Donald Trump

    Donald Trump: Darum knicken Unis vor ihm ein

    Antun Boskovic
    Antun Boskovic

    USA,

    Donald Trump übt politischen Druck gegen mehrere Elite-Unis der USA aus. Eine hat bereits nachgegeben. Eine USA-Expertin ordnet Trumps Kampf gegen die Unis ein.

    Donald Trump
    Donald Trump drohte dem Iran erneut: «Sie dürfen keine Atomwaffe haben ...» (Archivbild) - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Trump droht einigen Elite-Unis mit der Streichung von Fördergeldern & Forschungsaufträgen.
    • Damit sollen sie zu Änderungen ihrer politischen Ausrichtung gezwungen werden.
    • Ein deutscher Professor der Uni Stanford fühlt sich an die Nazi-Gleichschaltung erinnert.
    • «So weit sind wir noch längst nicht», sagt USA-Expertin Claudia Brühwiler dazu.

    Vor eineinhalb Wochen hat Donald Trump ein Dekret unterzeichnet, um das US-Bildungsministerium zu zerschlagen. Parallel dazu geht der US-Präsident gegen die Elite-Universitäten des Landes vor. Sein Ziel: Die Hochschulen sollen ihre politische Ausrichtung ändern.

    Unter dem Vorwand, gegen Antisemitismus an den Hochschulen vorzugehen, droht die US-Regierung den renommierten Unis. Vor rund zwei Wochen schrieb Donald Trump auf seinem Netzwerk Truth Social: «Alle Bundesmittel für jene Hochschulen, Schulen und Universitäten, die illegale Proteste zulassen, werden gestrichen.»

    Donald Trump gegen die Elite-Unis

    Gemeint waren damit Proteste von Studierenden gegen die Invasion Israels in Gaza. So wie sie etwa an den Elite-Unis Columbia in New York und Harvard bei Boston stattfanden. Ihnen wirft der US-Präsident nun vor, Antisemitismus zu dulden.

    Der Columbia University hatte er deswegen 400 Millionen Dollar an staatlichen Forschungsgeldern gekürzt. Der Universität von Pennsylvania wurde wegen ihrer Leitlinien über die Teilnahme von trans-Menschen beim Sport 175 Millionen an Fördergeldern gestrichen.

    Columbia University Proteste
    Auf dem Campus der Columbia University fanden monatelang Proteste gegen die Invasion Israels in Gaza statt. - keystone

    Der Harvard-Universität droht Donald Trump nun auch: Staatliche Fördergelder und Forschungsaufträge in Höhe von neun Milliarden Dollar sollen geprüft werden. Die Überprüfung werde eine Task Force zur Bekämpfung von Antisemitismus durchführen.

    Columbia nimmt Forderungen von Donald Trump an

    Um die Forschungsgelder-Kürzung zu verhindern, hat die Columbia-Universität mittlerweile eingelenkt: Unter anderem soll die Möglichkeit für Proteste auf dem Campus eingeschränkt werden.

    Ein Fachbereich soll ausserdem unter Kontrolle ausserhalb der Uni gestellt werden. Dafür gab es heftige Kritik: Studierende und Lehrende bezeichneten dies als billigende Inkaufnahme von Bundespolitik. Am Wochenende folgte deswegen der Rücktritt der Interimspräsidentin der Uni.

    Gefährdet das Vorgehen der US-Regierung die akademische und Forschungsfreiheit in den USA?

    Einige Experten sehen im Einlenken der Elite-Uni einen gefährlichen Präzedenzfall. Dies könne die akademische und die Forschungsfreiheit gefährden.

    Professor erinnert Vorgehen von Donald Trump an Gleichschaltung

    Erste renommierte Wissenschaftler der Universität Yale haben auf diese Entwicklungen reagiert und wollen nach Kanada wechseln. Darunter Faschismusforscher Jason Stanley, der von faschistischen Zuständen in den USA spricht: «Was wir jetzt sehen – das ist Faschismus.»

    Der deutsche Professor Adrian Daub, der selbst an der US-Universität Stanford lehrt, zieht einen historischen Vergleich: In einem «Spiegel»-Gastbeitrag schreibt er, dass ihn die Entwicklung an «die Gleichschaltung der Universitäten 1933 in Deutschland» erinnert.

    Diese hatte damals tiefe Einschnitte in die Autonomie von Universitäten und Fakultäten zur Folge.

    Jason Stanley Yale
    Faschismusforscher Jason Stanley von der Universität Yale spricht von faschistischen Zuständen in den USA unter Donald Trump und will das Land verlassen. - https://campuspress.yale.edu/jasonstanley/

    «So weit sind wir noch längst nicht», erklärt Claudia Brühwiler, USA-Expertin von der Uni St. Gallen auf Anfrage von Nau.ch zu diesem Vergleich. «Es handelt sich vor allem um eine Attacke gegen das Bildungsministerium.»

    Dieses sei den Konservativen schon länger ein Dorn im Auge. Sowie gegen die Elite-Institutionen, deren politischer Kurs ebenfalls schon seit Jahrzehnten für Unmut sorge.

    «Allerdings leiden alle Institutionen unter der grossen Unsicherheit und Verunsicherung. Sodass die amerikanische Bildungslandschaft über die kurze Frist hinaus Schaden nimmt», sagt Brühwiler.

    Nachgeben von Columbia University «ist beunruhigend»

    Laut der USA-Expertin geht es um folgende Regierungsgelder: Die US-Bundesregierung habe ein Budget von über 50 Milliarden Dollar für Forschungsförderung. «Dieses Geld kann von Universitäten respektive deren Forschenden eingeworben werden.»

    Der grössere Betrag seien aber die rund 150 Milliarden Dollar, die an «Student Aid» vergeben werden. Es handle sich um Geld, «das Studierende zur Bewältigung der hohen Studiengebühren beispielsweise in Form von Darlehen beantragen können».

    «Die Universitäten benötigen diese Mittel also einerseits, um Teile der Forschung und daran gebundene Stellen zu finanzieren. Andererseits, damit Studierende tatsächlich ihren Studienplatz finanzieren können», so Brühwiler.

    Zum Einlenken der Columbia University sagt sie: «Es ist eigentlich eine sehr reiche, private Universität. Die in der Lage gewesen wäre, die Finanzlücke zumindest kurzfristig selbst zu schliessen. Dass sie nun so schnell nachgegeben hat, ist beunruhigend.»

    Viele Unis dürften die Bedingungen von Donald Trump erfüllen

    Andere Universitäten hätten eine stärkere Reputation. Und möglicherweise kampflustige Geldgeber.

    Aber manche müssen fast vor Trump einknicken. «Bis für weniger betuchte Institutionen solche Donatoren oder einzelne Staaten in die Bresche springen können, ist es vielleicht zu spät. Daher werden viele Universitäten versuchen, zumindest einen Teil der Bedingungen der Administration zu erfüllen», erklärt Brühwiler.

    Ukraine Krieg
    Claudia Franziska Brühwiler ist Amerikanistin und Politikwissenschaftlerin an der Universität St. Gallen. - zVg

    Laut der Expertin bricht die US-Regierung damit gewissermassen ihre eigenen Verträge. «Allerdings können die Universitäten in erster Linie nur neu verhandeln.»

    Teilweise würden aber auch gerichtliche Wege beschritten: «So bei der Ausweisung von Forschenden, die trotz Aufenthaltsbewilligungen ausgeschafft werden sollen. Oder die bereits an der Grenze abgewiesen worden sind», sagt Brühwiler.

    «Akademische Freiheit tangiert, wenn Studieninhalte unter Beschuss kommen»

    Ob die akademische Freiheit so noch gegeben sei, hänge davon ab, was man als «akademische Freiheit» betrachtet. «Die Erhöhung von Sicherheitsmassnahmen, die Streichung von DEI-Massnahmen (Anm. der Redaktion: DEI steht für Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion) – das sind Eingriffe in die Autonomie von Hochschulen.»

    Es handle sich aber nicht um Eingriffe in die akademische Freiheit per se. «Die akademische Freiheit wird dann tangiert, wenn Studiengänge und -inhalte unter Beschuss kommen. Wie das bei der Columbia geschehen ist», hält Brühwiler fest.

    Denkst du, dass den USA die Forschenden davonlaufen werden?

    «Bei der Forschungsförderung liesse sich das auch sagen, wäre da nicht das konservative Gegenargument: Gerade in den Geistes- und Sozialwissenschaften herrschte in der Forschungsförderung ein anti-konservativer Kurs.»

    Auch gebe es Fakultäten, die ideologisch sehr einseitig besetzt seien. «Hier stösst das Ideal der vielstimmigen, pluralistischen Ideenwerkstatt Universität an die Grenzen der Realität. Wie sie nicht nur in den USA herrscht.»

    Kommentare

    User #3992 (nicht angemeldet)

    «So weit sind wir noch längst nicht», Frau Claudia Brühwiler, das kann sehr schnell gehen, dann sind wir wieder soweit….

    User #6218 (nicht angemeldet)

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