnte. Diese Aussage wirke heute besonders bitter und zynisch, fügte sie hinzu.
Die Gewerkschaft der Zeitung forderte Bezos auf, die «Washington Post» zu verkaufen. «Wenn Bezos nicht mehr in die Mission investieren will, verdient die Post einen besseren Verwalter», heisst es.

Für Donnerstag kündigte die Gewerkschaft Proteste vor dem Hauptsitz in Washington an. Die Entlassungen seien nicht unvermeidlich und würden die Glaubwürdigkeit der Zeitung massiv beschädigen.












