Darum tragen junge Leute Maduros Diktatoren-Look

Simon Ulrich
Simon Ulrich

USA,

Der Hype um den «Maduro Fit» ist mehr als blosser Stil. Ein Experte sieht darin ein Spiel mit Provokation – und die Solidarisierung mit einem «Bösen».

Maduro
Der Nike-Trainingsanzug, den Nicolás Maduro bei seiner Festnahme trug, ist in manchen Online-Shops vergriffen. - X/Weisses Haus/Nike

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Foto von Maduros Festnahme machte seinen Nike-Look weltweit bekannt.
  • Memes fluteten Social Media und der Hoodie ist in Online-Shops teils ausverkauft.
  • Ein Konsumpsychologe sieht im Hype eine Mischung aus Provokation und Prominenz-Effekt.

Als das Foto von Nicolás Maduros Festnahme am 3. Januar veröffentlicht wurde, ging es in Windeseile um die Welt. Es zeigt den gefesselten venezolanischen Machthaber an Bord eines US-Militärschiffs, mit Augenbinde, Kopfschutz – und in einem grauen Nike-Tech-Fleece-Hoodie.

Was eigentlich als Symbol politischer Entmachtung gedacht war, wurde innert Stunden zum globalen Popkulturmoment.

Memes und Suchanfragen gehen durch die Decke

In den sozialen Medien bekam der Look prompt einen Namen: «Maduro Fit». Memes überschwemmten Twitter, Tiktok und Instagram, auf Google schossen die Suchanfragen nach «Maduro Nike» oder «Nike Tech» durch die Decke.

Parallel dazu zeigte sich sehr schnell im echten Konsumverhalten eine Wirkung: Wie US-Medien berichteten, war die graue Trainingsjacke im Nike-Webstore zeitweise ausverkauft.

Aber auch auf Europa schwappte der Hype über – und auf die Schweiz. Auf Zalando.ch ist das Oberteil für 130 Franken am Mittwoch nur noch in der Grösse XS erhältlich. Die dazu passende Jogginghose für 102 Franken ist sogar restlos ausverkauft.

Provokation und die Solidarisierung mit einem «Bösen»

Was treibt gerade junge Menschen dazu, das Outfit eines verhafteten Diktators zu tragen: Wollen sie bloss auffallen oder stecken tiefgreifendere Motive dahinter?

«Die Frage nach der Provokation würde ich für den Moment noch bejahen», sagt der Konsumpsychologe Georg Felser. Allerdings werde dieser Effekt rasch verblassen, sobald neue Bilder die Aufmerksamkeit übernehmen.

Lässt du dich bei Modetrends von Prominenten inspirieren?

Ganz neu sei so etwas nicht, meint Felser – auch wenn frühere Beispiele unter anderen Bedingungen entstanden. Er erinnert an die herunterhängenden Baggy-Hosen, die in den 90er-Jahren Einzug in die Hip-Hop-Kultur hielten.

Was viele als besonders lässig empfanden, war ursprünglich eine Kopie der Kleidung, die Häftlinge in US-Gefängnissen trugen. Das besagt zumindest eine gängige Theorie, die sich seit Jahrzehnten hält. Weil den Insassen der Gürtel abgenommen wurde, rutschte die Hose tiefer.

«Das war wohl ebenfalls eine Art Solidarisierung mit Menschen in problematischen Kontexten», sagt Felser.

Bemerkenswert sei im Unterschied zu damals jedoch die Rollenverteilung. Früher habe sich Mode-Rebellion oft in Form von Sympathiebekundungen geäussert. Felser nennt als Beispiel Che Guevara, der sich als Revolutionär und Underdog mit frühem Tod hervorragend für die Heldenrolle eignete.

Maduro sei bei Weitem keine solche Identifikationsfigur, sagt Felser. Doch seine Gegner – Trump und Konsorten – agierten moralisch eben auch «nicht sauber». Das schaffe eine neue Situation, in der es «die Guten» nicht gebe.

«Sich in einer solchen Situation mit einem ebenfalls ‹Bösen› zu assoziieren, das ist sicherlich nicht normal.» Ob das tatsächlich etwas völlig Neues ist, lässt Felser offen – Parallelen fallen ihm jedenfalls keine ein.

Menschen suchen Nähe zu Promis – egal, ob diese gut oder böse sind

Hinzu komme ein bekannter psychologischer Effekt: Menschen mögen die Nähe zu Berühmtheiten – selbst, wenn diese negativ wahrgenommen werden.

Felser verweist auf Studien, wonach selbst Alltagsgegenstände wie ein Schreibtisch mehr Wert bekommen, nur weil sie bekannten Persönlichkeiten gehört haben. «Da ist es egal, ob es der Schreibtisch von Saddam Hussein oder der von George Clooney oder Robin Williams ist.»

Findest du es richtig, dass Präsident Maduro in den USA vor Gericht gestellt werden soll?

Diese Lust an symbolischer Berührung mit Macht und Prominenz könnte dem «Maduro Fit» ebenfalls zu seinem Siegeszug verholfen haben.

Kommentare

User #6276 (nicht angemeldet)

Warum will jemand freiwillig so aussehen wie ein verurteilter Diktator? Ich fühle mich immer mehr wie in Demolition men! Aber verstehen muss man das nicht wirklich, oder?

User #9882 (nicht angemeldet)

Minau ist immer zu linggs.

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