Harvard will Bestnoten-Obergrenze testen – wegen KI?
Die Elite-Universität Harvard will ab Herbst 2027 eine Bestnoten-Obergrenze einführen, die Note «A» werde zu oft vergeben. Die Studierenden äussern Kritik.

Das Wichtigste in Kürze
- Ab 2027 führt die amerikanische Universität Harvard eine Bestnoten-Obergrenze ein.
- Die Schule will damit gegen die «Noteninflation» vorgehen.
- Der Grund: Die Zahl der Bestnoten ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen.
Die Elite-Universität Harvard geniesst weltweit einen beinahe legendären Ruf. Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten haben dort studiert, Der Weg zum Abschluss gilt als anspruchsvoll und hart umkämpft.
Doch genau bei diesen Spitzenleistungen sieht die Universität inzwischen ein Problem: Es gibt zu viele Bestnoten.
Die Note «A» gilt in Harvard als höchste Bewertung. Künftig soll diese deutlich restriktiver vergeben werden.
Harvard stellt «Noteninflation» fest
Wie das «Wall Street Journal» berichtet, konnten die Lehrkräfte der Universität in den vergangenen Wochen über eine entsprechende Reform abstimmen.
Das Resultat fiel deutlich aus: Rund zwei Drittel sprachen sich dafür aus, dass pro Lehrveranstaltung höchstens ein Fünftel der Studierenden die Bestnote «A» erhalten darf.
In Ausnahmefällen sollen maximal vier weitere Studierende ebenfalls ein «A» bekommen können.
Hintergrund der Reform ist die sogenannte «Noteninflation». Das heisst: Immer mehr Studierende erhalten Spitzenbewertungen, wodurch die eigentliche Aussagekraft der Noten zunehmend verloren geht.
2005 erhielten noch rund 24 Prozent der Studierenden ein «A», 2025 lag der Anteil bereits bei rund 60 Prozent. Ob diese Entwicklung auch mit der Zunahme von KI zu tun hat, wird im Bericht nicht erwähnt. Möglich wäre dies jedoch.
Viele Professoren und Dozenten sehen nun Handlungsbedarf. Die Noten müssten wieder stärker zwischen guten und aussergewöhnlichen Leistungen unterscheiden können.
Studierende reagieren mit Spott und Kritik
Unter den Studierenden sorgte der Vorschlag allerdings schon im Vorfeld für massiven Widerstand. Gemäss einer Umfrage der studentischen Selbstverwaltung lehnten 94 Prozent der 800 Teilnehmenden den Vorschlag ab.
In sozialen Medien kursierten daraufhin zahlreiche Memes. Einige stellten die Dekane, also die leitenden Personen der Fakultäten, als autoritäre Figuren wie Dolores Umbridge aus «Harry Potter» dar.
Die Studierendenzeitung «Harvard Crimson» sprach zudem von einer «groben» Quote, die das eigentliche Problem in den Hintergrund rücke. «Statt die Noteninflation zu bekämpfen, sollte die Strenge im Unterricht wiederhergestellt werden», hiess es.
Viele Studierende befürchten zudem, dass die Reform den Konkurrenzdruck weiter verschärft. Anspruchsvolle Kurse könnten künftig bewusst gemieden werden, weil die Chancen auf eine Spitzenbewertung sinken.
Gebracht haben die Proteste der Studierenden allerdings herzlich wenig. Die geplante Obergrenze soll ab Herbst 2027 gelten.

















