Island erklärt offiziell ersten Gletscher für «tot»

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    Der Okjökull ist der erste Gletscher Islands, der dem Klimawandel zum Opfer gefallen ist. Wo früher eine dicke Eisschicht den Vulkan bedeckte, liegt heute Geröll. Mit einer Trauerfeier haben Menschen nun Abschied genommen. Sie sprachen auch eine klare Warnung aus.

    Klimawandel
    Links: Luftaufnahme des damals noch existierenden isländischen Okjökull-Gletschers in 1986. Rechts: Vom geschrumpften Gletscher ist im August 2019 nur ein kleiner Fleck aus Eis übrig. - DPA

    Das Wichtigste in Kürze

    • Opfer der Erderwärmung: Island hat erstmals einen Gletscher offiziell für «tot» erklärt.

    Die Eismassen auf dem 700 Jahre alten Okjökull seien stark abgeschmolzen, daher gelte er formal nicht mehr als Gletscher.

    Schuld sei der menschengemachte Klimawandel, erklärten Wissenschaftler bei einer Abschiedszeremonie für den Okjökull - auch bekannt als «Ok».

    Das Klima soll auch Thema bei einem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf der Insel sein. Am Dienstag ist ein Arbeitsmittagessen mit den Regierungschefs der nordischen Länder Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden geplant, bei dem es unter anderem um europäische und internationale Themen wie die Klimapolitik gehen soll. Am frühen Montagabend wollte sich Merkel bereits mit der isländischen Ministerpräsidentin Katrín Jakobsdóttir treffen.

    Dort, wo sich früher der Okjökull-Gletscher erstreckt hatte, wurde bei der Abschiedszeremonie am Sonntag nun eine Gedenktafel enthüllt: «Ein Brief an die Zukunft», steht darauf. Die Tafel soll nicht nur an den Gletscher erinnern, sondern vor allem auch eine Warnung sein: «In den nächsten 200 Jahren ist zu erwarten, dass alle unsere wichtigsten Gletscher den gleichen Weg gehen. Diese Gedenktafel dient dazu, anzuerkennen, dass wir wissen, was vor sich geht und was zu tun ist», steht weiter auf der Tafel.

    «Dies wird das weltweit erste Denkmal für einen Gletscher sein, der durch den Klimawandel verloren gegangen ist», sagte die Anthropologin und Filmemacherin Cymene Howe von der US-amerikanischen Rice-Universität vor der Enthüllung. Zusammen mit ihrem Kollegen Dominic Boyer hatte Howe 2018 die Dokumentation «Not Ok» über den Okjökull veröffentlicht. Schmelzen Gletscher, gehe auch ihre Funktion als Wasserspeicher verloren: «Diese Eisflächen sind die grössten Süsswasserreserven des Planeten», sagte sie.

    Der Okjökull hatte bereits 2014 seinen Status als Gletscher verloren. Mit nur noch 15 Metern Eisdicke ist er zu leicht geworden, um sich vorwärts zu schieben. Um als Gletscher zu gelten, muss das Eis 40 bis 50 Meter dick sein und sich unter seinem Eigengewicht bewegen. Rund 100 Menschen, darunter Regierungschefin Jakobsdóttir, nahmen nun an der Trauerfeier für den Gletscher teil.

    «Ok war der erste namentlich benannte isländische Gletscher, der geschmolzen ist wegen der Art und Weise, wie Menschen die Atmosphäre des Planeten verändert haben», sagte Boyer. «Alle Gletscher Islands werden sein Schicksal teilen, wenn wir nicht jetzt handeln, um die Treibhausgasemissionen radikal zu reduzieren.»

    Weltweit verlieren schmelzende Gletscher jährlich rund 335 Milliarden Tonnen Eis. Zu diesem Schluss kommen Forscher aus Zürich, die Satellitenmessungen und Beobachtungen vor Ort ausgewertet haben. Der federführende Forscher Michael Zemp von der Universität Zürich sagte im April, die Welt verliere damit jährlich rund drei Mal das verbleibende Gletschervolumen der Europäischen Alpen. Die Gletscher hätten zwischen 1961 und 2016 mehr als 9000 Milliarden Tonnen Eis verloren.

    Anfang des Monats hatte der Weltklimarat IPCC in einem Sonderbericht festgestellt, dass der weltweite Temperaturanstieg über den Landflächen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bereits bei 1,53 Grad liegt.

    Island habe seit den 1990er Jahren bereits mehr als zehn Prozent seiner gesamten Gletschermasse verloren, hatte die Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung, Antje Boetius, im Juni gesagt, als sie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu einem Staatsbesuch nach Island begleitete. «Die Gletscherschmelze erhöht den Meeresspiegel ungemein.» Allein das bisherige Schmelzen der isländischen Gletscher habe einen Millimeter zum weltweiten Anstieg des Meeresspiegels beigetragen. Boetius hat einen anschaulichen Vergleich: «Wenn alle Menschen der Welt gleichzeitig ins Meer springen, dann steigt der Spiegel nicht einmal um einen Millimeter.»

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