Macht Trump Vance bei Scheitern zum Sündenbock?
Donald Trump schickt überraschend auch JD Vance zu den Iran-Verhandlungen. Dafür gibt es eine aussen- und eine innenpolitische Lesart, erklärt ein Experte.

Das Wichtigste in Kürze
- JD Vance, Jared Kushner und Steve Witkoff reisen zu den Iran-Verhandlungen.
- Die Anwesenheit des Vizes könnte zeigen, dass Trump den Gesprächen höchste Priorität gibt.
- Oder der Präsident könnte Vance bei einem Scheitern zum Sündenbock machen.
An diesem Wochenende treffen sich eine US- und eine iranische Delegation in Pakistan zu Verhandlungen. Aus Washington reist JD Vance, begleitet von Jared Kushner und dem Sondergesandten Steve Witkoff, an.
Vor allem die Anwesenheit des Vizepräsidenten in Islamabad sorgt für Erstaunen. Denn zuletzt war Vance bei aussenpolitischen Verhandlungen nicht dabei. Der als möglicher Nachfolger von Donald Trump gehandelte Republikaner war mit eher weniger brisanten Angelegenheiten beschäftigt.
Für Christoph Frei, emeritierter HSG-Professor für Politikwissenschaft, gibt es eine aussenpolitische und eine innenpolitische Lesart der Entsendung von Vance.
So könne man die Entsendung aussenpolitisch damit begründen, dass Trump der Delegation möglichst viel Gewicht geben wolle. Er könne so das Zeichen senden, dass die Verhandlungen höchste Priorität hätten, dass es «Chefsache» sei, sagt Frei gegenüber Nau.ch.
Zudem gelte Vance als weniger belastet durch frühere, gescheiterte Verhandlungsrunden als andere Unterhändler. Und: «Vergessen wir nicht, dass sich Vance im Vorfeld gegen den Angriff der USA auf den Iran ausgesprochen hatte.»

Die innenpolitische Begründung basiert darauf, dass der Vizepräsident als isolationistisch gilt. Die Anzeichen mehrten sich, dass er damit bei Trump weniger gut ankomme als auch schon. Währenddessen steige der Stern des eher interventionistischen Aussenministers Marco Rubio seit dem Coup in Venezuela auf, erklärt US-Experte Frei.
«Jetzt übergibt Trump ausgerechnet seinem kriegsskeptischen Vize ein enorm heikles, um nicht zu sagen verlustträchtiges Dossier.» Frei bezeichnet es als «herkulische Aufgabe, ein Ergebnis zu erzielen, das politisch als Erfolg vermittelbar ist. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt».
Vance als Sündenbock – Scherz oder Ernst?
Laut «Forbes» tönte Donald Trump bereits vor Ostern an, JD Vance zum Sündenbock zu machen, sollten die Verhandlungen scheitern. Bei einem Lunch im Weissen Haus sprach er seinen Vize direkt auf die Verhandlungen an, was diesen zu überraschen schien.
Anschliessend sagt Trump: «Falls es keinen Deal gibt, gebe ich JD Vance die Schuld. Falls es einen Deal gibt, nehme ich die volle Anerkennung dafür in Anspruch.» Daraufhin gab es im Saal etwas Gelächter.
Hat Donald Trump da wirklich nur gescherzt? Oder besteht das Risiko, dass er seinen Vize bei einem Scheitern politisch zum Sündenbock macht? Christoph Frei sagt: «Natürlich, das ist plausibel, wenn die innenpolitische Begründung zutrifft.»
Kritik an der Rolle von Witkoff und Kushner
Neben Vance gehören auch Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn, und der Sondergesandte Steve Witkoff zur US-Delegation. Die beiden führten schon zahlreiche aussenpolitische Gespräche, unter anderem zum Ukraine-Krieg, zum Gaza-Krieg und zur Lage im Nahen Osten.

Wie Christoph Frei erklärt, gibt es an der Rolle der beiden Kritik: So seien sie häufig nicht primär zuständig für die nationalen Interessen, sondern für die Sondierung von Geschäftsinteressen im erweiterten Trump-Umfeld. «Die fortgesetzte Einbindung der beiden ist beispielhaft für eine stark personalisierte Aussenpolitik unter Trump 2.0. Und Tatsache ist auch, dass sich politische Einflussnahme und private Netzwerke häufig überlagern.»
Frei sagt: «Sie führen die Sondierung von politischen wie privatwirtschaftlichen Deals in der Ukraine, Russland, im Gazastreifen und auf der arabischen Halbinsel. Wir leben in interessanten Zeiten.»

















