Auch linker Vordenker Noam Chomsky hatte engen Kontakt zu Epstein
Der US-Kapitalismuskritiker Noam Chomsky (97) hatte engeren Kontakt zu Jeffrey Epstein als bisher behauptet. Das zeigt der E-Mail-Verkehr zwischen den beiden.

Das Wichtigste in Kürze
- Neue Dokumente zeigen: Der Akademiker Noam Chomsky hatte engen Kontakt zu Jeffrey Epstein.
- Bisher beteuerte Chomsky, seine Beziehung zu Epstein sei rein geschäftlich gewesen.
- Der 97-Jährige stand in regelmässigem Austausch mit dem Sexualstraftäter.
Mehr als eine geschäftliche Beziehung: Der linke Akademiker Noam Chomsky (97) hatte engeren Kontakt zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein als bisher bekannt. Chomsky ist ein US-amerikanischer Linguist und Kapitalismuskritiker.
Aus den am Freitag vom US-Justizministerium veröffentlichten Dokumenten geht hervor, dass die beiden Männer eine Freundschaft pflegten. Sie tauschten regelmässig E-Mails miteinander aus, schreibt die britische Zeitung «The Guardian».
Noch im November sagte Chomsky, Epstein habe ihn lediglich in finanziellen Fragen beraten. Die neuen Akten widerlegen diese Aussage. In der wohl brisantesten Nachricht schreibt Chomsky von einer «Hysterie um den Missbrauch von Frauen».
Seine auffälligsten Nachrichten stammen aus 2019, elf Jahre nachdem Epstein gestand, ein Mädchen zur Prostitution aufgefordert zu haben.
Damals soll Epstein Ratschläge von Chomsky erhalten haben, wie er mit seiner Situation umgehen soll. Insbesondere bezüglich der «schrecklichen Art und Weise», wie Epstein in der Presse und der Öffentlichkeit behandelt werde.
Chomskys Ratschlag lautete damals: «Am besten ignoriert man das einfach. Das gilt insbesondere jetzt, wo eine Hysterie um den Missbrauch von Frauen entstanden ist.» Schon das Infragestellen einer Anschuldigung sei ein Verbrechen, das schlimmer ist als Mord.
«Ich träume wirklich von der Karibikinsel»
Dass sich die beiden Männer gut verstanden, ist im E-Mail-Verkehr zu erkennen. 2016 vereinbarten sie eine Zusammenkunft, wobei Epstein New York oder die Karibik als Treffpunkt vorschlug. «Ich träume wirklich von der Karibikinsel», antwortete Chomsky.
Ob es sich dabei um Epsteins private Insel handelte, auf der Mädchen sexuell missbraucht wurden, ist nicht klar.
Auch Kontakt zu Ex-Trump-Stratege Steve Bannon
Aus den Dokumenten geht auch hervor, dass Chomsky sich ebenfalls mit Donald Trumps früherem Strategen Steve Bannon ausgetauscht hatte. Bannon bezeichnete sich in einer Nachricht an Epstein als «Berater» fast aller rechten Parteien Europas – auch der SVP.
Die Kontaktdaten von Bannon habe Chomsky von Epstein erhalten. «Wir haben eine Menge zu besprechen», schrieb er Bannon.
Bisher reagierte Noam Chomsky nicht auf die jüngsten Veröffentlichungen. Auch Presseanfragen, ob er und seine Frau und Sprecherin Valeria Chomsky die Echtheit der Mails anzweifeln, hat das Ehepaar ignoriert.

















