Experte: «Es steckte viel indirekte Kritik in Charles' Rede»
Lächeln, Händedruck, höfliche Worte: König Charles III. wahrt bei seinem Besuch in Washington die Form. Doch vor dem US-Kongress setzt er gezielte Seitenhiebe.

Das Wichtigste in Kürze
- Am Dienstag hat der britische König Charles III. vor dem US-Kongress eine Rede gehalten.
- Er sprach dabei Themen an, denen die USA nicht mehr viel Aufmerksamkeit schenken.
- Trump zeigte sich dennoch begeistert, Charles habe «eine grossartige Rede» gehalten.
Gefolgt vom grossen Staatsbankett hat der britische König Charles III. am Dienstag eine Rede in Washington gehalten. Das bilaterale Treffen mit US-Präsident Donald Trump und der Auftritt vor dem US-Kongress wurden im Vorfeld mit Spannung erwartet.
Am Nachmittag zuerst das Treffen im Weissen Haus: Charles schüttelt Trumps Hand, lächelt, bleibt höflich. Protokollbrüche des Präsidenten ignoriert er, Geschenke nimmt er dankend entgegen.
Am Abend tritt er vor den Kongress, flankiert von seiner Frau Camilla. Seine Rede beginnt mit einem Witz: «We have really everything in common with America nowadays except, of course, language!»
Auf Deutsch also: «Wir haben heutzutage wirklich alles mit Amerika gemeinsam – ausser natürlich der Sprache!» Es ist ein Versuch, die spürbare Spannung zwischen den beiden Ländern zu lockern.
Zwischen Charme und Seitenhieben
Was während der Rede auffällt: Immer wieder setzt Charles feine Nadelstiche.
Der Monarch spricht über den Stellenwert der Demokratie, über Diversität, über die Nato und den Klimaschutz. Es sind Themen, denen die USA in jüngster Vergangenheit immer weniger Aufmerksamkeit geschenkt haben.
Charles liest dem Kongress höflich und subtil die Leviten, er hält der US-Regierung einen Spiegel vor. Und erntet dafür Applaus und Standing Ovations.
Seine Rede ist noch nicht zu Ende, da veröffentlicht das Weisse Haus ein Bild von König Charles und US-Präsident Trump. Die triumphierende Unterschrift: «Two kings», also «Zwei Könige».
Charles’ Auftritt, sein gelegentliches «Indeed!», das er Trump bei dessen Monologen zuwirft, dürften dem Republikaner geschmeichelt haben.
Doch kommt Charles' politische Predigt beim US-Präsidenten überhaupt an? Oder war die Kritik zu subtil, als dass Trump sie bemerkt hätte?
Trump ignoriert «indirekte Kritik»
US-Experte Thomas Greven von der Freien Universität Berlin sagt zu Nau.ch: «Es steckte viel indirekte Kritik in Charles' Rede.»
Doch gerade wegen ihrer Subtilität könne sie von Trump und Vance leicht ignoriert werden.
«Charles weiss mutmasslich, dass Trump jegliche Kritik ignorieren wird», so Greven. «Es ist wohl eher eine Botschaft an andere, das ‹amerikanische Experiment› nicht aufzugeben.»
Am Verhältnis zwischen den beiden Ländern ändert das wenig. «Charles wird das nicht kurzfristig verbessern können.»
Eine Erinnerung an frühere Werte
Vielleicht erklärt das auch, warum Charles in seiner Rede immer wieder auf die «special relationship» der beiden Länder verweist. Er erinnert den Kongress daran, wofür die USA einst standen – und wofür sie stehen könnten.
TWO KINGS. 👑 pic.twitter.com/iPVUxc4i4H
— The White House (@WhiteHouse) April 28, 2026
«Ich bete von ganzem Herzen, dass unsere Allianz weiterhin unsere gemeinsamen Werte verteidigen wird», betonte er am Ende seiner Rede. «Und dass wir die lauten Rufe, uns immer stärker nach innen zu wenden, unbeachtet lassen.»
Trump zeigt sich danach sichtbar angetan. Charles habe «eine grossartige Rede» gehalten. Ob er sich die Botschaft auch zu Herzen nimmt, bleibt offen.

















