Kaliforniens Gouverneur hat eine unabhängige Untersuchung im Fall eines zum Tode verurteilten Afroamerikaners angeordnet, der seit Jahrzehnten seine Unschuld beteuert.
US-Bürgerrechtler Jesse Jackson setzte sich für Cooper ein
US-Bürgerrechtler Jesse Jackson setzte sich für Cooper ein - Getty Images North America/Getty Images/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Afroamerikaner Cooper beteuert seit Jahrzehnten seine Unschuld.

Gouverneur Gavin Newsom erklärte am Freitag, es seien «Fragen zu den Beweisen aufgetaucht», die im Prozess gegen Kevin Cooper vorgelegt worden seien. Eine Anwaltskanzlei solle zusammen mit dem kalifornischen Ausschuss für Haftentlassen den Fall untersuchen.

Cooper war wegen vierfachen Mordes zum Tode verurteilt worden. Seine Hinrichtung war 2004 wenige Stunden vor Vollstreckung ausgesetzt worden. Zuvor hatten prominente Todesstrafengegner in den USA wie der Bürgerrechtler Jesse Jackson, Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und der Europarat vergeblich an den damaligen Gouverneur Arnold Schwarzenegger appelliert, Cooper zu begnadigen. Nachfolgende Gouverneure ordneten neue DNA-Tests mithilfe modernerer Technologien an.

Gouverneur Newson ordnete nun eine «vollständige» Überprüfung von Coopers Prozess und den Berufungsverfahren an, der alten Unterlagen und Beweise sowie der jüngsten DNA-Tests, um über das Gnadengesuch des Verurteilten zu entscheiden.

Cooper war 1985 von einer Jury für schuldig befunden worden, im Juni 1983 ein Ehepaar, dessen zehnjährige Tochter und deren elfjährigen Freund getötet zu haben. Der jüngere Sohn des Ehepaars hatte überlebt.

Der damals wegen Raubes inhaftierte Cooper war kurz zuvor aus dem Gefängnis von Chino Hills östlich von Los Angeles geflohen. Dem Urteil zufolge wollte er das Auto der Familie als Fluchtfahrzeug benutzen. Cooper hatte stets seine Unschuld beteuert. Er musste zugeben, dass die DNA eines Haares am Tatort von ihm stammte, erklärte jedoch, Polizisten hätten das Haar dort platziert, um ihm den Mord anzuhängen.

Mehrere Zeugen hatten damals ausgesagt, drei weisse Männer in blutverschmierter Kleidung gesehen zu haben, die in der Tatnacht mit einem gestohlenen Auto vom Haus der Familie weggefahren seien. Auch der überlebende Sohn hatte die Täter als weisse Männer beschrieben. Stattdessen nahmen die Ermittler Cooper fest.

Der heute 63-jährige Cooper und seine Verteidiger werfen der Polizei vor, falsches Beweismaterial platziert zu haben und Hinweise auf andere Verdächtige zerstört oder verändert zu haben.

Bei der Aussetzung von Coopers Hinrichtung wurde ihm das Recht auf Berufung verweigert. Daraufhin warnten fünf Richter in einem schriftlichen Widerspruch, der Bundesstaat Kalifornien stehe kurz davor, «einen unschuldigen Mann hinzurichten».

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